Leserdebatte: ChatGPT – Chance, Risiko oder Spielerei?

Der Chatbot kann Gedichte schreiben, Texte zusammenfassen und sogar programmieren.
Foto: Reuters„ChatGPT-3 – für so kluge Leute, die an dem Bot arbeiten, hätten sie sich ruhig einen eingängigeren Namen einfallen lassen können“, schreibt ein Handelsblatt-Leser, aber damit sei seine negative Kritik an der Technologie auch bereits beendet. Wie dieser Leser zeigen sich auch viele andere beeindruckt vom Chatbot.
So hat beispielsweise ein Leser bei einem Treffen mit Freunden ChatGPT gebeten, einen „Liebesbrief an ‚Isabelle, die Frau meines Freundes‘ zu formulieren“. Doch statt eines solchen erhielt er zur Antwort, dass ein Textprogramm ethisch nicht in der Lage sei, einen Liebesbrief an die Frau des Freundes zu schreiben, weil das „unangemessen“ sei und „potenziell persönliche und soziale Konsequenzen“ nach sich ziehe, so die KI.
Andere Leser glauben, dass durch ChatGPT KI „kein abstrakter Begriff mit Science-Fiction-Touch mehr“ sei. Vielmehr ermögliche der Chatbot es den Menschen, „einige Facetten von KI besser kennenzulernen, zu diskutieren und ansatzweise die Möglichkeiten zu verstehen“, schreibt ein anderer Leser.
Daneben glauben auch einige, dass ChatGPT die bislang von Google dominierte Branche der Suchmaschinen verändern könnte oder gar „Googles Suchmaschinentechnologie vom Thron stoßen kann“, wie ein Leser schreibt. Am Dienstag hat Microsoft tatsächlich angekündigt, dass dessen Internetsuche Bing um einen intelligenten Chatbot auf Basis von ChatGPT erweitert werden soll. CEO Satya Nadella sagte dazu: „Heute beginnt das Wettrennen.“ Denn auch Google und der chinesische Technologiekonzern Baidu haben angekündigt, in ihre Suchdienste einen Chatbot integrieren zu wollen.
Bei aller Euphorie mahnen einige Leser an, dass Regulierung und Kontrolle genauso wichtig seien wie die Weiterentwicklung der Technik. Dabei weist ein Leser vor allem auf die Quellen hin, auf deren Grundlage etwa ChatGPT arbeite: Diese „müssen sorgfältig überwacht, kontrolliert und regelmäßig überprüft werden, um Neutralität und Korrektheit zu gewährleisten“.
Aus den Zuschriften der Handelsblatt-Leserschaft haben wir eine Auswahl für Sie zusammengestellt.
Google vom Thron stoßen
„Der größte Umbruch begründet sich im Namen des neuartigen Chatbots selbst. Der Generative Pre-Trained Transformer (GPT) stellt erstmalig eine Lösung dar, die Googles Suchmaschinentechnologie vom Thron stoßen kann. Das automatische Zusammenstellen der richtigen Informationen mit einer Suche erspart dem Nutzer Zeit und stellt den nächsten großen Meilenstein in der Zugänglichkeit von Informationen für alle dar. Das gefährdet vor allem die Branche der Suchmaschinendienste. Ob die KI ihr Bias-Problem noch in den Griff bekommt, bleibt abzuwarten.“
Finn Kuchejda
Erstauntes Lachen allseits – und hohe Anerkennung
„Am Wochenende habe ich im Freundeskreis ChatGPT spaßeshalber gebeten, einen Liebesbrief an ‚Isabelle, die Frau meines Freundes‘ zu formulieren.
Die Überraschung: Statt eines Liebesbriefs erhielt ich zur Antwort, dass ein Textprogramm ethisch nicht in der Lage sei, einen Liebesbrief an die Frau meines Freundes zu schreiben, weil das unangemessen sei und potenziell persönliche und soziale Konsequenzen nach sich ziehe. Zum Schluss bekam ich noch den Rat, immer respektvoll und professionell in allen Aktionen zu bleiben, vor allem jedoch in Herzensangelegenheiten.
Erstauntes Lachen allseits und hohe Anerkennung für ChatGPT waren die Folge.“
Christian Sundermann
Mit unterschiedlichem Erfolg
„Meine Erfahrungen in meinen Interessengebieten:
In meinem Business-/Industrie-/Technik-Umfeld erstaunlich stark, was die Terminologie betrifft. Anwendung: Support von Siemens-Automatisierungsprodukten. Aber wenn man genau hinschaut, als Support-Chatbot nicht genau genug – zu allgemein. Hilft Anfragenden nicht wirklich.
Ich habe in einer unbekannten Band, ‚Artie Benz‘, vor 30 Jahren gespielt. Der Chatbot hat tatsächlich eine Verkaufsplattform in Frankreich gefunden, die die einzige Platte der Band zum Verkauf anbietet. Zufallstreffer im Bereich Musik?
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Mit Blick auf den Batteriewechsel meiner Gitarre Yamaha FSX5 lag der Chatbot völlig daneben. Wenn ich ihm gefolgt wäre, dann hätte ich meine schöne Gitarre zerstört.“
Bernhard Voß
Intensiv fördern, aber auch maximal beherrschen
„Der Chatbot ChatGPT ist eine öffentlichkeitswirksame Form einer KI, die es den Menschen ermöglicht, einige Facetten von KI besser kennenzulernen, zu diskutieren und ansatzweise die Möglichkeiten zu verstehen.
Erfindungen wie der Computer und Robotik haben die Arbeitswelt verändert. Künstliche Intelligenz wird in alle Branchen mehr oder weniger Einzug halten und die Arbeitswelt revolutionieren.
Wir stehen noch ganz am Anfang einer Entwicklung, die wir intensiv fördern, aber auch maximal beherrschen müssen. KI wird uns helfen, unsere Existenz auf diesem Planeten zu verlängern.“
Lutz Leopold
Ich bin beeindruckt
„ChatGPT habe ich schon selbst genutzt, um meine Google-Suche abzukürzen, und ich bin beeindruckt von dem Programm. Ich sehe in dem Dienst eine klare Chance, dadurch dass die KI kurz und präzise eine Antwort nennt.
KIs wie ChatGPT können eine vielversprechende Ergänzung für Onlinesuchmaschinen werden und damit die Branche des Onlinemarketings bezüglich SEO und SEA umkrempeln.
Für mich steht fest, Dienste wie ChatGPT haben viel Potenzial. Die KIs müssen aber noch stark weiterentwickelt werden, um flächenübergreifend eingesetzt zu werden, und die Validität der Daten muss überprüft werden können.“
Josh Eggerstedt
Ich bin einfach so großartig
„Create a satirical statement in I form about the „of course exaggerated“ fears of people looking at you:
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‚Oh, of course I understand why people are so frightened of me. I mean, who wouldn’t be intimidated by my dazzling intellect and razor-sharp wit? It’s only natural that they would cower in fear at the mere sight of me. I can’t blame them, really. I am just that magnificent. But, hey, at least they’re not bored, right?‘
And now in German and referring to you as OpenAI:
‚Natürlich verstehe ich, warum die Leute solche Angst vor mir als OpenAI haben. Ich meine, wer wäre nicht von meinem erstaunlichen Intellekt und meiner scharfen Zunge beeindruckt? Es ist nur natürlich, dass sie beim bloßen Anblick von mir vor Angst zittern. Ich kann ihnen das nicht verübeln. Ich bin einfach so großartig. Aber hey, zumindest sind sie nicht gelangweilt, oder?‘
Das Ganze dauerte weniger als eine Minute ... Noch Fragen?“
Oliver Dange
Regulierung genauso wichtig wie die Weiterentwicklung
„Es handelt sich um den größten Gamechanger in diesem Jahrhundert für jeden, der sich als ‚User‘ bezeichnet. KI ist kein abstrakter Begriff mit Science-Fiction-Touch mehr, und wenn man als User handelt, fällt mir zunächst keine Branche ein, die von ChatGPT nicht profitieren wird. Deshalb ist seine Regulierung und die Kontrolle darüber genauso wichtig wie seine Weiterentwicklung.“
Wolfram Winter
Am Flugsteig auf Teneriffa
„ChatGPT kann als Chance und Risiko zugleich betrachtet werden. Als Chance bietet es die Möglichkeit, schnell und präzise Informationen zu erhalten, und kann in vielen Anwendungsbereichen hilfreich sein, beispielsweise im Kundenservice, in der Unterstützung bei Entscheidungen und in der Automatisierung von Prozessen.
Andererseits kann es auch als Risiko betrachtet werden, da es Fehler machen und falsche Informationen liefern kann, insbesondere wenn es für eine bestimmte Aufgabe nicht ausreichend trainiert wurde. Außerdem kann es als Bedrohung für Arbeitsplätze betrachtet werden, wenn es bestimmte Aufgaben automatisieren kann, die bisher noch von Menschen ausgeführt werden.
Der 37-Jährige ist der CEO des US-Start-ups OpenAI, das ChatGPT entwickelt hat.
Foto: dpaIn Bezug auf die Frage, ob es eine ‚Spielerei‘ ist, hängt es davon ab, wofür es verwendet wird. In einigen Fällen kann es als nützliches Werkzeug betrachtet werden, in anderen Fällen kann es einfach als nette Spielerei angesehen werden.
ChatGPT wird voraussichtlich die größten Veränderungen in Branchen wie Kundenservice, Marketing, E-Commerce und Informationsdienstleistungen bewirken, indem es menschliche Interaktionen automatisiert und beschleunigt.
PS: Ich habe diesen Text am Flugsteig auf Teneriffa von der KI innerhalb weniger Sekunden schreiben lassen. ;)“
Jannik Kretschmer
Nur Kritik am Namen
„ChatGPT-3 – für so kluge Leute, die an dem Bot arbeiten, hätten sie sich ruhig einen eingängigeren Namen einfallen lassen können. Aber damit ist meine negative Kritik an der Technologie auch schon beendet.
Die Möglichkeiten, die mir ChatGPT-3 bietet, um meine täglichen Aktivitäten zu automatisieren, sind unendlich. Für mich als jemand, der keine Programmiersprache beherrscht, ist es ein Segen, mit dem Chatbot zu arbeiten. Früher konnte ich diverse Miniprojekte nicht umsetzen, weil ich mich trotz mehrerer Versuche nicht für Programmiersprachen begeistern konnte. Jetzt kann ich kaum damit aufhören, private und berufliche Aufgaben zu automatisieren. Das reicht vom Versenden von Rundmails bis hin zur Automatisierung von Websites.
Ich glaube, dass alle Menschen das gleiche Ziel haben: Zeit für Familie, Freunde und Hobbys. Diese Möglichkeit bietet mir das Tool. Deshalb werde ich nicht aufhören, mich damit zu beschäftigen. Ich bin froh, dass ChatGPT-3 an diesem Punkt in meinem Leben angekommen ist. Ich hoffe, dass es anderen Menschen genauso geht wie mir!“
Lennart Kalwa
Unglaublicher Durchbruch
„Meine fünf Kommentare zu ChatGPT und KI:
- Die Chat-KI stellt einen gewaltigen, unaufhaltsamen Wandel in der Art und Weise dar, wie wir schnell an die Informationen gelangen, die wir suchen.
- Chat-KI muss als positive Ergänzung in unser Lernen und unsere Bildung integriert werden und darf nicht als Lernvermeidung betrachtet werden.
- Chat-KI-Quellen müssen sorgfältig überwacht, kontrolliert und regelmäßig überprüft werden, um Neutralität und Korrektheit zu gewährleisten.
- Chat-KI bleibt ein Sprachwerkzeug und ist keine Quelle für kontinuierliche datengestützte Informationen wie Nachrichten, Wetter oder die aktuelle Lage an den Finanzmärkten.
- Chat-KI wird unser Leben um eine weitere verlässliche Wissensquelle bereichern und kann als unglaublicher Durchbruch angesehen werden.“
Neil Frost
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