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Pulse-NewsletterVon Bock auf Arbeit – und wie charmante Tritte helfen

Es entsteht gerade der Eindruck, dass Arbeit viel mit den Menschen macht, nur keinen Spaß. Führungskräfte sollen die Erfüllung im Job bringen, aber das ist zu kurz gedacht.Kirsten Ludowig 14.04.2024 - 09:46 Uhr
Handelsblatt-Vizechefredakteurin Kisten Ludowig. Foto: Max Brunnert [M]

Einen wunderschönen guten Morgen,
schön, dass Sie bei der neuen Ausgabe von „pulse“ dabei sind!

Ich versuche seit einiger Zeit eine Kundenkarte von einer Handelskette zu bekommen. Drei Mal ging ich zum Serviceschalter im Markt. Das erste Mal war der für die Karten zuständige Mitarbeiter im Streik. Das zweite Mal war „dat Gerät kaputt“ und das dritte Mal niemand da.

Vor kurzem habe ich es ein viertes Mal probiert. Bereit mich dem „Du kommst hier nicht rein“-Schicksal zu ergeben – die Scham aus frühen Disco-Tagen im Sinn, wenn man vom Türsteher abgewiesen wurde – stand ich vor der Mitarbeiterin am Schalter. Sie lächelte und sagte: „Kriegen wir hin!“

Spaß im Job: Pragmatische Heiterkeit Foto: IMAGO

Fünf Minuten später hatte ich meine Karte und war überrascht, wie glücklich mich diese Frau gemacht hatte. Das lag nicht an dem Stückchen Plastik. Vielmehr war ich verblüfft und noch länger beseelt von der pragmatischen Heiterkeit, mit der sie ihren Job machte.

„Endlich Lust auf Arbeit!“ – so heißt die Coverstory der ersten Aprilausgabe der „WirtschaftsWoche“. Das „endlich“ impliziert schon, dass momentan vor allem Frust im Job herrscht. Und wenn ich mir die Diskussionen um Vier-Tage-Woche, Zeiterfassung oder auch Work-Life-Balance so anhöre, dann entsteht bei mir tatsächlich der Eindruck, dass Arbeit viel mit den Menschen macht, nur keinen Spaß.

Dass die Gen Z wenig Bock auf Arbeit wie bisher hat, das ist überall angekommen. Aber, so musste ich bei uns letztens lesen, auch die 30- bis 45-Jährigen, die Millennials, zu denen ich gerade noch so gehöre, stecken in der Sinnkrise. Sie leiden nur leise, weil sie sich, anders als die Jüngeren, nicht trauen zu sagen, was sie wollen.

Sie sind es, die laut Generationenforscher Simon Schnetzer (selbst Millennial) „die Arschkarte gezogen“ haben. Der Grund: „Wir führen das System der Boomer fort, obwohl wir wissen, dass es so nicht weiter funktioniert.“ Das macht es doppelt bitter, finde ich.

Und Chef oder Chefin werden? Das will eh keiner mehr. Fühlt sich das Mittelmanagement doch notorisch eingeengt, geringgeschätzt und aufgerieben. Stattdessen sind viele on FIRE, also Fans der „Financial Independence, Retire Early“-Bewegung und wollen am liebsten mit 30, 40 oder 50 in Rente gehen.

Millennials: Leises Leiden Foto: Getty Images

Liegt das Heil also im Frugalismus? Sollten wir alle in größtmöglicher Bescheidenheit leben und jeden Euro, den wir entbehren können, anlegen, um dann so früh wie möglich ausgesorgt zu haben? Ich glaube nicht, dass das die (Er-)Lösung bringt.

Der „WirtschaftsWoche“-Kollege schreibt zurecht, dass sich „Bock auf Arbeit“ nicht „verordnen“ lässt, aber „wecken und vermitteln“. Und dass Führungskräfte mehr denn je gefragt sind, dafür zu sorgen, dass alle im Team Erfüllung im Job finden. Ich finde aber auch: Wer nur die über sich in die Pflicht nimmt, macht es sich zu einfach!

Gen Z: Lautes Fordern Foto: IMAGO

Jeder und jede ist auch selbst für sich verantwortlich. Dafür, dass die Arbeit Sinn ergibt und abwechslungsreich ist, dafür sich Freiräume zu verschaffen, dafür Feedback und Perspektiven zu bekommen und auch mehr Geld. Und dafür, die Arbeitswelt und ihre Spielregeln zu verändern, wenn sie einem nicht gefallen. Die Gen Z hat das erkannt.

Klar, ich springe auch nicht jeden Morgen mit einem „Tschakka“ aus dem Bett. Auch ich verfalle mal in Jammerei. Letztens hatte ich so einen Tag. Da hat mir ein Kollege einen kleinen, charmanten Tritt in den Allerwertesten verpasst. Der ist mir lieber als die „Arschkarte“.

Ich freue mich, wenn ich Sie in zwei Wochen wieder begrüßen darf!

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Herzliche Grüße
Ihre
Kirsten Ludowig

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