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KommentarWarum die von der AfD zelebrierte Harmonie trügerisch ist

Die AfD zeigt sich auf ihrem Parteitag geschlossen. Doch das könnte nach den Ost-Wahlen wieder zerbrechen, sollte es ihr nicht gelingen, in Regierungsverantwortung zu kommen.Dietmar Neuerer 30.06.2024 - 16:26 Uhr
Alice Weidel (l.), Bundesvorsitzende der AfD, und Tino Chrupalla, Bundesvorsitzender der AfD auf dem Parteitag in Essen. Foto: dpa

Der Mitgründer der AfD, Alexander Gauland, hat seine Partei einmal als „gärigen Haufen“ bezeichnet. Als eine Partei also, deren Mitglieder sich nicht gerne Entscheidungen der Parteiführung aufdrücken lassen, sondern lieber dagegenhalten und einen Meinungsstreit in einer Schärfe zelebrieren, dass so manche AfD-Veranstaltung schon kurz vor der Implosion stand. Diese Zeit scheint nun vorüber.

Der Bundesparteitag am Wochenende in Essen verlief erstaunlich harmonisch. Die Delegierten bestätigten das Führungsduo Alice Weidel und Tino Chrupalla mit starken Ergebnissen. Auch andere Spitzenposten wurden ohne große Widerstände gewählt. Selbst der rechte Hardliner Björn Höcke aus Thüringen hielt sich zurück. Das ist ein neues Bild der AfD. Denn es hätte durchaus Anlass für Streit gegeben.

Etwa darüber, dass die in Teilen rechtsextreme Partei bei der Europawahl letztlich deutlich schlechter abgeschnitten hat, als man es noch vor einem halben Jahr erwartet hatte. Großdemonstrationen gegen Rechtsextremismus nach dem Potsdamer Treffen zu sogenannter Remigration, die Gründung des Bündnisses Sahra Wagenknecht und die Berichte über mögliche Russland- und China-Verbindungen des AfD-Spitzenkandidaten Maximilian Krah sowie Durchsuchungen wegen möglicher prorussischer Geldflüsse bei Parteikollege Petr Bystron haben die AfD Punkte gekostet.

Das wurde auch der Doppelspitze Weidel/Chrupalla angelastet. Dafür Federn lassen mussten sie bei der Vorstandswahl aber nicht. Das könnte auch daran liegen, dass die Partei es nach vielen Jahren der internen Machtkämpfe und Querelen geschafft hat, erwachsen zu werden. Die AfD scheint inzwischen gelernt zu haben, sich strategisch zu verhalten, um dadurch ihre Erfolgschancen bei den im Herbst anstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen zu wahren.

Das macht die Sache für die politische Konkurrenz nicht leichter. Es dürfte zunehmend schwerfallen, einer geschlossen auftretenden AfD den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Alte Flügelkämpfe könnten wieder aufbrechen

Ein Selbstläufer sind die Wahlen im Osten für die AfD freilich nicht. Im Gegenteil: Nach der auf dem Parteitag zelebrierten Einigkeit und Harmonie ist der Erfolgsdruck groß.

Die Mitglieder dürften erwarten, dass der vom Co-Vorsitzenden Chrupalla formulierte Machtanspruch auch eingelöst wird. „Wir wollen regieren – erst im Osten, dann im Westen, dann im Bund“, hatte Chrupalla in Essen erklärt. Höher kann ein Parteichef die Messlatte nicht legen. Aber was, wenn fulminante Wahlergebnisse ausbleiben? Wenn sich jegliche gewünschte Machtoption für die AfD in Luft auflöst?

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Das könnte durchaus zu neuen Konflikten in der Partei führen und alte, überwunden geglaubte Flügelkämpfe könnten wieder aufbrechen. Dann wäre die neue Geschlossenheit der AfD schon wieder Geschichte.

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