1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare
  4. Leserdebatte: Sollte das Ehegattensplitting abgeschafft werden?

LeserdebatteSollte das Ehegattensplitting abgeschafft werden?

Diese Woche debattiert die Handelsblatt-Leserschaft, ob statt dem Elterngeld für Gutverdienende, nicht lieber das Ehegattensplitting abgeschafft werden sollte. 13.07.2023 - 16:35 Uhr Artikel anhören

Statt Kürzungen beim Elterngeld schlägt SPD-Chef Klingbeil vor, lieber das Ehegattensplitting zu beenden. Längst überfällige Idee oder Zusatzbelastung für Paare mit Kindern

Foto: dpa

Die Spardebatte in der Bundesregierung geht in die nächste Runde: Für hitzige Diskussionen sorgte vor allem der Vorschlag, das Elterngeld ab einem Einkommen von 150.000 Euro pro Jahr zu streichen. Nun schlägt SPD-Chef Lars Klingbeil vor, stattdessen das Ehegattensplitting abzuschaffen. Damit will er auch „dem antiquierten Steuermodell, das die klassische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau begünstigt, ein Ende setzen“.

Darüber diskutiert diese Woche auch die Handelsblatt-Leserschaft. „Ehegattensplitting ist seit mindestens 30 Jahren nicht mehr zeitgemäß“, schreibt uns so ein Leser. „Die Idee von Herrn Klingbeil ist hervorragend. Das Ehegattensplitting passt nicht in unsere moderne Arbeitswelt, in der Frauen gleichberechtigt sein sollten“, unterstützt ihn eine andere Leserin. Doch es gibt auch Gegenstimmen.

Spätestens, wenn Nachwuchs da ist, glauben viele aus der Leserschaft, ist das Splitting essenziell. So schreibt zum Beispiel ein Leser: „Da eigentlich Familien unterstützt werden sollen, muss, wenn Kinder da sind, am Ehegattensplitting festgehalten werden.“

Für die aktuelle Ausgabe unseres Leserforums haben wir die streitbarsten Zuschriften der Handelsblatt-Leserschaft für Sie zusammengestellt.

Kein gesellschaftlicher Nutzen

Welcher gesellschaftliche Nutzen sich durch die eheliche Verbindung eines/r Gutverdieners/in mit einem weniger gut Verdienenden ergibt, und damit eventuell steuerlich unterstützenswert wäre, hat sich mir noch nie erschlossen (bin selbst Profiteur dieser unsinnigen Regelung – nix da Neiddebatte!). Wohingegen zum Beispiel Alleinerziehende, die zweifelsfrei einen nicht zu überschätzenden gesellschaftlichen Nutzen produzieren – unter, je nach Situation, erheblichen persönlichen Entbehrungen – der vollen Steuerpflicht unterliegen – sprich höchste Steuerklasse?

Zusammengefasst belohnt das Ehegattensplitting die Heirat eines/r Gutverdieners/in mit einer Bürokraft oder des Arztes mit einer Pflegekraft, aber das Aufziehen der nächsten Generation ist der Gesellschaft egal, sprich nicht unterstützenswert?
Rolf Rimbach

Ehegattensplitting bedeutet mehr Selbstbestimmung

Das Ehegattensplitting ermöglicht Ehegatten viel mehr Freiheit und Flexibilität bei der Wahl des jeweiligen Arbeitszeit- bzw. Verdienstanteils als alle bisher genannten anderen Modelle. Egal wie die Arbeit untereinander aufgeteilt wird, haben Ehegatten in der Regel die bestmögliche Steuerbelastung. Dies abzuschaffen wird erstens viele untere und mittlere Einkommen deutlich höher belasten und zweitens Ehegatten dazu zwingen, die Berufstätigkeit paritätisch aufzuteilen, auch wenn sie das selbst gar nicht wollen.

Diese Freiheit ermöglicht wahre selbstbestimmte gesellschaftliche Teilhabe und Politiker sollen endlich aufhören, zu glauben, am besten zu wissen, wie die Ehegatten ihr gemeinsames Leben gestalten sollen, nämlich mit dem dann eigentlich unmittelbar folgenden Zwang, dass Väter ihre Arbeit reduzieren müssen und Mütter eigentlich zwingend einer Erwerbstätigkeit nachgehen müssen, unabhängig davon, was sie für sich selbst als gut und richtig empfinden.

Das Ehegattensplitting ist eine einfache, verwaltungsarme und ziemlich effiziente Option, um untere und mittlere Einkommensgruppen zu entlasten und daher allen anderen in der landläufigen Diskussion zu vernehmenden Varianten vorzuziehen.
Christian Kriester

Schon lange überholt

Ehegattensplitting ist seit mindestens 30 Jahren nicht mehr zeitgemäß. Schon damals hat meine Frau ihr Interesse eine bezahlte Tätigkeit aufzunehmen verloren, weil die Differenz zwischen ihrem Nettolohn und dem Bruttolohn bei dem Splitting zu gering war, um dafür zu arbeiten.
Juergen Quandt

Einkommensteuerregeln überarbeiten

Abschaffen – aber gleichzeitig für alle die Einkommensteuer senken: Keine Steuer unter 20.000 Euro Einkommen und Spitzensteuersatz erst ab 100.000 Euro. Damit nicht wie heute jede Krankenschwester den Höchstsatz bezahlen muss.
Sebastian Meding

Ungerecht

Für mich gehört das Ehegattensplitting längst abgeschafft. Ich bin seit 19 Jahren alleinerziehend und habe mehrere Tausend Euro weniger zur Verfügung als kinderlose Ehepaare. Meine Tochter trägt irgendwann hoffentlich zur Finanzierung unseres Sozialstaates bei. Frau Reina Becker aus Westerstede hat vor Jahren schon den Klageweg zum Ehegattensplitting beschritten, vor niedersächsischen Gerichten recht bekommen, aber (noch) nicht auf Bundesebene.
Doris Schröder

Mehr Ehrlichkeit in politischer Kommunikation

Unabhängig davon, wie man zu diesem Vorschlag steht, gehört zur Ehrlichkeit politischer Kommunikation eine klare Benennung, für welche Paare dies eine massive Steuererhöhung bedeutet:

Es sind solche, bei welchen mindestens ein Partner weniger als 62.810 Euro zu versteuerndes Einkommen erwirtschaftet und die Gehälter beider Partner verschieden hoch sind. Vorwiegend trifft es somit Paare im mittleren Einkommensbereich. SPD/Grüne möchten also Familien, die sie beim Elterngeld als förderwürdig erachten, stärker belasten, um Elterngeld für ihrer Ansicht nach weniger förderungswürdige höhere Einkommen zu finanzieren.
Andreas Stadlmeier

Kernzelle der Gesellschaft weiter destabilisieren

Eine Ehe/Familie ist und war schon immer wirtschaftlich eine Einkommensgemeinschaft. Insofern sollte das Familieneinkommen auch insgesamt als Besteuerungsgrundlage herangezogen werden, unabhängig davon, wie viel jedes Familienmitglied zum gemeinsamen Einkommen beiträgt. Diesem Prinzip dient das Ehegattensplitting. Es abzuschaffen würde die Familie als Kernzelle der Gesellschaft weiter destabilisieren.
Dr. Andreas Domeyer

Passt nicht in unsere moderne Arbeitswelt

Das Ehegattensplitting ist seit Jahren überholt! Die Idee von Herrn Klingbeil ist hervorragend. Das Ehegattensplitting passt nicht in unsere moderne Arbeitswelt, in der Frauen gleichberechtigt sein sollten und einem Beruf nachgehen können, denn Ehegattensplitting funktioniert nur, wenn ein Ehepartner weniger verdient als der andere – und das sind leider immer noch meistens die Ehefrauen. Bei mir hat es, obwohl ich jahrelang – wegen der Kinder – weniger gearbeitet habe, gar nicht funktioniert: Wir waren nicht verheiratet. Noch ein Nachteil des Ehegattensplittings: Es werden nur die Familien gefördert, die vor den Traualtar treten – aber es gibt auch andere Lebensmodelle. Das waren noch lange nicht alle Nachteile.
Susanne Becker

Für Familien mit Kindern wichtig

Da eigentlich Familien unterstützt werden sollen, muss, wenn Kinder da sind, am Ehegattensplitting festgehalten werden.

Das ist das klassische Bild, Papa, Mama, Kind. Hier sollte ein Elternteil auf das Kind aufpassen. Kinder sollten in der Familie und nicht in Kitas aufwachsen.

Es ist zwar gerade modern, Kinder von 7:00 bis 18:00 Uhr in Kitas zu stecken damit sich beide Partner beruflich verwirklichen können. Wenn die Kids dann aber zur Betreuung Mama sagen, darf man auch das Hirn einschalten und feststellen, dass die Vollzeitbetreuung nicht für jeden geeignet ist.

Für kinderlose Großverdiener sollte man das entsprechend anders handhaben.
Jürgen Schüer

Abschaffung ist überzeugend

Da das Ehegattensplitting erst für zukünftige Ehepaare vorgesehen ist, haben bestehende Ehepaare einen Bestandsschutz. Heiratswillige können sich auf die veränderten Bedingungen einzustellen. Die Argumente von Herrn Klingbeil zur Abschaffung dieses Steuermodells halte ich für überzeugend. Typisch für die FDP ist ihre Ablehnung, denn das würde in erster Linie die sehr gut verdienenden Männer treffen, die die FDP wählen.
Maren Reinke-Carstensen

Wichtige finanzielle Unterstützung

Das Elterngeld ist eine wichtige finanzielle Unterstützung für Familien in der frühen Phase der Kindererziehung und sollte nicht an willkürlichen Einkommensgrenzen gekürzt werden. Stattdessen sollten wir Anreize schaffen, um die gemeinsame Karriere von Mann und Frau zu fördern, und das Ehegattensplitting beibehalten.

Das Ehegattensplitting ermöglicht es, dass das Familieneinkommen als Ganzes betrachtet wird und nicht nur das individuelle Einkommen. Dies unterstützt die Entscheidung, dass beide Elternteile arbeiten können und den Haushalt gemeinsam führen, was eine gute Basis für die gleichberechtigte Partnerschaft und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schafft.

Eine Abschaffung des Ehegattensplittings würde diese wichtige finanzielle Unterstützung für Familien reduzieren und damit den Anreiz für beide Elternteile, sich gleichermaßen in Karriere und Familie einzubringen, verringern. Es ist wichtig, dass wir die Bedürfnisse von jungen Familien berücksichtigen und die finanzielle Unterstützung aufrechterhalten, um die Gleichstellung von Mann und Frau in der Arbeitswelt zu fördern.
Manuel Brake

Elterngeld beibehalten

Das Ehegattensplitting sollte abgeschafft werden. Es begünstigt, dass derjenige mit anfänglich geringerem Gehalt in einer Partnerschaft auf diesem Niveau verharrt und fördert so die Ungleichheit zwischen Ehepartnern.
Das Elterngeld sollte beibehalten werden. Es fördert, dass beide Elternteile sich um ihr Kind kümmern und schafft einen geschützten Rahmen für die ganz frühe Erziehungszeit, in der Fremdbetreuung noch nicht möglich ist (folglich mindestens ein Elternteil vom Job aussetzen muss).

Dank Elterngeld nehmen sich die meisten gut verdienenden Väter mittlerweile zumindest zwei Monate Elternzeit.
Jennifer Paffen 

Ehrliche Stellungnahme notwendig

Das Ehegattensplitting folgt dem Grundsatz, dass die Steuerlast des Ehepaares (beziehungsweise der Familie) unabhängig von der Einkommensverteilung ist. Paare mit einem Einkommen von beispielsweise 60.000 und 60.000 Euro zahlen die gleiche Einkommensteuer wie Paare mit anderer Verteilung (40.000 und 80.000). Wer das Splitting abschaffen will, schafft auch diesen Grundsatz ab.

Verwandte Themen
Lars Klingbeil
SPD
FDP
Instagram
Steuern
Einkommensteuer

Dazu vermisse ich eine ehrliche Stellungnahme seitens der Politik.
Christian Schwarz

Wenn auch Sie sich im Forum zu Wort melden möchten, schreiben Sie uns per E-Mail an: forum@handelsblatt.com oder auf Instagram unter @handelsblatt.

Mehr: Zuletzt hat die Handelsblatt-Leserschaft darüber debattiert, ob Elterngeld für Gutverdiener gestrichen werden sollte.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt