Kommentar: Maskenfreiheit vs. Freiheit zu leben: Corona wird zum Charaktertest
Die Freiheit, ohne Maske rumzulaufen, steht derzeit gegen die Freiheit vieler Menschen, in einigen Monaten noch am Leben zu sein.
Foto: AP„In der Krise beweist sich der Charakter“, ist eine Feststellung, die der damalige Hamburger Innensenator und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt während der Sturmflut 1962 geprägt haben soll. Im Frühjahr 2020 hatte Schmidts Bonmot einige Wochen lang Konjunktur, als die Deutschen der Pandemie in den ersten Wochen mit Homeoffice und Heimunterricht entgegentraten.
Inzwischen ist gut erforscht, wie man sich und seine Mitmenschen vor einer Ansteckung mit dem tödlichen Virus schützen kann. Die Zahl der Kontakte reduzieren, Distanz halten, Masken tragen.
Dass die Zahl der Ansteckungen in Deutschland wieder exponentiell steigt, liegt nicht an vermehrten Tests, sondern an Reiseheimkehrern und großen Festen, bei denen Hygieneregeln nicht eingehalten wurden – Probleme, die die Politik nun mit Beherbergungsverboten und Gäste-Obergrenzen hastig einzuschränken versucht.
Da solche Verbote vor einem Jahr noch undenkbar schienen, ist eine Debatte über Freiheit und das richtige Maß gerechtfertigt, ja notwendig. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit garantiert das Grundgesetz schon in seinem zweiten Artikel. Wie einer Hochzeit feiert oder seinen Urlaub verbringt, ist in gewöhnlichen Zeiten nichts, worüber ein Staat, ein Gesundheitsamt oder ein Nachbar seine Nase zu rümpfen hat.