Morning Briefing: Die originelle Selbsteinschätzung des Bundesnachrichtendienstes

Verhängnis: Getreideabkommen läuft aus / Verbrämung: BND will kein Geheimdienst sein
Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser,
am gestrigen Montagabend um 23 Uhr war es so weit: Das Abkommen mit Russland zur Verschiffung von ukrainischem Getreide übers Schwarze Meer ist offiziell ausgelaufen. Russland hatte die Vereinbarung gekündigt. Zu einer Verlängerung war am späten Abend nichts bekannt.
Laut Kremlsprecher Dmitri Peskow will sein Land erst zur Erfüllung der Vereinbarung zurückkehren, wenn Forderungen für den Export russischen Getreides erfüllt würden. Moskau hatte zuletzt gelockerte Sanktionen für seine Dünge- und Lebensmittelexporte verlangt.
Dank der Vereinbarung, dass die Getreideschiffe in und vor ukrainischen Häfen nicht von Russland angegriffen werden, konnten seit vergangenem Sommer mehr als 1000 Frachtschiffe fast 33 Millionen Tonnen ukrainischen Getreides auf dem Seeweg ins Ausland bringen. Das Auslaufen des Abkommens weckt nun Sorgen vor steigenden Preisen.
Das Auslaufen des Abkommens ist auch für die ukrainischen Landwirte eine Hiobsbotschaft.
Foto: APDer ukrainische Präsident Wolodimir Selenski sagte, er wolle die Transporte auch ohne russische Sicherheitsgarantien für die Schiffe aufrechterhalten: „Wir haben keine Angst.“
Den Import von Kohle, Erdgas und Öl aus Russland hat die Europäische Union (EU) sanktioniert oder heruntergefahren. Doch ausgerechnet die russische Nuklearindustrie ist von Sanktionen weitgehend ausgenommen.
Siemens Energy liefert weiterhin Leittechnik für Atomkraftwerke (AKW) für den russischen Staatskonzern Rosatom. Auch die französische Framatome zählt zu den Lieferanten. Die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert das in einem Report, der dem Handelsblatt vorab vorliegt: „Große europäische Unternehmen haben laufende Verträge im Wert von Hunderten Millionen Euro für den Export ihrer Spitzentechnologie und ihres Fachwissens in russische Kernkraftwerke und in die Nuklearprojekte Rosatoms im Ausland.“
EU-Unternehmen trügen damit indirekt zur Fortführung des Angriffs auf die Ukraine bei. Greenpeace fordert die Sanktionierung solcher Geschäfte. Bestehende Verträge müssten aufgelöst werden, so Greenpeace.
Im Umfeld von Siemens Energy hieß es, der Konzern mache kein Neugeschäft mit Russland. Ansonsten müssten Verträge grundsätzlich eingehalten werden, solange die Politik die Abwicklung zulasse. Das sei ein Signal der Zuverlässigkeit an alle Kunden.
Nun ist Rosatom nicht irgendein Kunde, sondern der staatseigene Atomkonzern des Kremls. Das Unternehmen ist auch für das militärische Nuklearprogramm des Landes verantwortlich.
Kathrin Witsch, die Leiterin unseres Energieteams, kommentiert daher: „Einen laufenden Vertrag zu brechen wäre ein fatales Signal, sagt Siemens Energy. Die Frage ist allerdings auch, welches Signal man sendet, indem man es nicht tut.“
Ihr Fazit: Bei Kohle, Gas und Öl hätten sich Unternehmen nicht freiwillig nach neuen Geschäftspartnern umgeguckt, sondern nur aufgrund von Sanktionen. Die müssten deshalb auch für den Nuklearsektor her.
Nukleargetriebener Eisbrecher von Rosatom: Der Staatskonzern ist nicht nur für die zivile, sondern auch für die militärische Nuklearindustrie Russlands zuständig.
Foto: IMAGO/Sipa USADer Bundesnachrichtendienst (BND) hatte in den vergangenen Monaten mal wieder viel Dresche einstecken müssen. Zuletzt wurde vor allem aus den Reihen von SPD und FDP kritisiert, der BND sei anders als Partnerdienste zu spät über die Revolte der Wagner-Söldner informiert gewesen.
BND-Chef Bruno Kahl hat dazu jetzt eine originelle Selbsteinschätzung geliefert: „Wir sind kein Geheimdienst, sondern ein Nachrichtendienst“, sagte er dem „Tagesspiegel“. „Unsere britischen und französischen Kollegen, erst recht Amerikaner und Israelis, sind auch operativ robustere Dienste. Wir haben keine Lizenz zum Töten. Wir haben die Aufgabe, Informationen zu sammeln.“
Sicher, Herr Kahl. Und als nächstes wollen Sie uns dann allen Ernstes erklären, dass Sie in Wirklichkeit gar keinen Schleudersitz in ihrem Dienstwagen haben.
Wenn Aktien billig sind, dann hat das stets Gründe. Aber als Anlegerin oder Anleger lohnt es sich auch immer, diese Gründe zu hinterfragen. Womöglich wird einem Unternehmen vom Kapitalmarkt tatsächlich zu wenig zugetraut. Eine wichtige Kennzahl ist dabei das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Es drückt aus, wie hoch ein Konzern gemessen am Eigenkapital bewertet ist. Der Buchwert errechnet sich aus allen Vermögenswerten einer Firma abzüglich ihrer Verbindlichkeiten.
Ein KBV von knapp eins, wie es beispielsweise BASF erreicht, bedeutet, dass alle BASF-Aktien nur so viel kosten, wie der Konzern an Eigenkapital hat. Theoretisch könnte der Konzern also morgen seinen Betrieb einstellen, alle seine Besitztümer verkaufen, seine Schulden begleichen und von dem, was übrig ist, allen Aktionären auch noch den vollen Gegenwert ihrer Aktien auszahlen. Bei der Deutschen Bank liegt der Buchwert sogar mehr als dreimal so hoch wie der Börsenwert.
Handelsblatt-Berechnungen zeigen: Fünf der 40 Dax-Titel notieren zudem mit einem KBV-Abschlag von 50 und mehr Prozent gegenüber ihrem eigenen 20-Jahres-Durchschnitt, wie unsere Grafik zeigt. Was bedeutet, dass sie im Moment wirklich außergewöhnlich billig sind. Handelsblatt-Aktienspezialist Ulf Sommer hat für Sie analysiert, bei welchen dieser Unternehmen billig auch preiswert bedeutet.
Wer George Clooney nahekommen will, muss normalerweise einige Mühen auf sich nehmen. Man kann zum Beispiel auf einem Stand-Up-Paddling-Board vor der Villa des Hollywood-Schauspielers auf dem Comer See herumlungern und hoffen, dass der Hausherr sich auf der Terrasse zeigt.
Wer hingegen dem „George Clooney des Vatikan“ näherkommen will, hat es in Zukunft einfacher. Der vom Papst verbannte Erzbischof Georg Gänswein wird ab Herbst regelmäßig Gottesdienste im Freiburger Münster leiten. Gänswein, der seinen Spitznamen wegen seines soignierten Äußeren bekam, war viele Jahre Privatsekretär des deutschen Papstes Benedikt XVI.
Beim heutigen Papst Franziskus ist Gänswein dagegen in Ungnade gefallen. Seit einigen Tagen wohnt der 66-Jährige wieder in Freiburg, nachdem Franziskus verfügt hatte, Gänswein müsse dorthin ziehen. Ein offizielles Amt bekommt er in Freiburg nicht.
Den Vergleich mit Clooney findet Gänswein übrigens peinlich, wie er jüngst im italienischen Fernsehen bekannte. Er habe erst einmal googlen müssen, wer das überhaupt sei.
Ich wünsche Ihnen einen Tag, an dem Sie den Kopf fürs Wesentliche frei haben.
Herzliche Grüße
Ihr Christian Rickens
Textchef Handelsblatt
PS: Die Ampelkoalition hat sich ein klares Ziel gesetzt: Bis 2030 sollen mindestens 15 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen rollen. Das scheint jedoch kaum noch zu schaffen zu sein. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür und was müsste sich ändern? Würden Sie sich ein E-Auto anschaffen oder haben Sie vielleicht schon eines? Kann Deutschland noch ein Leitmarkt für E-Mobilität werden? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in fünf Sätzen an forum@handelsblatt.com. Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir mit Namensnennung am Donnerstag gedruckt und online.