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Morning BriefingDissens zwischen Peking und Washington: Neuer Streit um Covid-19

Teresa Stiens 02.03.2023 - 06:00 Uhr Artikel anhören

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

ziemlich genau drei Jahre ist es jetzt her, dass ein Virus die Welt veränderte. Rund sieben Millionen Menschen sind weltweit in Zusammenhang mit einer Coronavirusinfektion gestorben, für Milliarden stand das öffentliche Leben über Monate still. Doch die ganz große Frage bleibt bisher ungeklärt: Woher kam Covid-19?

Die abschließende Antwort ist noch nicht gefunden, doch die Debatte über den Ursprung von Sars-CoV-2 heizt den Konflikt der Großmächte USA und China derzeit mächtig an.

FBI-Chef Christopher Wray erklärte kürzlich, seine Behörde gehe davon aus, dass die Pandemie „höchstwahrscheinlich durch einen potenziellen Laborunfall“ ausgelöst worden sei. Und auf dem Capitol Hill in Washington nahm ein Sonderausschuss seine Arbeit auf, der den unmissverständlichen Titel trägt: „Die Bedrohung Amerikas durch die Kommunistische Partei Chinas“.

Peking fühlt sich durch die amerikanischen Schuldzuweisungen wenig geschmeichelt und präsentierte prompt seine eigene, durch und durch absurd anmutende Labortheorie. Sars-CoV-2 stamme demnach aus einer Militärbasis in den USA und sei von amerikanischen Soldaten ins chinesische Wuhan eingeschleppt worden. Schuld am Schlamassel wären dieser Argumentation zufolge dann auch die USA.

Der eskalierende Kampf um die Covid-Deutungshoheit lässt für das Verhältnis der Supermächte nichts Gutes erahnen. Es ist zu befürchten, dass ein militärischer Konflikt zwischen China und den USA ebenso weitreichende Folgen für die Weltbevölkerung hätte wie einst das Coronavirus.

Foto: AP

Wem ist es nicht schon passiert: samstagabends gemütlich auf dem Sofa, draußen drei Grad und Regen, im Fernsehen läuft die Sportschau. Plötzlich ist die Chipstüte leer. Aber der Schreck ist nur von kurzer Dauer, denn für diese Fälle gibt es mittlerweile Fahrradkurierdienste, die innerhalb von Minuten Lebensmittel direkt nach Hause liefern.

Doch wenn derjenige, der samstagabends durch den Regen radelt und „Couchpotatoes“ mit Chipstüten versorgt, plötzlich betrieblich mitbestimmen will, gibt es oft Probleme. Viele der einst coolen, netten Start-ups zeigen sich dann plötzlich gar nicht mehr so cool und nett. Raul etwa, der für den Lieferdienst Flink Fahrrad fuhr und mit anderen Mitstreitern einen Betriebsrat aufbauen wollte, wurde entlassen. Solche Auseinandersetzungen zwischen Start-ups und Mitarbeitern, die Mitbestimmung einfordern, häufen sich.

Das Problem wird mit der aktuellen Wirtschaftsschwäche immer brisanter. Denn wenn Start-ups reihenweise ihre Mitarbeiter entlassen, können nur deren Interessenvertreter einen Sozialplan aushandeln – der auch einen Anspruch auf Abfindungen mit sich bringen kann. Gibt es keine Interessenvertreter, gibt es auch keine Abfindung.

Gute Nachrichten gibt es heute Morgen für München: Apple hat bekanntgegeben, in den nächsten sechs Jahren zusätzlich eine Milliarde Euro in den Ausbau seines Europäischen Zentrums für Chip-Design in der bayerischen Landeshauptstadt zu investieren. München entwickelt sich damit weiter zur Apple-Hochburg Europas. Bereits jetzt ist die Stadt der größte europäische Entwicklungsstandort des amerikanischen Technologiegiganten.

Die zusätzliche Investition soll Apple auch dabei helfen, einen Rückstand aufzuholen. Denn bei Handychips für die neue Mobilfunkgeneration 5G ist der US-Konzern bisher abhängig von Qualcomm, dem weltweit führenden Anbieter. Eine gefährliche Dependenz, die sich Apple nicht länger leisten will. Die Hoffnung auf Besserung wächst gerade im Herzen der bayerischen Metropole.

Menschen, die in München Wohnraum suchen, dürfte Apples Ankündigung den kalten Angstschweiß auf die Stirn treiben. Noch mehr Menschen mit guten Gehältern auf dem Wohnungsmarkt können die Mietpreise in Deutschlands teuerster Stadt eher nicht gebrauchen. Doch auch anderswo steigen die Mieten kontinuierlich weiter an.

Der Vorstandschef der Immobilienplattform Hypoport, Ronald Slabke, sieht in der Entwicklung der Mietpreise politischen „Sprengstoff“ und fordert im Handelsblatt-Interview „mehr Flexibilität und Schnelligkeit“ für den Wohnungsmarkt.

Die sollten durch weniger Regulierung für den Wohnungsbau und den Mietmarkt erreicht werden, meint Slabke. Dazu zählt er auch, den Mieterschutz schrittweise zu reduzieren. Seine Hoffnung: „Wenn wir da mehr Freiheit schaffen, würden die Mieten in Neubauten günstiger werden und die Bestandsmieten sich mehr den Marktpreisen anpassen“.

Slabke selbst muss sich über Mietpreise mittlerweile keine Sorgen mehr machen, er wohnt in einer Eigentumswohnung, wie er im Interview verrät. Seine erste eigene Wohnung hat er bei seinem Auszug verkauft, statt sie zu vermieten. Denn lukrativ ist das eigene Vermieten für Privatpersonen laut Slabke mittlerweile nicht mehr.

Das Thema Mietpreise dürfte auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey umtreiben. Ihre Stadt hat sich im September 2021 mehrheitlich dafür entschieden, große Wohnungskonzerne enteignen zu wollen. Doch dass dieser Volksentscheid noch umgesetzt wird, scheint immer fraglicher.

Am späten Mittwochabend wurde bekannt, was sich schon angedeutet hatte: Die Sozialdemokraten kehren Grünen und Linken den Rücken zu und wollen in Zukunft unter Führung der Konservativen in der Hauptstadt mitregieren. Enteignungen großer Wohnungskonzerne werden mit der CDU wohl kaum zu machen sein.

Aus den Reihen der Jungsozialisten kommt harsche Kritik an der Entscheidung. Andererseits hätte die SPD wohl für eine Fortführung der Koalition mit Grünen und Linken viel Kritik einstecken müssen. Giffey, die wohl einen Posten als Senatorin in Berlin bekommt, wird sich an Johann Ferdinand Rüthling erinnern, der dichtete: „Wie’s richtig is, ick weeß es nich un’s is mich ooch Pomade.“

Ich wünsche Ihnen einen Tag voller richtiger Entscheidungen.

Es grüßt Sie herzlich

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Ihre

Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

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