Kommentar: Mehr Mut, Frau Lagarde!
Die EZB-Chefin setzt auf Flexibilität angesichts vieler Unsicherheiten.
Foto: APDiese Pressekonferenz hätte man sich fast sparen können. Nimmt man das offizielle Statement der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Äußerungen von Präsidentin Christine Lagarde zusammen, dann ergibt sich folgendes Bild: Die Notenbank wird sehr wahrscheinlich zwischen Anfang Juli und Ende September ihre Nettozukäufe an Staatsanleihen stoppen. Danach kann es von einer Woche bis zu mehreren Monaten dauern, bis sie das erste Mal die Zinsen erhöhen wird.
Das aktuelle Statement ist nur eine Bekräftigung von Lagardes Äußerungen nach der vorangegangenen Sitzung im März. Die jüngsten Äußerungen lassen so viel offen, dass sie zu wenig Orientierung bieten.
De facto sind alle wirklichen Entscheidungen auf die nächste geldpolitische Sitzung am 9. Juni verschoben worden. Nur wenn man sehr genau hinschaut und -hört, ergibt sich sehr vage der Eindruck, dass die EZB den Markterwartungen, dass es noch 2022 mindestens einen Zinsschritt gibt, etwas entgegengekommen ist.
Zwar ist verständlich, dass die Geldpolitiker der EZB sich angesichts der Unsicherheit durch den Krieg in der Ukraine alle Optionen offen lassen wollen. Trotzdem wäre eine etwas deutlichere Stellungnahme zur Inflation, die im Euro-Raum inzwischen bei 7,5 Prozent liegt, angemessen gewesen.