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KommentarZu spät, zu zögerlich: Henkel, Beiersdorf, L'Oréal und Co. haben ein Plastikproblem

Konsumgüterkonzerne wollen den Einsatz von Neuplastik vermeiden. Bisher haben sie zu wenig investiert – und es wird schwer, die Ziele zu erreichen.Michael Scheppe 04.01.2022 - 09:00 Uhr Artikel anhören

Auch der Düsseldorfer Konsumgüterhersteller sucht nach Wegen, Plastik zu vermeiden und zu reduzieren.

Foto: Handelsblatt

Bei Klimafragen wissen wir schon: Es rächt sich, wenn Maßnahmen lange aufgeschoben werden. Das gilt auch bei Kunststoffverpackungen. Alle Hersteller von Cremes, Shampoos oder Deos haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt, Neuplastik zu vermeiden. Nivea-Produzent Beiersdorf etwa will bis 2025 mindestens 30 Prozent seiner Verpackungen aus recycelbarem Plastik herstellen, dem Rezyklat.

Doch für die Konsumgüterriesen dürfte es schwierig werden, diese Ziele zu erreichen, noch sind sie weit davon entfernt. Altplastik ist knapp: Bei den großen Recyclingbetrieben ist Rezyklat bis Jahresende ausverkauft.

Man kann der Industrie nicht vorwerfen, dass sie untätig sei. Sie forscht an plastikfreien Alternativen, gestaltet Tuben und Flaschen mit weniger Kunststoff. Doch sie ist das Problem erst spät und auf öffentlichen Druck angegangen.

Persil-Produzent Henkel stellte 2018 konkrete Verpackungsziele vor, Beiersdorf 2019, und der Kosmetikhersteller L’Oréal brauchte gar bis 2020, um ehrgeizigere Vorhaben zu formulieren. Da nutzte das Familienunternehmen Werner & Mertz, Hersteller der „Frosch“-Reinigungsmittel, schon zu 95 Prozent wiederverwertbaren Kunststoff. Doch die großen Konzerne mit ihren Massenmarken hätten den wirksameren Hebel, Gutes für die Umwelt zu tun.

Gründe für deren frühere Zurückhaltung mag es geben: Rohöl und damit der Preis von fabrikneuem Plastik waren lange günstig, Umweltbewegungen wie Fridays for Future haben erst in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Doch nun müssen die Prozesse in wenigen Jahren umgestellt werden, da Konsumenten nach Alternativen verlangen und politische Vorgaben für einen Rezyklatanteil in Verpackungen drohen.

Allein die Erhöhung des Anteils von heute geschätzt 13 auf 30 Prozent wird die Industrie laut Experten mindestens 1,7 Milliarden Euro kosten, das Gros müssen Henkel und Co. zahlen. Nur weil die Konzerne die Kosten damals aufgeschoben haben, sind diese längst nicht aufgehoben. Ein schneller Umstieg dürfte gar noch teurer werden. Zu spät sein – das rächt sich eben.

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