1. Startseite
  2. Meinung
  3. Morning Briefing
  4. Morning Briefing von Teresa Stiens

Morning BriefingKommt die Wende der Zinswende?

Teresa Stiens 01.11.2023 - 06:32 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt Morning Briefing

Kommt die Wende der Zinswende? Zurück in die Zukunft? Wie Reedereien Segelschiffe neu entdecken

01.11.2023
Abspielen 07:29

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

auch gestern Abend blickte die Welt wieder auf den Gazastreifen, wo der von der Hamas begonnene Krieg erneut viele Menschenleben forderte. Nach palästinensischen Angaben sind bei einem israelischen Luftangriff mindestens 50 Menschen in einem dicht besiedelten Flüchtlingslager gestorben.

Auf Video-Aufnahmen sind schwere Zerstörung, tiefe Bombenkrater und ausgebrannte mehrstöckige Gebäude zu sehen. Menschen graben mit bloßen Händen in Trümmerhaufen auf der Suche nach Angehörigen. Der Sprecher des israelischen Militärs, Richard Hecht, bestätigte im Sender CNN den Luftangriff auf das Flüchtlingslager. Hecht sagte, ein sehr hochrangiger Hamas-Kommandant habe sich in dem Gebiet aufgehalten. „Wir gehen der Sache nach und werden weitere Informationen vorlegen, sobald wir wissen, was dort passiert ist“, so Hecht.

Aus der Welt der Geldwertstabilität kamen am Dienstag überraschend gute Nachrichten: Die Verbraucherpreise im Euroraum steigen nicht mehr so stark wie zuvor. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Teuerungsrate im Oktober um voraussichtlich 2,9 Prozent. Experten hatten im Vorfeld mit 3,1 Prozent gerechnet. Im September hatte die Inflationsrate in der Euro-Zone noch 4,3 Prozent betragen.

Grund für leichtes Aufatmen also bei der obersten Währungshüterin Christine Lagarde und allen, die unter der hohen Inflation gelitten haben. Es geistert bereits die leise Hoffnung durch die Märkte, dass die Europäische Zentralbank (EZB) über Zinssenkungen nachdenken könnte.

Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras: „Wir befinden uns jetzt tief im restriktiven Bereich, egal, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet.“

Foto: Reuters

Die könnte schon zur Jahresmitte 2024 kommen, hofft Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck. „Weitere Leitzinsanhebungen werden immer unwahrscheinlicher“, schätzt er. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Inflationsrate liegt immer noch deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB, bei dem Notenbanker Preisstabilität sehen.

Einer, der mitentscheidet, ob die Hoffnungen der Anleger auf einen niedrigeren Leitzins erfüllt werden, ist Yannis Stournaras. Er ist Griechenlands Notenbankchef und somit Mitglied im EZB-Rat – dem Entscheidungsorgan der Zentralbank. Im Handelsblatt-Interview bestätigt auch Stournaras, dass eine Zinssenkung im kommenden Jahr durchaus realistisch sei – zumindest wenn die Inflation „dauerhaft und nachhaltig“ die Schwelle von drei Prozent unterschreite.

Obwohl die Notenbanker in erster Linie dafür zuständig sind, den Wert des Geldes stabil zu halten, sorgen sie sich bei ihren Entscheidungen auch um die Konjunktur. Und dort sind die Aussichten momentan trüb. Ein weiterer Grund für die EZB, wieder auf eine etwas lockerere Geldpolitik umzusteigen. Eine große Quelle der Unsicherheit für die Beurteilung der konjunkturellen Lage ist für den EZB-Rat der Nahostkonflikt. Stournaras warnt: „Dieser Konflikt hat bereits dramatische Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Menschen. Er kann die gleichen Auswirkungen auch auf die Wirtschaft haben.“

Nordkorea ist wohl so etwas wie die letzte internationale Blackbox. Viele Realitäten und Abläufe in der asiatischen Diktatur sind dem Rest der Welt vollkommen unbekannt. Doch aus dieser Blackbox heraus kommen immer mehr bedrohliche Signale. Nicht nur in Form von Raketentests, sondern auch in Form massiver Cyberattacken.

Der Sicherheitsexperte Michael Barnhart von der Cybersecurity-Firma Mandiant warnt vor dem kriminellen Potenzial der Diktatur: „Niemand spricht offen darüber, aber Nordkorea entwickelt sich in diesem Bereich zur größten Bedrohung.“ Dabei geht es vor allem um Geld: Aus keinem anderen Land werden mehr Hackerangriffe auf die Welt der Kryptowährungen verzeichnet.

Was passiert mit den erbeuteten Millionen? Die US-Regierung wirft Nordkorea vor, mit der Beute das Luxusleben von Führer Kim Jong Un zu finanzieren – und Atomwaffen zu entwickeln. Die kriminelle Crowdfunding-Armee für den Diktatur ist das Ergebnis harter Auslese der besten Informatiker. Paradox in einem Land, in dem die Felder noch mit Ochsen bestellt werden. Doch auch das zählt zu der Logik einer Diktatur: Wenn der Diktator etwas will, bekommt er es auch.

Auf dem 300-Meter-Frachter „Berge Olympus“ sollen vier Segel für einen effizienteren Antrieb sorgen.

Copyright: Bergebulk

Foto: Handelsblatt

Die Transportschifffahrt ist gerade einer ganz großen Innovation auf der Spur. Die Idee lautet, den auf See herrschenden Wind mithilfe großflächiger Aufbauten zu nutzen, um sich von A nach B treiben zu lassen. Kommt Ihnen bekannt vor? Tatsächlich sind große Reedereien gerade dabei, Segelschiffe neu zu entdecken. „Die Nutzung von Wind ist aktuell der größte Hebel, den es gibt, um die Seefahrt klimaneutraler zu machen“, erklärt Thomas Koniordos, Leiter der Konstruktionsfirma Yara Marine Technologies, dem Handelsblatt.

Was trivial klingt, ist für Containerschiffe eine große Herausforderung. Denn Tücher und Leinen sind für Tanker unbrauchbar. Die „Berge Olympus“, ein Frachter der norwegischen Reederei Bergebulk, fährt stattdessen mit 37,5 Meter hohen und 20 Meter breiten „Wind-Wings“ aus Verbundstoffen, die von Motoren betrieben werden. Die Segel sollen bis zu sechs Tonnen Diesel pro Tag einsparen. Ein kleiner, aber wichtiger Schritt hin zu einem ambitionierten Ziel. Denn aktuell trägt die internationale Seefahrt 2,6 Prozent zu den weltweiten Klimagasemissionen bei. Bis 2050 soll ihr Ausstoß nach dem Willen der International Maritime Organization (IMO) dagegen nahe null liegen.

Fifa-Präsident Gianni Infantino verkündete, dass die WM 2034 in Saudi-Arabien stattfinden soll.

Foto: dpa

Zum Abschluss noch einen Blick in die tiefen Abgründe des professionellen Männerfußballs: Fifa-Präsident Gianni Infantino teilte gestern Abend auf Instagram mit, dass die Weltmeisterschaft 2034 in Saudi-Arabien stattfinden wird. Einen Gegenkandidaten hatte es nicht gegeben. Die Fifa hatte zuvor Regularien geschaffen, die nur Bewerbungen aus Asien und Ozeanien erlaubten. Man munkelt, dies sei geschehen, um die Chancen für Saudi-Arabien zu erhöhen.

Wieso die Fifa-Bosse ein solches Faible für Wüsten-WMs entwickelt haben, ist nicht bekannt. An Kungelei oder monetären Anreizen wird es sicherlich nicht liegen, schließlich gibt es nicht umsonst das Sprichwort „unbestechlich wie die Fifa“.
Wahrscheinlich gefällt ihnen Sand einfach besser als Gras. Beach-Soccer, zu Deutsch Strandfußball, soll momentan ja schwer im Kommen sein.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag ohne Sand im Getriebe.

Verwandte Themen
EZB
Fifa
Nordkorea
Saudi-Arabien

Herzliche Grüße
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt