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Kommentar Zahnloser Tiger? Falsch! Warum die Kritik an der Corona-App überzogen ist

Als „zahnlosen Tiger“ hat CSU-Chef Söder die Anwendung bezeichnet. Zwar muss die App dringend überarbeitet werden, dennoch ist der Vorwurf übertrieben.
20.10.2020 - 17:08 Uhr Kommentieren
Vier Monate nach dem Start der App in Deutschland ist die Anwendung umstritten. Quelle: dpa
Corona-Warn-App

Vier Monate nach dem Start der App in Deutschland ist die Anwendung umstritten.

(Foto: dpa)

Die Infektionen mit dem Coronavirus in Deutschland steigen deutlich an. Genau für diesen Fall entwickelten im Juni Bundesregierung, Deutsche Telekom und SAP die Corona-Warn-App. Sie soll helfen, Infektionsketten nachzuvollziehen und zu unterbrechen. Die Bilanz fällt bislang jedoch durchwachsen aus. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Smartphone-Anwendung sogar als praktisch wirkungslos.

Hat er recht? Nein. Die App funktioniert. Allerdings hat sie zahlreiche Beschränkungen. Von Anfang an war die Hoffnung überzogen, diese eine Anwendung könne ausreichen, um die Ausbreitung des Virus wirksam zu hemmen. Sie ist allenfalls ein Mittel in einem ganzen Werkzeugkasten von Maßnahmen. Dazu zählen auch Kontaktbeschränkungen, Nachverfolgung der Gesundheitsämter und Vorsicht der Bürger.

Zunächst einmal liegt es an jedem Nutzer, dass die App ihre Wirkung entfalten kann. Je mehr Bürger die Anwendung installieren, desto besser kann sie funktionieren. Und jeder Infizierte sollte seine Erkrankung umgehend über die App melden. Nur dann können Bürger umfassend gewarnt werden.

Es liegt aber auch an der Bundesregierung und den beiden Dax-Unternehmen, die App möglichst wirksam zu machen. Es hatte zum Beispiel fatale Folgen, dass es zwischenzeitig erhebliche Probleme mit den Warnmeldungen gab und die beteiligten Firmen die Fehler erst nach Recherchen von Journalisten einräumten. Das darf nicht sein. Transparenz muss an erster Stelle stehen.

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    Zudem ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, die weitere Entwicklung der App zu diskutieren. Zwei Schritte wurden damit gemacht, dass die App seit Anfang der Woche auch länderübergreifend funktioniert und Symptome verzeichnet werden können. Doch das reicht noch nicht.

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    Dabei gibt es viele gute Ideen, wie sich die App erweitern und verbessern lässt. Eine kommt zum Beispiel von den IT-Experten Tim Pritlove und Linus Neumann. Sie haben einen Ansatz entwickelt, mit dem sich auch Zusammenkünfte datenschutzkonform mit der App erfassen lassen. Denn genau an dieser Stelle gibt es bislang noch viele Unzulänglichkeiten. Das ist nur ein Schritt.

    Sinnvolle Vorschläge für Erweiterungen sollten vor allem von Telekom und SAP kommen. Die Entscheidung, was letztlich umgesetzt wird, muss bei der Bundesregierung als Auftraggeber liegen. CSU-Chef Söder sollte lieber konkrete Vorschläge für Verbesserungen machen, anstatt die App mit einer pauschalen Kritik zu diskreditieren.

    Mehr: Söder stellt Wirksamkeit der Corona-Warn-App infrage und wird dafür scharf kritisiert

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