Morning Briefing: Die aggressivste handelspolitische Maßnahme der modernen US-Geschichte
Welthandel: Massive Zölle auf Importe in die USA / US-Regierung: Trump könnte sich von Musk trennen
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!
Gestern Abend deutscher Zeit hat US-Präsident Donald Trump die aggressivste handelspolitische Maßnahme in der modernen Geschichte der USA verkündet. Die Worte, die Trump bei seiner Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses sprach, waren von Abneigung durchzogen. Abneigung gegen den Rest der Welt und die aus seiner Sicht unfaire Zollpolitik gegenüber den Vereinigten Staaten. „Wir wurden belogen, betrogen, vergewaltigt“, sagte Trump. „Ausländische Plünderer haben unseren amerikanischen Traum zerstört.“
Als Antwort will die US-Regierung sämtliche Importe in die Vereinigten Staaten mit Strafzöllen belegen. Demnach soll am 5. April ein Basiszoll in Höhe von zehn Prozent für alle Importe in Kraft treten. Zusätzlich sollen am 9. April noch höhere Zölle für die „schlimmsten Übeltäter“ hinzukommen, wie es das Weiße Haus ausdrückte. Demnach soll die Europäische Union mit Zöllen in Höhe von 20 Prozent auf alle Importe belegt werden, China mit Zöllen in Höhe von 34 Prozent.
Das Weiße Haus ließ offen, ob es sich auf Verhandlungen einlassen werde. Ein Regierungsbeamter betonte, dass es sich nicht um einen Aufruf zum Verhandeln handle, sondern um die Erklärung eines nationalen Notstands. Er stellte klar: „Jedes Land, das jetzt denkt, es könne einfach seine eigenen Zölle senken, um die Situation zu lösen, irrt sich.“
Bereits ab heute gelten Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Autoimporte in die USA. Das trifft besonders die deutschen Hersteller, den mit Abstand größten Autoexporteur der EU in die USA. Schon jetzt ist klar, dass damit der stärkste deutsche Industriezweig erheblich geschwächt wird.
Die Aufschläge auf „wichtige Autoteile“ von ebenfalls 25 Prozent sollen spätestens am 3. Mai wirksam werden, wie aus dem Amtsblatt der USA hervorgeht. Die deutschen Autokonzerne haben damit Klarheit: Die Zölle kommen – und werden die Branche aller Voraussicht nach empfindlich treffen. Auf rund elf Milliarden Euro beziffern Experten des US-Analysehauses Bernstein die Nettokosten der Zölle für die drei großen deutschen Autokonzerne Volkswagen, BMW und Mercedes.
Auch Bierimporte in die USA sollen laut US-Bundesanzeiger mit 25 Prozent besteuert werden. Die mit Abstand meisten Biereinfuhren kamen 2024 aus Mexiko, gefolgt von den Niederlanden, Irland und Kanada. Auch Deutschland exportierte Bier im Wert von 70,3 Millionen Dollar in die USA. Im Live-Blog unseres Newsteams können Sie alle bisher bekannten Details zu den neuen Zöllen einsehen – inklusive einer Tabelle mit den US-Zöllen gegen einzelne Länder.
Das Aus für Musk in der US-Regierung
Es wäre wohl schon jetzt die Trennung des Jahres – wenn nicht sogar des Jahrzehnts. Zwischen Donald Trump und Elon Musk scheint es zu kriseln. Trump möchte sich offenbar trennen, berichteten das Magazin „Politico“ und der TV-Sender ABC am Mittwoch unter Berufung auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Demnach soll Musk seinen Posten als einer der wichtigsten Berater von Trump in den kommenden Wochen räumen.
„Ich finde, er hat sich großartig geschlagen, aber ich denke auch, dass er große Unternehmen zu führen hat“, sagte Trump am Montag im Oval Office. Die Ansicht, dass Musk sich mehr um seine Geschäfte und weniger um Politik kümmern sollte, teilen offenbar auch die Tesla-Aktionäre. Hatte der Kurs der Aktie vor dem „Politico“-Bericht noch mehr als sechs Prozent im Minus gelegen, lag er am Nachmittag fast vier Prozent im Plus.
Während Musk vor allem damit beschäftigt ist, den US-Staatsapparat zu zerschlagen, enttäuscht sein Unternehmen Tesla auf breiter Front. Teslas Autoverkäufe sind im ersten Quartal 2025 so stark gesunken wie noch nie. Der US-Elektroautohersteller lieferte in den ersten drei Monaten weltweit nur knapp 337.000 Fahrzeuge aus – 12,9 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.
Damit verfehlt der Autobauer deutlich die Absatzerwartungen der Analysten. Neben Musks politischem – nennen wir es mal „Engagement“ – gilt der erst kürzlich begonnene Verkauf des neuen Modells Y als Grund für die Schwäche. Laut Garrett Nelson, Analyst von CFRA Research habe es „einen Leerraum in der Tesla-Führung“ gegeben. Es wird sich zeigen, wie sich Tesla entwickelt, wenn sich Musk wieder ganz auf die Leitung seiner fünf Unternehmen konzentrieren kann.
Der Deutschlandfluch der Techprojekte
Gibt es so etwas wie einen Deutschlandfluch? Es scheint fast so, wenn man sich die vielen verheißungsvollen Großprojekte für Zukunftstechnologien anschaut, die in letzter Zeit gescheitert sind. Die neue Batteriefabrik in Schleswig-Holstein? Betreiber Northvolt ist pleite. Die neue Chipfabrik in Sachsen-Anhalt?
Betreiber Intel hat den Bau verschoben. Und auch im Saarland war ein technologisches Großprojekt geplant, das jetzt wohl begraben werden muss. Vor zwei Jahren versprach der US-Halbleiterhersteller Wolfspeed, für 2,75 Milliarden Euro eine neue Fabrik in der Nähe von Saarlouis zu errichten. Doch seit Herbst letzten Jahres ist klar: Daraus wird wohl erstmal nichts.
Der Aktienkurs des US-Halbleiterherstellers ist Ende vergangener Woche binnen wenigen Minuten um mehr als die Hälfte eingebrochen. Viele Aktionäre wollten das Wolfspeed-Wertpapier nur noch loswerden – koste es, was es wolle. Innerhalb eines Jahres ist der Kurs sogar um rund 90 Prozent gefallen. Der einstige Hoffnungsträger für die deutsche technologische Souveränität ist mittlerweile ein Sanierungsfall.
Wer in Berlin schon einmal einen neuen Personalausweis beantragt hat, weiß, wie sich kafkaeske Verwaltungsstrukturen anfühlen. Mit Wartenummer, Vorausdrucken und einem möglichst traurigen Foto ausgerüstet sitzt man im Wartesaal irgendeines Bezirksbürgeramtes, das gerade noch einen Termin frei hatte. Wehe denen, die dann auch noch nach einem neuen Führerschein fragen. Berlinerisch diplomatisch heißt es dann: „Dat kannste knicken, da musste n neuen Termin machen.“
Wer geglaubt hat, schlimmer kann es nicht mehr werden, hat die Rechnung ohne die deutsche Regelungswut gemacht. Denn wie der „Spiegel“ berichtet, sind ab August Fotos der klassischen Automaten an Bahnhöfen oder in Kaufhäusern nicht mehr zugelassen – stattdessen braucht es digitale Bilder von lizenzierten Fotografen oder den Behörden selbst. Das soll verhindern, dass die Fotos manipuliert werden.
Wie schrieb Kafka in seinem Roman „Das Schloss“:
„Die Angst vor den Behörden wird hier, unter euch, geboren und wird euch euer Leben lang in den verschiedensten Weisen auferlegt.“
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie keine Angst vor einer Behörde haben müssen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Teresa Stiens