Kommentar: Thieles Ja zum Rettungspaket ist keine Zustimmung
Vieles spricht dafür, dass er das Sagen bei der Lufthansa haben will.
Foto: dpaWas für eine Überraschung. Mit Hochdruck bereitet man sich am Mittwoch in der Konzernzentrale von Lufthansa und auch beim Bund schon auf den schlimmsten aller Fälle vor: die Insolvenz. Da lässt der Großunternehmer Heinz Hermann Thiele am Abend über die „FAZ“ mitteilen, dass er dem Rettungspaket der Regierung an diesem Donnerstag zustimmen werde.
Es ist – man muss es wohl so sagen – ein erbärmliches Spiel, das der Unternehmer aus München da treibt. Bis zur letzten Minute lässt er alle Beteiligten im Unklaren. Nicht nur die Verunsicherung – auch bei den fast 140.000 Mitarbeitern – ist gewaltig gewesen. Es dürfte auch ein wirtschaftlicher Schaden entstanden sein. Der eine oder andere Partner und Zulieferer der „Hansa“ dürfte angesichts der Zuspitzung schon mal auf Vorkasse bestanden haben.
Thiele mag in vielen Punkten mit seiner Kritik an der Ausgestaltung des Rettungspakets recht haben. Seine Aussage, er wolle nichts blockieren, er wolle dabei helfen, die Lufthansa zu retten, wirkt angesichts seiner Handlungen aber bisher wenig überzeugend.
Warum hat der Unternehmer – trotz der Gespräche mit den Verantwortlichen in Berlin und Frankfurt – keinen der Beteiligten ins Boot geholt? Warum hat er kurz vor der alles entscheidenden Hauptversammlung noch mal Aktien in größerem Umfang dazugekauft? Das macht keiner, der davon ausgehen muss, dass diese Papiere kurze Zeit später verwässert werden, weil der Bund mit 20 Prozent bei Lufthansa einsteigen wird.
Nein, Thieles Plan war ein anderer. Den kennt nur er, aber die Indizien sprechen dafür, dass er das Sagen bei der „Hansa“ haben will. Aktuell ist er damit gescheitert, vielleicht, weil Geld fehlte. Ist der Bund erst mal seinerseits Großaktionär der Lufthansa, ist Thieles Einfluss begrenzt.
Doch wer sich seine Geschichte als Unternehmer anschaut, ahnt, dass der 79-Jährige nicht nachlassen wird, um sein Ziel doch noch zu erreichen. Management und Mitarbeiter sollten sich in den kommenden Monaten auf den einen oder anderen Querschläger von der Seite einstellen. Dass Thiele an diesem Donnerstag der „Beschlussvorlage“ des Managements zustimmen will, heißt nicht, dass er nun den Plänen des Managements zustimmt.