Russland: Kriegsherr Putin wird wieder salonfähig

Bei Minusgraden läuft der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski durch die verschneiten Straßen Kiews, fordert die Bevölkerung zum Durchhalten auf, im Westen kämpfen seine Diplomaten unter enormem Druck für den Fortbestand der internationalen Ukraine-Unterstützung. Am selben Tag wird Russlands Präsident Wladimir Putin in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten wie ein König empfangen.
Der Internationale Strafgerichtshof hat Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten erlassen. Und dennoch werden Putins Auslandsreisen wieder häufiger, sein Bewegungsradius erweitert sich. Auf internationaler Bühne ist er mittlerweile deutlich lieber gesehen, als es viele westliche Politiker wahrhaben wollen.
Begleitet von einer hochkarätigen Delegation, der beispielsweise Notenbankchefin Elwira Nabiullina angehört, demonstriert Putin in Abu Dhabi ein neues Selbstbewusstsein. Im Auftreten wirkt er sicherer und entspannter als bei vergangenen Reisen.
Zweifel an der Wirksamkeit von Sanktionen
Der Westen sollte das als Warnung verstehen – denn die Reise ist Erinnerung daran, dass Russland bei der Umgehung von Sanktionen auf einflussreiche internationale Partner setzen kann, am Golf und darüber hinaus. Und dass ein durch Sanktionen bedingtes Ende seiner Ukraineaggression nicht abzusehen ist.
Darüber hinaus ist Russlands Krieg gegen die Ukraine auch ein Krieg der Bilder. Wer sich als Gewinner inszeniert, beeinflusst die Wahrnehmung der Weltöffentlichkeit – vor allem wenn die Gegenseite zunehmend als Bittsteller gesehen wird.
Der Ukraine droht zum neuen Jahr der Wegfall von US-Hilfen. Westliche Staaten sollten Selenski gerade jetzt aber nicht bitten lassen.