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Morning BriefingDie neue Ära bei Microsoft ist mehr als ein PR-Gag

Teresa Stiens 10.04.2024 - 06:13 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Microsoft gewinnt Kunden im Rekordtempo

10.04.2024
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

wenn Konzernchefs von einer „neuen Ära“ sprechen, handelt es sich dabei meist um PR-Floskeln. Schließlich geht es oft um nicht mehr als beheizbare Sitzbezüge oder die neue Farbe des Firmenlogos. Doch als Satya Nadella, Chef des US-Konzerns Microsoft, im Oktober die „neue Ära der Künstlichen Intelligenz“ ausrief, handelte es sich um mehr als einen PR-Gag. Er traf eine Voraussage.

Heute, sechs Monate später, zeigen sich die Auswirkungen. Microsoft bietet Kunden über sein Cloud-Angebot „Azure“ Modelle mit Künstlicher Intelligenz (KI) für unterschiedliche Anwendungen an. Darunter befinden sich etwa Textroboter wie ChatGPT, aber auch spezialisierte Modelle zum Coding, für Mathematik, Bild-, Musik- oder Videogenerierung. Und es werden immer mehr: Die Zahl dieser KI-Modelle ist innerhalb von sechs Monaten um den Faktor sieben gestiegen. Mittlerweile bietet das Unternehmen mehr als 1600 solcher Modelle an, wie das Handelsblatt von Microsoft erfuhr.

Die Nachfrage scheint riesig – auch in der Wirtschaft. Mehr als die Hälfte der 40 Dax-Unternehmen nutze die KI-Angebote des Konzerns bereits, sagt Microsoft-Organisationsvorstand Luca Callegari. Der Markt wächst rasant. Laut den Marktforschern von Gartner dürften sich die weltweiten Ausgaben für KI-Software bis 2027 auf fast 300 Milliarden Dollar knapp verdreifachen.

Microsoft profitiert besonders von seiner Partnerschaft mit OpenAI, das Modelle über die „Azure“-Cloud zur Verfügung stellt. Eine Partnerschaft, die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager kritisch beobachtet. Auch aus diesem Grund möchte Microsoft unabhängiger werden und hat ein eigenes Labor aufgebaut, in dem das Unternehmen mithilfe von Chips, Software und Talenten an der KI-Vorherrschaft arbeitet. Unser US-Korrespondent Felix Holtermann durfte das Labor als erster deutscher Medienvertreter besuchen.

Doch auch die Microsoft-Konkurrenten wollen die neue Ära der Künstlichen Intelligenz nicht verschlafen. Google und Intel planen, mit neuen Chips Marktführer Nvidia Konkurrenz zu machen. „Die KI-Transformation ist in vollem Gange“, sagte Google-Cloud-Chef Thomas Kurian in Las Vegas. Der neue Chip werde doppelt so schnell arbeiten wie das Vorgängermodell – so das Versprechen.

Die speziellen Chips sind sehr wichtig für generative KI wie das Sprachmodell ChatGPT. Denn der menschenähnlichen Spracherstellung liegt eine riesige Rechenleistung zugrunde, die viele Ressourcen frisst. Die Chips sind dazu in der Lage, die enormen Datenmengen zu verarbeiten – sie bilden also Herz und Hirn der Künstlichen Intelligenz.

Mercedes will die V-Klasse massiv aufwerten. Foto: Mercedes-Benz

Ob sich bei Mercedes in Stuttgart auch eine neue Ära anbahnt, wird sich erst noch zeigen. Jedenfalls will der Autobauer ein neues Modell herausbringen, wie Handelsblatt-Autoexperte Franz Hubik aus Konzernkreisen erfuhr. Es handelt sich dabei um eine ultraluxuriöse Großraumlimousine, die das Emblem der eigenen Nobelmarke Maybach erhalten soll.

Dahinter steckt die Strategie, auch mit Vans und Transportern verstärkt Gutbetuchte anzusprechen, statt vorwiegend mit Handwerkern und Lieferdiensten zu verhandeln. Bei der Van-Einheit handelt es sich um eine Sparte, die einst als Sorgenkind des Autobauers gestartet war und sich mittlerweile zum Musterknaben entwickelt hat. Inzwischen verzeichnet sie eine operative Gewinnmarge von 15,5 Prozent – mehr als die dominante Pkw-Sparte des Dax-Konzerns.

In Südamerika kommt es derzeit zu einem spannenden Showdown: Elon Musk gegen den Obersten Gerichtshof Brasiliens. Am Wochenende leitete Verfassungsrichter Alexandre de Moraes ein Untersuchungsverfahren gegen Musk ein. Es geht um die Vorwürfe „Behinderung der Justiz“ und „Anstiftung zu Straftaten“.

Außerdem wird Musk vorgeworfen, mit systematischen Falschinformationen auf seiner Plattform X dem mutmaßlichen Putschversuch des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro im Januar 2023 den Boden bereitet zu haben. Im Rahmen dieser Ermittlungen hatte Verfassungsrichter Moraes verfügt, dass X mehrere Konten sperren müsse.

Musk reagierte in gewohnter Musk-Manier auf die Vorwürfe: „Warum so viel Zensur in Brasilien?“, polterte er auf X. Er wolle sich nicht an die Verordnungen der brasilianischen Justiz halten und die gesperrten Konten wieder freischalten. „Wir werden wahrscheinlich unsere Niederlassung in Brasilien schließen müssen“, schrieb er. „Aber die Prinzipien sind wichtiger als der Gewinn.“

Bundesfinanzminister Christian Lindner Foto: REUTERS

Ich sehe es als meine Aufgabe an, Sie immer wieder mit unterschiedlichen Perspektiven zu konfrontieren. Deshalb möchte ich Sie auf einen Kommentar meines Berliner Kollegen Julian Olk hinweisen, der sich als Konjunkturberichterstatter hervorragend mit ökonomischen Einschätzungen auskennt.

Er beobachtet, dass es so langsam einsam um den Bundesfinanzminister werde, der als einer der letzten vehementen Verteidiger der Schuldenbremse gilt. Denn unter den meisten Ökonomen herrsche seltene Einigkeit: Es sei nach wie vor gut, dass es die Haushaltsregel gebe. Aber sie könne nicht so bleiben, wie sie ist. Doch auch die einhellige Meinung der Fachleute scheint den Finanzminister wenig zu beeindrucken.

Julian Olk schreibt dazu: „Lindner sollte sich noch mal darüber klar werden, was er eigentlich beruflich macht“

Der FDP-Chef fürchte, die Büchse der Reform-Pandora zu öffnen und sie nicht mehr schließen zu können. Sich aber als Finanzminister und FDP-Chef sinnvolle Reformen nicht zuzutrauen, weil ihm dann die Debatte entgleiten könnte, zeuge nicht gerade von Führungsstärke.

Zum Abschluss noch einen Blick in die Schweiz, wo die Regierung durch den älteren Teil ihrer Bevölkerung unter Druck gesetzt wird. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Schweiz gestern wegen mangelnden Klimaschutzes verurteilt. Geklagt hatte eine Gruppe Seniorinnen, die sich von ihrer Regierung nicht ausreichend vor den Folgen der Klimakrise, wie etwa Hitzewellen, geschützt sah. Das Urteil könnte juristisch wegweisend sein.

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Eine der klagenden Seniorinnen, Elisabeth Stern, begründete das Engagement im hohen Alter von 76 Jahren mit den Worten: „Wir sind nicht nur dazu gemacht, in einem Schaukelstuhl zu sitzen und zu stricken“.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie sich fit genug fühlen, sich für Ihre Rechte einzusetzen.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

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