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Morning Briefing Plus – Die WocheApples unerwarteter Ausstieg

Der Konzern stellt die Arbeit am eigenen Autoprojekt ein. Doch auf dem Markt für autonomes Fahren sind jetzt zwei deutsche Hersteller führend.Sebastian Matthes 02.03.2024 - 08:48 Uhr
Foto: Handelsblatt

Liebe Leserinnen und Leser

willkommen zurück zu unserem Blick auf die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Woche, in der Apple die weltweite Technologiewelt erschütterte: Am Mittwoch berichteten meine Kollegen Stephan Scheuer und Felix Holtermann aus dem Silicon Valley, dass der Konzern die Arbeit an seinem Autoprojekt einstellt, an dem der Konzern seit mehr als zehn Jahren gearbeitet hatte. Das war auch deshalb so überraschend, weil der Konzern die Tests mit dem Apple Car im vergangenen Jahr noch massiv ausgeweitet hatte.

Felix Holtermann und Stephan Scheuer Foto: Handelsblatt

Ein bis Düsseldorf hörbares Aufatmen ging durch die deutsche Autoindustrie.

Ich gebe zu: Mich hat das Projekt seit Jahren fasziniert, vielleicht würde ich mit Apples Hilfe dann endlich verstehen, wie das Mysterium Bordcomputer funktioniert, dachte ich. Bei meinem Audi jedenfalls fühle ich mich regelmäßig wie ein Archäologe, der die Geheimschrift einer längst vergessenen Zivilisation entziffern muss. Und das autonome Fahren würde dann vielleicht auch endlich klappen.

Bevor sich der ein oder andere Technik-Skeptiker nun aber selbstzufrieden zurücklehnt, weil sich vermeintlich wieder gezeigt hat, dass das autonome Fahren mindestens so weit weg scheint, wie Massentourismus auf den Mars, lohnt sich aber ein genauerer Blick auf die Lage.

Während die Welt lange auf Apples Experimente, die fancy Videos von Autotests der Google-Tochter Waymo oder die Innovationen chinesischer Hersteller schaute, sind die deutschen Hersteller Mercedes und BMW auf einmal im Markt führend beim autonomen Fahren: Ihre Kunden können sich bereits bis Tempo 60 auf der Autobahn von ihren Fahrzeugen fahren lassen, und geht etwas schief, übernehmen die Hersteller (anders als Tesla zum Beispiel) die Verantwortung. Bald dürfte die Geschwindigkeit ihrer Fahrzeuge auf 80 steigen, in den Jahren darauf dann durchaus auf 120 Kilometer pro Stunde. Autofahren wäre dann etwa so bequem wie Bahnfahren, nur eben ohne Lokführerstreik.

Testwagen im Silicon Valley Foto: Andrej Sokolow/dpa

Natürlich hat die deutsche Autoindustrie einiges verschlafen, und bis sie das Thema E-Mobilität ernst nahm, hätte der Berliner Flughafen dreimal gebaut werden können. Aber dieses Beispiel zeigt eben auch, dass trotzdem mit ihnen zu rechnen ist. Im Gegensatz übrigens zum BER. 

Sicher, das ist nur ein Zwischenschritt. Auch ein Mercedes liefert mich noch nicht in der Redaktion ab und geht dann selbstständig einkaufen. Aber es ist eben auch mehr als Science-Fiction …  

Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

1. Das Zerwürfnis zwischen Emmanuel Macron und Olaf Scholz belastet mittlerweile ganz Europa: Frankreichs Präsident will den Einsatz von Bodentruppen in der Ukraine nicht ausschließen. Der Bundeskanzler aber stellt sich in aller Deutlichkeit dagegen. Und das ist nicht der einzige Ärger für Scholz: Die Briten haben dem Kanzler diese Woche sogar Geheimnisverrat vorgeworfen, wie unser London-Korrespondent Torsten Riecke berichtet. Die Details dazu finden Sie hier. All das hilft Wladimir Putin – und schadet der Ukraine.

2. Es ist die am besten prognostizierte Krise unserer Zeit und doch trifft sie die Wirtschaft irgendwie unvorbereitet: Handelsblatt-Recherchen zeigen, dass in den nächsten zehn Jahren rund 20 Prozent der Belegschaften von Dax- und großen Familienunternehmen in Rente gehen. Gleichzeitig tun sie sich heute schon schwer, freie Stellen zu besetzen. Die deutsche Wirtschaft steuert in die Rentenfalle, analysieren Anja Müller und Michael Scheppe in einem höchst lesenswerten Report. Aber sie beschreiben nicht nur das Problem mit vielen neuen Zahlen – sondern befassen sich auch mit den Lösungen.

3. Meine Brüsseler Kollegen haben diese Woche ein interessantes Papier in die Finger bekommen, wonach die EU-Kommission plant, Europas Verteidigungsindustrie durch eine „Buy European“-Klausel zu stärken. Nächste Woche soll der Verteidigungsplan dann offiziell vorgestellt werden. Doch bei der Nato sorgt das jetzt schon für Diskussionen. Eine Abgrenzung von den USA sei falsch, heißt es dort.

4. In Sachen Verteidigungsfähigkeit Europas hat mein Kollege Roman Tyborski gestern noch eine interessante Zahl recherchiert: Rheinmetall könnte in diesem Jahr mit bis zu 450.000 Artilleriegranaten mehr Munition herstellen als die gesamte US-Industrie

5. Wir haben diese Woche auch nach Ingolstadt geschaut, denn bei Audi herrscht neue Unruhe. Eigentlich sollte der neue Chef Gernot Döllner bei der VW-Tochter ja für Ruhe sorgen. Doch sein ruppiger Führungsstil und der Kontakt zu umstrittenen Beratern wie Ex-Konzernchef Martin Winterkorn führen zu Konflikten, erfahren meine Kollegen von Konzerninsidern. Durch zwei Personalien spitzt sich die Kritik an Döllner noch zu. 

Audi-Chef Gernot Döllner sorgt für Unruhe im Unternehmen. Foto: dpa

6. Vor ein paar Monaten habe ich auf einer Veranstaltung eine Unternehmerin kennengelernt, deren Geschichte mich sofort beeindruckt hat: Mit 14 Jahren begann sie (neben der Schule) ihr BWL-Studium. Mit 18 Jahren gründete sie ihr zweites Unternehmen – das sie gerade verkauft hat, um nun ihr drittes Unternehmen aufzubauen. Nun war Mona Ghazi bei mir im Podcast. Sie erzählte, wann sie gemerkt hat, dass sie vielleicht etwas anders ist als ihre Klassenkameraden, warum sie schon immer Unternehmerin sein wollte und warum sich immer mehr Topführungskräfte aus der Wirtschaft mit Mediation und Hypnose beschäftigen.

Mona Ghazi zu Gast bei Handelsblatt Disrupt Foto: Handelsblatt

7. Ich fahre fast jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Und ich nutze diese Zeit durchaus auch für erste Telefonate oder kurze Nachrichten an Kollegen. Dabei kommt es allerdings durchaus mal zu haarsträubenden Missverständnissen, weil ich dafür Apples Sprachsteuerung nutze. Das soll nun alles besser werden, las ich diese Woche: Unternehmen wie die Deutsche Telekom arbeiten an neuartigen KI-Smartphones, die zu einer Art vermenschlichten Schnittstelle zum Internet werden sollen. Sie sollen nicht nur besser kommunizieren, Notizen zusammenfassen und recherchieren können, sondern auch Reisen planen und Formulare ausfüllen können. Klingt für mich fast zu gut, um wahr zu sein. Mich würde es schon freuen, wenn mein iPhone mich endlich verstehen würde. Bei der Telekom spricht man schon von einer neuen „neuen Ära des Smartphones". 

Das Smartphone soll eines Tages ohne Apps auskommen – die Aufgaben übernimmt ein digitaler Assistent. Foto: Bloomberg

8. Es ist fast surreal: Während die Wirtschaft um die null Prozent Wachstum dahindümpelt, schwingt sich der Dax jeden Tag auf ein neues Rekordhoch. Da stellen sich zwei Fragen: Was ist hier überhaupt los? Und: Ist es für den Einstieg wieder einmal zu spät? Mit beiden Fragen beschäftigt sich unser großer Report zum Wochenende. Und mein Kollege Ulf Sommer hat eine ganze Reihe durchaus attraktiv bewerteter Titel identifiziert. 

Foto: Thomas Kuhlenbeck

9. Wenn ich Coach wäre, dann hätte ich nach diesem Text von Christian Wermke zumindest ein mulmiges Gefühl. Denn er hat sich mithilfe von KI einen digitalen High-Performance-Coach geprompted, der ihm seit Dezember hilft, im Alltag erfolgreicher zu sein. Nun mögen Sie vielleicht denken: Was kann da schon kommen? Ich verspreche Ihnen: In diesem Text lernen Sie mehr als in vielen Ratgeber-Büchern. So ging es meinem Kollegen auch – bis es ihm am Ende zu viel wurde, weil sich der Bot in sein Liebesleben einmischte. Aber lesen Sie selbst.

Blick in die Vergangenheit: Zettelwirtschaft. Foto: midjourney/michel becker
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Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende.

Herzlichst, 

Ihr Sebastian Matthes

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