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Morning Briefing Die Impfprobleme von Astra-Zeneca

26.01.2021 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

im Clubhouse Deutschland geht es heute nicht um kinderleichte Handy-Spiele wie „Candy Crush“, mit denen sich nicht nur Bodo Ramelow die Zeit in nie enden wollenden Webkonferenzen vertreibt. Nein, es geht um Nachrichten zur Corona-Impfsituation, in Moll gehalten. Zuvorderst schlägt negativ zu Buche, dass das Vakzin des von der EU gehätschelten Konzerns Astra-Zeneca bei Senioren über 65 nur eine Wirksamkeit von acht Prozent haben soll. Das hat unsere Redaktion aus Kreisen der Bundesregierung erfahren.

Nach der für diesen Freitag erwarteten Zulassung ist es gut möglich, dass der Impfstoff, den Astra-Zeneca zusammen mit der Universität Oxford entwickelt hat, nur Jüngeren verabreicht wird. Da der US-Konzern Merck seine Entwicklung eines Impfpräparats gestoppt hat und Moderna bei Mutationen die hohe Wirksamkeit seines Präparats unter Senioren ebenfalls bezweifelt, wackelt der „Impfplan 2021“ der deutschen Regierung gewaltig.

Quelle: imago images/Christian Ohde
Der Corona-Impfstoff von Astra-Zeneca scheint bei der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppe, den Senioren, kaum anzuschlagen.
(Foto: imago images/Christian Ohde)

Gegen die zuvor schon bekannt gewordenen Lieferprobleme der Pharmafirmen fährt die EU nun größere Geschütze auf: Hersteller der Impfstoffe müssen sich künftig Exporte ins Nicht-EU-Ausland genehmigen lassen. Astra-Zeneca habe auf viele Fragen keine befriedigenden Antworten geben könne, sagt die zuständige Kommissarin Stella Kyriakides: „Wir möchten, dass unser Vertrag erfüllt wird.“ Immerhin hat die EU im August 400 Millionen Impfdosen bei Astra-Zeneca geordert – und dabei einen dreistelligen Millionenbetrag gezahlt, damit der Konzern rasch mit der Produktion beginnen möge. Wo sind die Dosen? Das fragen EU-Vertreter entrüstet. Die Antwort ist simpel: Aus der britischen Fabrik konnte Großbritannien gut bedient werden, das belgische Werk aber meldet Produktionsprobleme – und damit leidet Kontinentaleuropa.

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    Ein Jahr Pandemie hat viele Bürger zermürbt. Frisst Corona erst die Seele, dann die Freiheit? Was ist mit den Rechten des Parlaments? Darüber streiten im Handelsblatt-Gespräch FDP-Chef Christian Lindner und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, den CDU-Altstar Friedrich Merz jüngst noch heim ins Saarland verjagen wollte.

    Lindner ist in dem Disput auf Angriff programmiert. Der Notstand und seine Gesetzgebung sind die Stunde der Opposition:

    • Die Bundeskanzlerin geht lieber in die Bundespressekonferenz, als sich einer Debatte im Bundestag zu stellen. Im Parlament werden die Fakten hinterfragt und alternative Strategien vorgeschlagen.
    • Ich höre von den Wirtschaftsministern der Länder große Unzufriedenheit über das Bundeswirtschaftsministerium, weil die digitale Plattform und das Fachverfahren mit Verzug umgesetzt worden sind. Selbst CDU-Minister haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

    Die Antworten des selbst ernannten Ludwig-Erhard-Epigonen Altmaier sind gänzlich frei von Schuldanerkenntnis:

    • Was Sie alles hören! Die Zusammenarbeit in der Wirtschaftsministerkonferenz ist sehr intensiv und vertrauensvoll. Wir haben die Hilfen auf Anregung der Kollegen immer wieder verbessert. Von Chaos kann keine Rede sein.
    • Bei der Bekämpfung der Pandemie geht es ganz überwiegend nicht um Zuständigkeiten des Bundes, sondern der Länder. Es würde die Gespräche erschweren, wenn die Bundesregierung im Vorfeld öffentlich Pflöcke einrammen würde und den Ländern Ratschläge gäbe.

    Auch wenn die beiden im Streitgespräch etliche Freundlichkeiten austauschen – in einer gemeinsamen Regierung kann man sich dieses Duo beim besten Willen nicht vorstellen.

    Inmitten der heftigen Corona-Diskussionen und der gegenseitigen Schuldzuweisungen hat Helge Braun die Rolle des besonnenen, wohl temperierten Therapeuten übernommen – des Mannes, der das Licht am Ende des Tunnels immer heller sieht. „Wir impfen ja schon!“, sagt der Kanzleramtsminister. Er fordert, die Sozialabgaben bis 2023 zu stabilisieren, auf Steuererhöhungen zu verzichten und bei den Staatsschulden großzügiger zu sein. Der CDU-Politiker gesteht im Handelsblatt-Gastkommentar, was in seiner Partei fast ein Sakrileg ist: „Die Schuldenbremse ist in den kommenden Jahren auch bei ansonsten strenger Ausgabendisziplin nicht einzuhalten.“

    Braun schlägt eine Grundgesetzänderung vor: Sie sieht für die kommenden Jahre „einen verlässlichen degressiven Korridor für die Neuverschuldung“ vor – sowie ein klares Datum für die Rückkehr zum alten Schuldenregel-Brimborium. Wenn sich Ansichten und Absichten nach den Aussichten richten, haben wir es zweifelslos mit jenem Pragmatismus zu tun, der zu 16 Regierungsjahren führt.

    Quelle: dpa
    Die niederländische Polizei hat dutzende Gewalttäter bei Ausschreitungen gegen eine Ausgangssperre festgenommen.

    In den Niederlanden haben Ausgangssperren von 21 bis 4.30 Uhr erneut heftige Krawalle ausgelöst. Auch gestern Abend kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, etwa in Den Haag, Alkmaar und Arnheim. Am schlimmsten war es in Rotterdam, wo etliche Autos brannten. Dort haben Jugendliche offenbar gezielt den Konflikt mit der Polizei gesucht, aufgehetzt durch Aufrufe in Social Media.

    Die Polizei sieht Corona-Leugner, Neonazis und Fußball-Hooligans – auch aus Deutschland – als Hauptgruppen der Randalierer. Dutzende Gewalttäter sind festgenommen worden. Der Bürgermeister von Eindhoven spricht bereits davon, dass man sich womöglich auf einen „Bürgerkrieg“ zubewege.

    Heute Morgen ist Giuseppe Conte noch einmal italienischer Ministerpräsident. Nach einer Kabinettssitzung aber will er zum Staatspräsidenten Sergio Mattarella gehen und den Rücktritt anbieten: Seine Koalition mit der Fünf-Sterne-Bewegung, den Linken und den Sozialdemokraten hat nach dem Weggang der linksliberalen Klein-Partei Italia Viva die Mehrheit verloren. Gut möglich, dass der parteilose Jura-Professor Conte einen neuen Auftrag zur Regierungsbildung erhält. Er kommt so der wahrscheinlichen Niederlage in einer Abstimmung über die Justizpolitik am morgigen Mittwoch bevor.

    In Davos heißt es: Ski und Rodel gut, Straßen frei. Der „Davos Man“, der zu dieser Zeit sonst in den Schweizer Bergen eine neue Weltordnung ersinnt, sitzt in diesem Jahr allerdings im Homeoffice und konferiert digital. Chinas Präsident Xi Jinping hat jetzt beim World Economic Forum vor einem „neuen Kalten Krieg“ gewarnt und angekündigt, sein Land werde sich weiter öffnen. Peking und die Zähmung von Alibaba sind im Übrigen das jüngste Beispiel dafür, wie sich überall auf der Welt Widerstand gegen die alles beherrschenden Internetplattformen bildet.

    Darüber diskutieren wir heute im Rahmen der „Davos Agenda 2021“ – unter anderem mit Ian Bremmer, Präsident der Eurasia Group, dem deutschen Kartellamtschef Andreas Mundt sowie mit Qian Liu von The Economist Group und Aline Blankertz, Direktorin der Stiftung Neue Verantwortung. Machen Sie mit beim Livestream um 12 Uhr, melden Sie sich hier an.

    Quelle: Reuters
    Leon Black, CEO der Private-Equity-Firma Apollo Global Management, tritt Ende Juli zurück.

    Leon Black ist in der internationalen Finanzszene ein Schwergewicht. Nun aber tritt der CEO der Private-Equity-Firma Apollo Global Management Ende Juli zurück und wird sich mit dem Chairman-Posten begnügen. Er findet es jetzt falsch, zwischen 2012 und 2017 insgesamt 158 Millionen Dollar an Jeffrey Epstein gezahlt zu haben – obwohl er wusste, dass sich sein Berater schuldig bekannte, 2008 eine Minderjährige missbraucht zu haben. Epstein, den die Ermittler schwerer Verbrechen beschuldigten, starb 2019 im Gefängnis. Apollo-Chef Black, der sich etwa in Steuer -oder Immobilienfragen helfen ließ, will nun 200 Millionen Dollar für Gender-Sex-Initiativen sowie für Opfer sexueller Gewalt spenden.

    Und dann ist da noch die deutsche Fußballtrainer-Größe Thomas Tuchel, der erst neulich seinen Job beim französischen Spitzenklub Paris St. Germain verlor – einer Außenstelle der katarischen Herrscherfamilie der Al Thani. Nun steht Tuchel kurz davor, beim englischen Klub FC Chelsea anzuheuern. Er würde dort auf den wegen Erfolglosigkeit gefeuerten Ex-Nationalspieler Frank Lampard folgen. Viel Eingewöhnungszeit hat Tuchel nicht: Der Besitzer Roman Abramowitsch erwartet internationale Erfolge, zumal deutsche Nationalakteure wie Werner oder Havertz dort spielen. Der Russe ist seit 2003 beim Londoner Klub als Finanzier aktiv – und hat seitdem 14 Trainer entlassen.

    Ich wünsche Ihnen einen anregenden Tag. Falls Sie unter der Schneefülle leiden, denken Sie an den Schweizer Dichter Gottfried Keller: „Nur durch den Winter wird der Lenz errungen.“

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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    1 Kommentar zu "Morning Briefing : Die Impfprobleme von Astra-Zeneca"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ein kleiner, aber gravierender Denkfehler, dem der Autor bezüglich des Impfstoffes von AstraZeneca unterliegt:
      Sollte, wonach es aussieht, dieser Impfstoff bei alten Menschen kaum wirken, wirft das noch lange nicht die Impfstrategie über den Haufen, sondern erfordert lediglich eine neue Impfreihenfolge, denn damit könnte man jüngere Menschen früher als geplant impfen - es wäre jedenfalls fatal, vor allem angesichts der Knappheit des Impfstoffes, mögliche Impfungen nur deshalb zu verschieben, weil der ursprüngliche Plan damit durcheinander käme.

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