Temu: Europa kämpft gegen die unkontrollierte Päckchenflut

Billigprodukte und Fast Fashion aus China haben Europas Onlinehandel erobert – die Kehrseite der Schnäppchen: mit Schwermetallen belastete Nahrungsergänzungsmittel, giftige Spielzeuge, Produktfälschungen.
Die EU-Kommission will nun einschreiten: Eine neue Päckchengebühr soll eingeführt, die Freigrenze für zollfreie Sendungen abgeschafft und Kontrollen sollen verschärft werden, wie das Handelsblatt vorab berichtete. Die Idee klingt vernünftig. Doch setzt sich die Vernunft auch gegen nationale Interessen und die Furcht vor Peking durch?
Täglich werden zwölf Millionen Pakete in die EU importiert – viermal so viel wie 2022. Mehr als 90 Prozent davon stammen aus China. Onlinehändler wie Temu, Shein und Aliexpress ermöglichen es chinesischen Herstellern, ihre Waren direkt an europäische Haushalte zu versenden.
Aufgrund der schieren Anzahl prüfen Zollbehörden das Gros der Sendungen gar nicht erst. Das ist nicht nur ein Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen, die sich an Gesetze und Standards halten müssen, sondern auch gefährlich für Verbraucher.
Doch die EU-Mitgliedstaaten zögern bei der Zollreform. Länder wie Deutschland befürchten, dass eine zu schnelle Abschaffung der Ausnahme für Päckchen den Zoll überlasten würde, weil der dann jede Sendung bearbeiten müsste – so, wie es jetzt in den USA geschehen ist, wo Donald Trump die Freigrenze kurzerhand abgeschafft hat. Die amerikanische Post liefert nun keine Pakete aus China mehr aus, da der Zoll sie nicht bearbeiten kann.
Eigentlich sollte das auch in Europa die logische Konsequenz sein: Wenn unsere Behörden nicht hinterherkommen, sollten die Pakete an der Grenze gestoppt, nicht einfach durchgeschleust werden.
Das traut sich aber niemand, weil die Regierungen Peking nicht verärgern wollen. Derweil wächst die Paketflut weiter – und mit ihr die Risiken für Verbraucher und der Wettbewerbsnachteil für europäische Händler und Hersteller.