Kommentar: Trump könnte dem Regime in Venezuela eine Überlebenschance bieten

Wer unmittelbar nach der spektakulären US-Attacke auf Venezuela noch glaubte, US-Präsident Donald Trump wolle in dem Karibikstaat einen demokratischen Regimewechsel erzwingen, weiß nun: Diese Hoffnung war unbegründet.
Stattdessen geht es ihm vor allem um den Zugriff auf die Ölvorräte des Landes. Das Öl soll wieder zum Fließen gebracht werden – und zwar in Richtung USA. Die wollen dort, das machte Trump am Wochenende klar, viel Geld verdienen.
Helfen sollen ihm dabei die bisherigen Machthaber. Man habe bereits mit Delcy Rodríguez gesprochen, der Vizepräsidentin, die inzwischen die Nachfolge des nach New York verschleppten Nicolás Maduros angetreten hat. Sie sei zur Kooperation bereit, behauptete Trump. Wenn nicht, würde man nicht zögern, sie auszuwechseln.
Es scheint, dass Trump mit den nun gefügig gemachten Überlebenden des Regimes einen Deal abschließen will. Dabei bietet er den willigen Kollaborateuren Straffreiheit oder sogar Gewinnbeteiligung an gegen unbeschränkten Zugang zu Venezuelas Ölvorräten und Rohstoffen. Für die Opposition in Venezuela ist bei dieser Abmachung erst einmal keine Rolle vorgesehen.
Wer wirklich für die Menschen in Venezuela spricht
Fast beiläufig erklärte Trump, dass er die führende Oppositionspolitikerin María Corina Machado für ungeeignet halte als künftige Präsidentin des Landes. Die habe nicht die Unterstützung und den Respekt der Menschen, sagte Trump über die wichtigste demokratische Hoffnungsträgerin des Landes. Deswegen habe man auch nicht mit ihr gesprochen.
Machado hat gerade den Friedensnobelpreis bekommen, für ihren Einsatz für die Demokratie in Venezuela. Es war Machado, die nicht nur dafür sorgte, dass eine zersplitterte Opposition gegen Maduro Mitte 2024 die Wahlen gewann. Machado und die hinter ihr versammelte Opposition konnten Maduro den Wahlbetrug im Nachhinein auch nachweisen. Ohne Machados unermüdlichen Einsatz gegen Maduros Diktatur und den daraus resultierenden Ansehensverlust des Regimes hätte Trump jetzt kaum die Militäraktion rechtfertigen können.
Trump will nun Venezuela regieren, bis ein „sicherer, ordentlicher und sorgfältig organisierter Übergang“ gewährleistet ist. Wie er das machen will, bleibt nebulös.
Ohne eine Beteiligung der durch Wahlen legitimierten Machado ist ein zynisches Schreckensszenario vorstellbar: dass das Maduro-Regime mithilfe Trumps eine neue Überlebenschance erhält. Das Regime hat sich schon zuvor flexibel gezeigt. Es überlebte den Tod seines Gründers Hugo Chávez, eine historische Wirtschaftskrise und die Emigration eines Viertels seiner Bevölkerung. Nun könnte es ohne Maduro weitergehen.