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Kommentar Wie lange stehen die Bänder still? Die Zulieferbranche kann sich keinen Fehlstart erlauben

Wie viel kostet der Stillstand welches Unternehmen? Ein Wiederanlauf der Produktion sollte lieber etwas später erfolgen als zu früh.
07.04.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Branchenführer hat eine Liquidität jenseits der 16 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Bosch

Der Branchenführer hat eine Liquidität jenseits der 16 Milliarden Euro.

(Foto: dpa)

In Deutschland stehen die Bänder weitgehend still. Für die Schaffer im Schwabenland ist das ein nahezu unerträglicher Zustand. Die Häuslebauer kompensieren die Kurzarbeit mit Schlangestehen am Baumarkt, hektischem Umgraben im Garten oder dem Nähen von Schutzmasken. Die Übersprungshandlungen sorgen nur kurz für Linderung. Denn jeder – nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in der gesamten Republik – weiß, die Rechnung für die Freizeit kommt bestenfalls mit einem niedrigeren Lohn am Monatsende.

Schlimmstenfalls ersetzt die Freizeit den Arbeitsplatz. Wie viel kostet der Stillstand welches Unternehmen? Die Antwort ist wichtig und auch wieder nicht. Es kostet sehr viel Substanz, jedenfalls den, der Substanz hat.

Die anderen brauchen Staatshilfe oder schaffen es gar nicht. Dieser düstere Ausblick ruft zunehmend Stimmen auf den Plan, die eine möglichst schnelle Wiederaufnahme der Produktion fordern, damit wir nicht am Ende den Untergang unserer Wirtschaft betrauern müssen.

Die Wirtschaft darf bei dem Thema aber nicht den Fehler einiger prominenter Regierungschefs wiederholen und das Coronavirus unterschätzen. Die Regierungschefs Boris Johnson und Donald Trump lassen ihre Völker gerade dafür einen sehr hohen Preis bezahlen.

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    Ein sehr kluger Satz war zuletzt zu hören: „In der Frage, wie lange die Automobilindustrie einen kompletten Shutdown verkraften kann, dürfen wir nicht zulassen, dass Gesellschaft und Wirtschaft gegeneinander ausgespielt werden.“ Die Aussage kam von Wolf-Henning Scheider, Chef von ZF, dem drittgrößten deutschen Autozulieferer mit fast 40 Milliarden Euro Umsatz und 150.000 Beschäftigten.

    Natürlich müsse man die Interessen der Wirtschaft im Blick haben – aber es gehe auch um die Gesundheit der Mitarbeiter und der Menschen insgesamt. „Hier müssen gemeinsame Lösungen gefunden werden, Wirtschaft und Gesellschaft Hand in Hand gehen“, meint Scheider. Unternehmen wie ZF haben sich so eingerichtet, dass sie bis Juni durchhalten können.

    Konkurrent und Branchenführer Bosch hat eine Liquidität jenseits der 16 Milliarden Euro. Natürlich wären ZF, Bosch oder Continental froh, wenn es früher wieder losgehen könnte. Aber da sind sich die Chefs ausnahmsweise einig. Schnellschüsse darf es nicht geben. Denn nichts ist schlimmer, als die Produktion hochzufahren und dann wieder stoppen zu müssen. Denn wieder zu starten ist viel, viel schwieriger als das Anhalten.

    Lieferfähig bis zum Schluss

    Das können am besten die großen Zulieferer beurteilen. Sie haben jetzt so lange geliefert wie es nur ging, bis zur letzten Schraube. Für manche war es fast eine Erlösung, als VW die Bänder anhielt. Denn lange wäre es nicht mehr gut gegangen. Die Lager der großen Zulieferer waren praktisch leer, weil ihre 1000 Zulieferer aus Italien und Hunderte aus Spanien schon längst nicht mehr produzierten.

    Für Firmen wie ZF war es wichtig, lieferfähig bis zum Schluss zu sein. Denn wenn die Produktion eines Autobauers stillsteht, weil ein Teil am Band fehlt, sind brutale Konventionalstrafen fällig.

    Aber jetzt sind die Lager bei wichtigen Komponenten leer geräumt. Das heißt, ein Wiederhochfahren ist eine hochkomplexe Angelegenheit für die Logistik.

    Natürlich haben alle eine Taskforce. Aber solange beispielsweise italienische Zulieferer stillstehen, können deutsche Zulieferer zwar starten wollen, aber eben nicht können. Selbst wenn es die Teile gibt, müssen sie transportiert werden und verzögerungsfrei Grenzen passieren. Sonst scheitert die hochsensible Fertigung mit Lieferung „just in time“ direkt ans Band allein schon am Transport.

    Unternehmen bemühen sich immer, mehr als einen Lieferanten für wichtige Teile zu haben. Dennoch ist es nicht einfach in dieser Situation, einen Lieferanten zu ersetzen. In dringenden Fällen schickten Hersteller zu Normalzeiten einfach ein Flugzeug ans andere Ende der Welt. Aber solche Feuerwehreinsätze sind heute kein Thema.

    Es wird vor allem langsam gehen

    Wenn die Industrie und allen voran die Autoindustrie wieder in Gang gesetzt werden, will das wohlüberlegt sein. Es wird vor allem langsam gehen. Und eines ist schon jetzt klar: Wenn die Auflagen zur Hygiene und zum Abstandhalten in der Produktion eingehalten werden sollen, dann geht das nicht mit der gewohnten Produktivität. Die Bänder müssen langsamer laufen, damit sich die Beschäftigten auch aus dem Weg gehen können.

    Und noch was: Es ergibt erst Sinn, wieder Autos zu bauen, wenn die Kunden auch wieder Autos kaufen. Dafür braucht der Verbraucher Vertrauen und vielleicht auch staatliche Anreize. Das mag bei Umweltaktivisten wenig Gegenliebe erzeugen.

    Aber so oder so wird über Starthilfe für das Verbrauchervertrauen geredet werden müssen. Das könnte günstiger sein als monatelange Folgen des Shutdowns. Die Coronakrise wird auf jeden Fall eines zeigen: Wirtschaft und Gesellschaft lassen sich auf Dauer gar nicht gegeneinander ausspielen. Also: so früh wie möglich, aber auf keinen Fall zu früh wieder loslegen!

    Mehr: Zulieferer-Trio um Bosch greift etablierte Autobauer an.

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