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Twitter-Konkurrent ThreadsSchon 100 Millionen Nutzer: Was kann Metas neuer Kurznachrichtendienst?

Meta bringt Threads auf den Markt. Das Interesse ist groß, Experten sehen eine ernsthafte Gefahr für Twitter – und großen Datenhunger. Die wichtigsten Fragen und Antworten.Thomas Jahn 12.07.2023 - 10:14 Uhr Artikel anhören

Metas Twitter-Konkurrent Thread startet zunächst nicht in der EU. Der erfolgreiche Start zeigt aber: Zuckerbergs Projekt hat das Potenzial, Elon Musks Kurznachrichtendienst in den Schatten zu stellen.

Foto: dpa

Düsseldorf. Einige Stunden früher als geplant brachte Meta Threads Donnerstagnacht auf den Markt. Der neue Kurznachrichtendienst konnte laut Meta-Chef Mark Zuckerberg in den ersten zwei Stunden zwei Millionen Nutzer für sich gewinnen, nach vier Stunden waren es schon mehr als fünf Millionen – nach fünf Tagen mehr als 100 Millionen.

Für Twitter-Inhaber Elon Musk sind das schlechte Nachrichten: Metas eng mit dem eigenen Netzwerk Instagram verknüpfter Dienst ist ein direkter Herausforderer für Twitter. Musk kritisierte in einer ersten Reaktion die „falsche Fröhlichkeit“ Instagrams. Laut ihm wird es auf Twitter dagegen ehrliche Diskussionen geben: „Es ist unendlich viel besser, von einem Fremden auf Twitter angegangen zu werden.“

Kann Threads zu einer echten Alternative zu Twitter werden? Was für Funktionen hat es? Wann wird der Dienst in Deutschland erhältlich sein? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was kann der neue Dienst Threads?

Threads ist eng an das von Fotos und Video dominierte Instagram gebunden, gleicht aber in vielen Funktionen und dem Design dem textlastigen Twitter. Zuckerberg macht daraus keinen Hehl, wie ein selbstironischer Twitter-Beitrag zeigte – der erste des Facebook-Gründers seit elf Jahren. Zuckerberg teilte ein bekanntes Meme, ein Bild von Spider-Man und einem Nachahmer, die aufeinander zeigen. Das Bild wird gerade auf Twitter häufig genutzt, um in etwa „Das ist doch exakt dasselbe!“ auszudrücken.

Dieses Kopieren von Twitter ist eine strategische Entscheidung, sagt Josef Raasch, Chef der Berliner Agentur Wlo.social: „Twitter-Nutzer möchten die Plattform verlassen, aber sie möchten nicht bei null anfangen und sie möchten, dass ihr neues digitales Zuhause vertraut wirkt.“

Es gibt aber kleine Unterschiede. So können die Beiträge bei Threads mit 500 Zeichen wesentlich länger sein als bei Twitter, das 280 Zeichen erlaubt. In den Posts von Threads kann man Links, Fotos oder Videos bis zu fünf Minuten Länge einsetzen. Bei Twitter sind nur etwas mehr als zwei Minuten möglich.

Die Unterschiede erfüllen einen Zweck – sie sollen Leute anziehen, die Twitters kostenfreie Version nutzen. Denn wer bei Twitter mehr Freiheiten haben will, muss zahlen. Abonnenten können mit bis zu 10.000 Zeichen ganze Essays schreiben oder mit Videos von bis zu zwei Stunden ganze Spielfilme veröffentlichen. Bei Threads ist von einem Bezahlmodell bisher nicht die Rede. Anders als Twitter wirtschaftet Meta überwiegend hochprofitabel und verfügt über große Reserven.

Ein weiterer Unterschied: Es gibt keine Beschränkung der Anzahl der Posts, die man lesen kann. Musk beschränkte das vor wenigen Tagen auf 1000 pro Tag auf Twitter, um das Abschöpfen von Daten durch Bots zu verhindern.

Wann ist Threads in Deutschland erhältlich?

Der Kurznachrichtendienst geht in mehr als 100 Ländern an den Start, allerdings „auf absehbare Zeit“ nicht in der EU. Laut Matt Navarra, Soziale-Medien-Analyst aus London, wird es eine Frage von wenigen Monaten sein, bis Threads auch in Deutschland erhältlich ist: „Der Markt ist zu wichtig und Threads braucht so viele Nutzer wie nur möglich.“

Bis dahin können Interessierte sich Beiträge im Webbrowser ansehen, allerdings nicht aktiv werden und beispielsweise Likes verteilen.

Auch die Hoffnung, dass Threads durch das dezentrale Protokoll „Activitypub“ über den Twitter-Konkurrenten Mastodon in Deutschland zu erreichen ist, erfüllt sich – noch – nicht. Meta will das Protokoll erst später einführen.

Warum ist die EU ausgeschlossen?

Grund für die Verzögerung sind offene Fragen bei der Regulierung. Instagram-Chef Adam Mosseri sagte dem US-Techmedium The Verge, dass es schwierig sei, „einige Gesetze einzuhalten, die im kommenden Jahr greifen werden“. Damit dürfte er den Digital Markets Act meinen, der unter anderem die Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Diensten erschwert.

Das trifft den Kern von Metas Geschäftsmodell. Der Konzern sammelt möglichst viele Daten für eine genaue Werbeplatzierung. „Du lieber Himmel“, schrieb ein Nutzer auf dem Kurznachrichtendienst Mastodon neben einem Screenshot von Threads, „schaut euch mal die persönlichen Daten an, die ,vielleicht’ von Threads, Metas neuem Twitter-Klon, eingesammelt werden.“

Das „vielleicht“ bezieht sich auf die Erlaubnis der App, auf dem Smartphone auf sehr sensible Informationen zugreifen zu dürfen: Gesundheitsdaten etwa, Transaktionen, Kontakte oder auch den Suchverlauf. Der abschließende Kommentar: „Ein Albtraum für den Datenschutz.“ Erst im vergangenen Mai wurde Meta zu einer Strafe von 1,2 Milliarden Euro verurteilt, weil es gegen EU-Datenregeln verstoßen hatte.

Welche Chancen hat Threads?

Die Datenabschöpfung schreckt laut Analyst Navarra keine Nutzer ab: „Andere Dienste wie Twitter sind da kaum besser.“ Auch seien die Nutzer wie bei Instagram, das eng mit Threads verknüpft ist, an diese Form der Datenabschöpfung gewöhnt.

Helfen soll auch die Starpower prominenter Instagram-Nutzer: Sängerin Shakira, der Dalai Lama, Talkshow-Star Oprah Winfrey, allen wurde vorab ein Zugang zu Threads zumindest angeboten. Auch auf Instagram starke Unternehmensmarken wie die Streamingdienste Netflix oder HBO erhielten Zugang. Zusammen kommen allen diese wenigen Nutzerkonten auf gut 140 Millionen Follower.

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Indem Threads an das soziale Netzwerk von Instagram mit dessen zwei Milliarden Konten anknüpft, bietet es neuen Nutzern einen wichtigen Anreiz. „Das ist ein entscheidender Punkt“, sagt Experte Raasch, „denn eine der größten Hürden für Twitter-Nutzer, die die Plattform verlassen wollen, ist die Aussicht, an einem neuen Ort von vorn beginnen zu müssen.“

Erstpublikation: 06.07.2023, 14:33 Uhr.

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