Morning Briefing: Den BRICS-Staaten fehlt eine Vision, wofür sie sind, und nicht wogegen
Treffen der BRICS+ in Kasan: Ein Fall für den Psychiater
Liebe Leserinnen und Leser,
diese Abkürzung hat Weltkarriere gemacht. Ursprünglich stand „BRIC“ nur für die rasch wachsenden Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Mit dem eingängigen Kürzel wollte die Investmentbank Goldman Sachs mehr Investmentfonds verkaufen, die in diesen Regionen investieren. Dann kam das „S“ für Südafrika hinzu, was am Dilemma nichts änderte: Alle BRICS-Staaten bis auf China und zuletzt Indien enttäuschten die in sie gesetzten Wachstumserwartungen. Und damit die Renditehoffnungen der Anlegerinnen und Anleger.
Dafür wurde aus den BRICS eine politische Organisation, die sich zu regelmäßigen Gipfeltreffen versammelt – so wie in diesen Tagen im russischen Kasan. Mittlerweile ist die Rede meist von den BRICS+, denn 2024 traten Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate bei.
Die BRICS+ möchten ein Gegengewicht zu den westlich dominierten G7 bilden, und das mit einigem ökonomischen Anrecht: Die insgesamt neun BRICS-Staaten stehen für 35 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts, die G7 nur noch für 30 Prozent.
Aber dass sich das Bündnis ausgerechnet nach einem Marketingbegriff der vielleicht kapitalistischsten aller Wall-Street-Banken benannt hat, zeigt bereits das Kernproblem: Nur gemeinsam gegen den Westen zu sein, schafft noch keine positive Bindekraft. Ein Ziel von Kremlchef Wladimir Putin ist es, mithilfe der BRICS das globale Finanzsystem neu aufzustellen und den Dollar als Leitwährung zu schwächen.
Auch für Peking ist die BRICS-Gruppe ein Vehikel, um Amerika spätestens 2049 als führende Weltmacht abzulösen. Brasilien und Indien sehen sich hingegen als „Blockfreie“, die sich keinesfalls für Putins Vendetta gegen den Westen vereinnahmen lassen wollen.
Westen, Westen, immer wieder geht es in Kasan um den Westen. Lägen die BRICS+ beim Psychiater auf der Couch, er oder sie würde wohl eine ausgeprägte Zwangsstörung diagnostizieren: „Und sagen Sie, spricht er häufig nachts zu Ihnen, dieser Westen?“
Wofür, und nicht nur wogegen, wollen die BRICS+ eigentlich stehen? Ich vermute, diese gemeinsame Vision gibt es nicht. Oder sie fällt so unattraktiv für die Menschen in den Mitgliedstaaten aus, dass man sich lieber weiterhin über die G7 als bequemes Feindbild definiert.
Dazu passt: Die russische Regierung zweifelt das Resultat des Referendums und der Präsidentenwahl in der Republik Moldau an. Die Abstimmungen in Moldau seien nicht frei gewesen, und die Ergebnisse zeigten mit zunehmender Auszählung einen „schwer zu erklärenden“ Anstieg der Stimmen zugunsten von Präsidentin Maia Sandu und der Europäischen Union, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
Die amtierende EU-freundliche Präsidentin Sandu verfehlte den vorliegenden Zahlen zufolge die absolute Mehrheit und muss in die Stichwahl. Bei dem Referendum hat sich nach vorläufigen Ergebnissen eine knappe Mehrheit dafür ausgesprochen, das Ziel eines Beitritts zur EU in der Verfassung zu verankern. Der Anteil der Ja-Stimmen wurde am Montag mit 50,4 Prozent angegeben, bei weniger als einem Prozent noch ausstehender Stimmen.
Eine Erklärung für den Umschwung während der Auszählung gibt es durchaus: Die Stimmen der in Westeuropa und Nordamerika lebenden Moldauer, die sich mehrheitlich für den EU-Beitritt aussprachen, wurden zuletzt ausgezählt.
Peskow bezeichnete den Wahlkampf in Moldau als „unfrei“ und beklagte, dass die Opposition von den Behörden unterdrückt worden sei. Internationale Organisationen übten dagegen Kritik an der Führung in Moskau und warfen Russland Einmischung vor. Sowohl die EU als auch Russland ringen um Einfluss in der ehemaligen Sowjetrepublik.
Eine deutliche Mehrheit der Deutschen ist einer Umfrage zufolge gegen weitere Waffenlieferungen an Israel. In einer Forsa-Befragung für „Stern“ lehnten 60 Prozent Rüstungsexporte nach Israel ab. 31 Prozent finden sie richtig, neun Prozent äußerten keine Meinung. Bei Anhängern der Grünen ist die Ablehnung von Waffenlieferungen mit 50 Prozent am geringsten, 39 Prozent finden sie richtig. Bei den Wählern aller anderen Parteien fällt die Ablehnung noch stärker aus. Am eindeutigsten ist sie mit 85 Prozent beim Bündnis Sahra Wagenknecht.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte noch vergangene Woche im Bundestag versichert:
Gestützt auf ein erneut überraschend starkes Quartalsergebnis hat SAP seine Gesamtjahresziele angehoben. Der bereinigte operative Gewinn des Softwarekonzerns ist im abgelaufenen Quartal um 28 Prozent auf 2,24 Milliarden Euro gestiegen und hat die Markterwartungen übertroffen. Der Free Cash Flow, der als Gradmesser für die Dividendenhöhe gilt, legte sogar um 44 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro zu. Auf dieser Basis peilt SAP nun ein Betriebsergebnis zwischen 7,8 bis acht Milliarden Euro statt bisher 7,6 bis 7,9 Milliarden Euro an. Für den Cash Flow sagt das Unternehmen einen Wert von 3,5 bis vier statt bisher rund 3,5 Milliarden Euro voraus.
Die Sportart Padel-Tennis ist bei Fußballprofis als Ausgleichssport beliebt, auch, weil die Verletzungsgefahr geringer sein soll als beim normalen Tennis. Dazu passt es, dass eine Größe des europäischen Fußballs hinter der Expansion der Trendsportart steht: Hansi Flick, der ehemalige Fußball-Bundestrainer und aktuelle Chefcoach des FC Barcelona, ist einer der vier Gründer von Padel-City. Das Start-up vermietet Plätze, verleiht und verkauft Ausrüstung und will zudem Geld verdienen durch Gastronomie und Sponsoring.
Eigenen Angaben zufolge hat Padel-City bislang zehn Millionen Euro von Geldgebern eingesammelt. Derzeit gibt es in Deutschland 80 Spielfelder der Münchener Firma, bis Jahresende sollen es laut Co-Gründer Marcus Englert hundert sein. Ziel sei es, innerhalb von maximal fünf Jahren...
Falls Sie noch nie von Padel-Tennis gehört haben: Das Spiel hat seinen Ursprung in Mexiko und vereint Elemente aus Tennis, Squash und Badminton.
Seit vielen Jahren lebe ich damit, dass meine Kinder meinen Beruf nicht ganz so großartig finden wie ich selbst. Gestern bekam ich allerdings endlich mal die Ehrerbietung, die Vätern gebührt. Die beiden folgen einem Influencer namens Laserluca (5,26 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten auf Youtube). Und berichteten aufgeregt: Laserluca hört nach eigenem Bekunden regelmäßig das Handelsblatt Morning Briefing als Podcast. Sie schickten mir prompt das dazugehörige Video als Beweis – ab Sekunde 50 geht es los.
Also, lieber Luca, falls Sie uns auch heute morgen hören: Viel Vergnügen mit dem Morning Briefing – und lassen Sie sich Ihre Quality Time auf der Akupressurmatte bloß nicht von Sandras unqualifizierten Kommentaren vermiesen.
Uns allen wünsche ich einen einflussreichen Dienstag.
Herzliche Grüße,
Ihr Christian Rickens
PS: Die Bundesbürger scheinen den Spitzenkandidaten der Parteien für die kommende Bundestagswahl wenig zuzutrauen. So nehmen jeweils mehr als die Hälfte der Befragten des ZDF-Politbarometers die vier Politiker als ungeeignet für das Amt des Bundeskanzlers wahr. Friedrich Merz erreicht noch das beste Ergebnis. 54 Prozent der Befragten halten ihn trotzdem für ungeeignet als Bundeskanzler. Uns interessiert: Wie erklären Sie sich die Ergebnisse? Warum überzeugen die Spitzenkandidaten nicht? Was sollten sie ändern? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in fünf Sätzen an forum@handelsblatt.com. Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir mit Namensnennung am Donnerstag gedruckt und online.