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Kampf gegen die Pandemie Söder stellt Wirksamkeit der Corona-Warn-App infrage und wird dafür scharf kritisiert

Wie effektiv ist die Corona-Warn-App im Kampf gegen die Pandemie? CSU-Chef Söder äußert sich enttäuscht. Digitalverbände mahnen, den Erfolg nicht kleinzureden.
20.10.2020 Update: 20.10.2020 - 16:44 Uhr Kommentieren
Bayerns Ministerpräsident hat die Corona-Warn-App kritisiert. Quelle: AFP
Markus Söder

Bayerns Ministerpräsident hat die Corona-Warn-App kritisiert.

(Foto: AFP)

Berlin Über die Wirksamkeit der Corona-Warn-App ist ein Streit entbrannt. Anlass sind Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der die Anwendung als „zahnlosen Tiger“ bezeichnet hatte.

„Es überrascht schon sehr, dass der bayerische Ministerpräsident den zuständigen Regierungsmitgliedern Jens Spahn und Dorothee Bär dermaßen in den Rücken fällt“, sagte der SPD-Digitalpolitiker Jens Zimmermann dem Handelsblatt. „Gerade in den letzten Wochen beginnt der Nutzen der App vielen erst richtig klar zu werden, da plötzlich Kontakte mit Corona-positiven Personen auf den Apps auftauchen.“

Auch der Digitalverband Bitkom wies Söders Kritik zurück. Zwar ließen sich durch die geringe Datenverarbeitung der App nur wenig Rückschlüsse auf das allgemeine Infektionsgeschehen ziehen. „Den Erfolg der App sollten wir aber nicht kleinreden“, sagte Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder dem Handelsblatt.

Mehr als 10.000 Personen hätten bislang ein positives Testergebnis über die App geteilt. „Sie haben damit viele potenziell infizierte Kontaktpersonen gewarnt und sicherlich auch Leben gerettet.“ Allein dafür habe sich die Corona-Warn-App schon gelohnt.

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    Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) zeigte sich vom Nutzen der App überzeugt. „Da, wo die Gesundheitsämter in den Hotspots mit der Kontaktnachverfolgung nicht mehr hinterherkommen, ist die Corona-Warn-App das einzige Instrument, was einen noch auf Corona-Kontakte hinweist“, sagte Braun der Nachrichtenagentur dpa. Er ergänzte: „Daher ist jetzt für alle, die sie noch nicht nutzen, ein guter Zeitpunkt, die App zu laden und im Hintergrund laufen zu lassen.“

    Die App wurde mittlerweile rund 19,8 Millionen Mal heruntergeladen. Experten gehen davon aus, dass die Anwendung von mehr als 16 Millionen Menschen in Deutschland aktiv genutzt wird. Erst am Montag war eine neue Version der App erschienen. Damit können bei der Risiko-Ermittlung jetzt auch Kontakte mit Nutzern der offiziellen Corona-Apps anderer Länder ermittelt werden.

    Gleichzeitig wurde die App um eine Tagebuch-Funktion erweitert. Darin können infizierte Nutzer ihre Krankheitssymptome eintragen. Mit Hilfe dieser Angaben kann der Algorithmus der App das Infektionsrisiko präziser berechnen.

    Weitere Aufklärungskampagnen gefordert

    Bayerns Ministerpräsident Söder hält die App bislang für praktisch wirkungslos. „Sie hat kaum eine warnende Wirkung“, sagte der CSU-Chef den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Daher braucht es ein digitales Update, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit die Corona-App wirksam wird.“ Wie genau dieses Update aussehen soll, ließ Söder offen.

    Der SPD-Politiker Zimmermann plädiert dafür, die Weiterentwicklung der App konsequent voranzutreiben. Insbesondere der Anschluss aller Labore sei entscheidend. „Es muss ausgeschlossen werden, dass positive Corona Test nicht oder zu langsam in den Apps der Betroffenen angezeigt werden.“

    Nachbesserungsbedarf sieht auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Man könne sich nicht damit zufriedengeben, dass nur 60 Prozent der positiv getesteten Nutzer ihren Befund für Warnungen durch die App weiter melden. „Die Fragestellung müsste umgekehrt werden: ob jemand explizit nicht warnen will“, sagte Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bislang müssen Nutzer, die einen positiven Befund bekommen, aktiv zustimmen, dass ihre Risikokontakte über die App informiert werden.

    Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) hält die Zahl der an die App weitergemeldeten positiven Corona-Befunde ebenfalls für „klar zu wenig“, wie BVDW-Geschäftsführer Marco Junk dem Handelsblatt sagte. „Das müssen wir mit weiteren Aufklärungskampagnen erhöhen.“

    Die App wurde mittlerweile rund 19,8 Millionen Mal heruntergeladen. Quelle: dpa
    Corona-Warn-App

    Die App wurde mittlerweile rund 19,8 Millionen Mal heruntergeladen.

    (Foto: dpa)

    Dass die Meldung freiwillig ist, sei hingegen kein technischer Mangel, sondern eine bewusste Entscheidung, um die Akzeptanz zu erhöhen. „Würde das Testergebnis ohne bewusste Entscheidung des Betroffenen automatisch an die App weitergeleitet, dann ginge das sehr wahrscheinlich auf Kosten dieser Akzeptanz.“

    Bitkom-Experte Rohleder betonte zudem, dass die deutsche Warn-App mit fast 20 Millionen Downloads die „erfolgreichste Tracing-App in Europa“ sei. „Freiwillige Nutzung und Datensparsamkeit der App waren die Voraussetzungen für diese Verbreitung“, sagte er.

    Andererseits wäre die Anwendung aus seiner Sicht noch wirksamer, „wenn sie einerseits mehr Nutzer hätte und andererseits auch alle positiv getesteten Nutzer ihr Ergebnis über die App teilen würden“. Jede weitere Zusatzfunktion könne die App für die Bürger attraktiver machen. Dass die App nach einem Update nun auch mit Anwendungen anderer EU-Länder Daten austausche, sei ein solcher Schritt, insbesondere für Grenzpendler und Urlaubsreisende.

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