Kommentar: Threads bringt Twitter-Chef Elon Musk in große Bedrängnis

Musk scheint es nicht zu gelingen, einen Marktführer zu managen.
Foto: IMAGO/UPI PhotoDas ist schon dreist, wie Mark Zuckerberg Twitter kopiert. Mit Erfolg: Schon in den ersten sieben Stunden verzeichnete Threads mehr als zehn Millionen Nutzer. Zahlen, von denen andere Kurznachrichtendienste wie Blue Sky oder Mastodon nur träumen können.
Für Twitter-Chef Elon Musk wird es eng. Er kaufte vor acht Monaten Twitter für 44 Milliarden Dollar vor allem wegen seiner vielen aktiven Nutzer von derzeit mehr als 364 Millionen.
Doch mit jedem User, den Zuckerberg auf Threads holt, vermindert sich der Netzwerkeffekt von Twitter. Musk selbst schätzte den Wert von Twitter jüngst auf 20 Milliarden Dollar, Experten gehen gar von nur 15 Milliarden Dollar aus. Der Wert dürfte jetzt nochmals deutlich gefallen sein.
Twitter ist klar die Nummer eins. Die Kunden sind weniger nachsichtig, die Technologie ist gesetzter. Was bei Tesla Sinn ergibt, neue Dinge ausprobieren, Regeln brechen und Risiken eingehen – das ist Gift für Twitter.
Leselimit, Zugangsbegrenzungen oder andere Maßnahmen haben alle an sich vielleicht Sinn, aber in der Menge überfordern sie die Nutzer. Musk ist die Ungeduld in Person, dabei braucht Twitter eine ruhige Hand.
Man kann für Musk nur hoffen, dass er die neue Chefin Linda Yaccarino in Ruhe arbeiten lässt. Er müsste es tun, schon aus Eigeninteresse. Aber das ist das Problem von einigen erfolgreichen Menschen: Man hält sich für unverzichtbar, man weiß alles besser. Es wird sehr spannend, zu sehen, wie Threads einschlägt. Für Musk wird es eng.
Erstpublikation: 06.07.2023, 16:14 Uhr.