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Kommentar Trügerischer Sommer der Sorglosigkeit: Die Pandemie ist noch nicht vorbei

Volle Touristenorte und feiernde Fußballfans in Stadien vermitteln ein Bild, als sei die Coronakrise überstanden. Das ist fahrlässig – die Delta-Variante greift um sich.
28.06.2021 - 18:22 Uhr 1 Kommentar
Dicht an dicht wird es auch beim EM-Achtelfinale gegen Deutschland am Dienstag zugehen: 45.000 Zuschauer sind zugelassen. Quelle: AFP
Englische Fans im Wembley-Stadion

Dicht an dicht wird es auch beim EM-Achtelfinale gegen Deutschland am Dienstag zugehen: 45.000 Zuschauer sind zugelassen.

(Foto: AFP)

Der Fußballmythos Wembley ist nach dieser Europameisterschaft vermutlich um ein Kapitel reicher. Zehntausende Fans verfolgen die Spiele in dem Stadion, in dem die deutsche Mannschaft 1996 die Engländer im Halbfinale nach einem dramatischen Elfmeterschießen besiegte.

Mehr als 70.000 waren damals vor Ort, beim Achtelfinalspiel am Dienstag dürften es gerade einmal 45.000 sein – das aber reicht schon, dass aus der Partie ein Politikum wird.

England kämpft nicht nur gegen seine EM-Gegner, sondern auch gegen die Delta-Variante des Corona-Virus, die das Land und nun auch den Kontinent mehr und mehr im Griff hat. Und je gefährlicher die Pandemie in dem Land wird, desto leichtsinniger gehen die Briten damit um.

Es wirkt geradezu absurd, dass mit den steigenden Fall- auch die Zuschauerzahlen in Wembley wachsen. Für das Halbfinale und das Endspiel hat die Uefa die Kapazität auf 60.000 Fans festgesetzt, gleichzeitig ist die Sieben-Tage-Inzidenz während der EM auf mehr als 150 noch oben geschnellt. Zehntausende Fans, die sich in den Armen liegen werden, zusammen jubeln oder weinen, dicht an dicht gedrängt und viele ohne Maske.

Ein Superspreader-Event vor Millionen Zuschauern am Fernseher – sind das die richtigen Bilder? Sie transportieren das Gefühl eines sorglosen Sommers. Als wäre die Pandemie bereits vorüber. Aber das ist sie nicht.

Uefa zu schmerzfrei: Sie könnte die Zuschauerzahl bei der EM stärker begrenzen

Man muss kein Fußballhasser sein, um diese Frage zu stellen. Als „alles andere als optimal“ bezeichnete der Nationalspieler Robin Gosens, der gegen Portugal ein Tor erzielte und zwei vorbereitete, die Lage.

Gosens ist bei Atalanta Bergamo unter Vertrag - in der Region, die unter Pandemie besonders litt. Und wenn auf den Fußball- nahtlos ein Corona-Sommer folgt und die Europameisterschaft dazu etwas beigetragen hat, kann das nicht einmal im Sinne der ansonsten recht schmerzfreien Uefa sein.

Sie könnte daran etwas ändern, indem sie die Zuschauerzahl drastisch nach unten korrigiert. Epidemiologen empfehlen, nur jeden fünften Platz im Stadion zu besetzen, in Wembley wären das immerhin noch 18.000 Zuschauer.

Oder sie könnte die Spiele gleich an einen anderen Ort verlegen, der weniger stark von der Delta-Variante betroffen ist. Die Spiele in Wembley sind unnötig, niemand braucht diesen riskanten Unsinn. Also sagt sie ab!

Fußballfans verteilen das Virus in Europa

Der Schaden ist ohnehin schon da. Die Sorge, dass die Spiele das Virus über den Kontinent verteilen, ist schon längst Realität geworden. Finnische Fußballfans, die die Niederlagen ihrer Mannschaft im Stadion in Sankt Petersburg verfolgten, sorgten bei ihrer Rückkehr dafür, dass die Corona-Zahlen in ihrer Heimat wieder anstiegen. Mehr als 100 Fans hatten sich in Russland infiziert.

In Schottland sind die Fallzahlen in der Gruppe der 15- bis 44-Jährigen deutlich gestiegen, betroffen sind vor allem Männer.

Und auch unabhängig vom Fußball steigt vielerorts der Anteil der Delta-Variante, was längst schon über die Spiele hinaus zu spüren ist. Beispiel Reisen: Wer sich noch im Mai auf die niedrigen Fallzahlen verlassen hatte und beispielsweise in Portugal Urlaub buchte, hat nun Pech. Der Reiseanbieter Tui hat alle Pauschalreisen in das Land bis Ende Juli abgesagt.

Quelle: Burkhard Mohr

(Foto: Burkhard Mohr)

Individualreisende müssen sich entweder damit abfinden, nach der Rückkehr für zwei Wochen in Quarantäne gehen zu müssen – oder eine neue Reise buchen. Und wer weiß, wie sich die Delta-Variante in den kommenden Wochen in anderen beliebten Urlaubsländern wie Spanien, Frankreich oder Italien verbreiten wird. Die Unsicherheit ist zurück.

Verschärfte Corona-Maßnahmen und erneute Lockdowns auf anderen Kontinenten

Ein Blick auf andere Kontinente lässt erahnen, was Europa noch bevorstehen könnte. Dort verschärfen Länder wieder die Corona-Maßnahmen oder gehen wieder in den Lockdown – trotz teils hoher Impfquoten.

Die australische Stadt Sydney verhängt nach einem Ausbruch mit der Delta-Variante eine strenge Ausgangssperre. Impfvorreiter Israel hat die Maskenpflicht in Innenräumen wieder eingeführt und verwehrt ausländischen Touristen länger als geplant die Einreise.

Das Wort Lockdown, von dem wir alle gehofft haben, es nie wieder schreiben, lesen und hören zu müssen – es ist noch nicht verschwunden.

Es stimmt, dass die Inzidenz in Deutschland niedrig ist. Zuletzt lag sie bei knapp über fünf. Auch die Zahl der vollständig Geimpften – schon jetzt ist es mehr als jeder Dritte – wird im Sommer weiter stark steigen.

Diese Erfolge sind unbestritten, sie sind aber trügerisch. Das zeigt der Blick in andere Länder. Die Hoffnungen auf einen sorglosen Sommer sind schon dahin, bevor er richtig begonnen hat.

Mehr: Corona-Pandemie: Forderungen nach stärkerer Kontrolle von Reiserückkehrern mehren sich

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1 Kommentar zu "Kommentar: Trügerischer Sommer der Sorglosigkeit: Die Pandemie ist noch nicht vorbei"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es reicht jetzt.
    Es mag sein, dass Sie Ihrer journalistischen Informationspflicht nachkommen wollen.
    Die Menschen lassen sich auch durch sorgfältig beschriebene, mögliche Schreckens-Szenarien nicht mehr beeindrucken. Seit 1,5 Jahren können die meisten es nicht mehr hören. Da die Deutschen aber als Oberbedenken-Träger sich immer wieder einen Namen machen, werden wir wohl weiter mit dieser Schwarzmalerei belästigt.
    Wie schön war es gestern Abend im Fernsehen live die Spiele der Fußball 'EM zu sehen. Die Menschen brauchen Emotionen. Ich beneide die Schweizer Fans, die vor Ort dieses einmalige Erlebnis verfolgen konnten. So schön kann das Leben sein, wenn auch nur für einen Augenblick.

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