Morning Briefing: Ukraine attackiert den russischen Mythos der Unbesiegbarkeit
Polen: Präsidentschaftswahl auf der Kippe / Russland: Ukraine mit erstaunlichem Erfolg
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
in Polen stand gestern mehr zur Wahl als nur die Präsidentschaft. „Nach vorne oder zurück“, titelte das Magazin „Polityka“ und meinte damit nicht nur die Zukunft in Deutschlands Nachbarland, sondern auch die Wiederannäherung an Berlin und Brüssel.
Das pro-europäische Bündnis von Donald Tusk hatte im Herbst 2023 zwar die Parlamentswahlen gewonnen, doch der mächtige Präsidentschaftsposten war in der Hand der rechtsnationalen PiS geblieben. Am Sonntag stand dieser Posten zur Wahl und Polen scheint tief gespalten.
Offiziellen Ergebnissen zufolge hat der rechtsnationale Kandidat Karol Nawrocki die Stichwahl knapp gewonnen. Der EU-kritische Nawrocki kam bei der Wahl auf 50,89 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission am Montag mitteilte. Auf den proeuropäischen Regierungskandidaten, den liberalen Warschauer Bürgermeister Rafal Trzaskowski, entfielen demnach 49,11 Prozent. Die Wahl gilt als richtungsweisend für Polen.
Am Sonntagabend hatten sich noch beide Parteien zum Wahlsieger erklärt. PiS-Parteichef Jarosław Kaczynski behauptete:
Zumindest der Nebensatz ist allerdings nicht die ganze Wahrheit.
Ukraine trifft Russlands Mythos
Kurz vor den heutigen Verhandlungen zwischen einer ukrainischen und einer russischen Delegation in Istanbul hat der ukrainische Geheimdienst SBU gestern mehrere russische Militärflughäfen attackiert. Nach ukrainischen Angaben wurden dabei 41 russische Kampf- und Aufklärungsflugzeuge zerstört – teils Tausende Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt im russischen Landesinnern.
Nico Lange, Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz, analysierte auf der Kurznachrichtenplattform X: Die Ukraine greife „erfolgreich den Mythos an, Russland sei unbesiegbar“. Das Manöver des ukrainischen Geheimdienstes könnte also taktisch clever gewählt sein, denn mit einer als unbesiegbar geltenden Kriegspartei, lässt sich nur schwer erfolgreich verhandeln.
Auch militärisch bewerten Experten den Drohnenangriff als erstaunlichen Erfolg, der vor allem die russische Fähigkeit für Langstreckenschläge massiv getroffen habe. Noch ist unklar, ob der Angriff die Planung der heute beginnenden Verhandlungen beeinflussen wird. Der Kreml hat sich dazu bisher nicht öffentlich geäußert.
Wie Deutschland Kapital anlocken muss
Großes Geld ist scheu und lässt sich schnell verschrecken. Am meisten fürchtet es unklare politische Rahmenbedingungen, weshalb sich viele internationale Geldgeber gerade nach neuen sicheren Häfen für ihre Anlagen umsehen. Der Vorstandschef der Förderbank KfW, Stefan Wintels, erklärt im Handelsblatt-Interview:
Laut Wintels würden sie ihr Kapital gerne stärker in Europa und insbesondere in Deutschland anlegen. Hierzulande wäre das große Geld gern gesehen, weil dringend benötigt. Denn gemessen am Bruttoinlandsprodukt gebe es im deutschen Markt für Wachstums- und Innovationskapital im Vergleich zu den USA laut dem KfW-Vorstand eine Lücke von rund 30 Milliarden Euro pro Jahr.
„Aktuell benötigen wir Kapital aus Asien, dem Nahen Osten, Großbritannien, den USA und Kanada“, sagt Wintels. Doch um Deutschland als Investitionsziel für das scheue Geld attraktiv zu machen, braucht es die richtigen Rahmenbedingungen. Als Bänker fällt Wintels da etwa die Deregulierung der europäischen Finanzbranche ein.
Klingbeil plant Entlastungen für Unternehmen
Auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat Ideen, wie sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland verbessern lassen. Der Sozialdemokrat will umfassende Steuersenkungen für Unternehmen auf den Weg bringen – das hat mein Berliner Kollege Jan Hildebrandt erfahren. Die Entlastungen sollen über die Jahre anwachsen und bis 2029 rund elf Milliarden Euro betragen. Darin enthalten sind unter anderem:
- Ein „Investitionsbooster“ mit steuerlichen Abschreibungen von 30 Prozent für Investitionen in bewegliche Wirtschaftsgüter.
- Eine Senkung der Körperschaftsteuersatz ab 2028 in fünf Schritten von 15 auf zehn Prozent.
- Eine Senkung der Körperschaftsteuersatz ab 2028 in fünf Schritten von 15 auf zehn Prozent.
Der Gesetzentwurf soll dem Kabinett schon am kommenden Mittwoch vorgelegt werden. Doch da Steuerentlastungen zwar mehr Geld für Unternehmen, aber weniger für öffentliche Kassen bedeuten, müsste auch der Bundesrat Klingbeils Vorstoß noch zustimmen.
Die Low-Performer im Index der High-Performer
Der deutsche Aktienindex ist seit Januar von einem Gipfel zum nächsten geklettert und ist dabei insgesamt um rund 20 Prozent aufgestiegen. Doch bei einigen der Aktien geht es schon seit längerem eher bergab. Meine Kollegin Andrea Cünnen aus dem Finanzressort hat sich für Sie angeschaut, welche die schlechtesten Werte im Dax sind und hat drei besonders miserable ausgesucht, um sie genauer vorzustellen.
Da ist zum einen Porsche, das erst Ende September 2022 an die Börse zurückgekehrt ist und mittlerweile eher für Enttäuschungen steht. Allein in diesem Jahr hat die Aktie 27 Prozent verloren und ist damit der schlechteste Wert im Dax. Oliver Blume, der Porsche und Volkswagen in Personalunion führt, wurde auf der Hauptversammlung bereits nahegelegt, sich aus dem Porsche-Cockpit zurückzuziehen.
Die Probleme bei Porsche sind aber nicht nur hausgemacht. Der Autobauer leidet auch unter den Zöllen und dem besonders starken Euro. Jetzt fragen sich Anlegerinnen und Anleger natürlich, ob eine Porsche-Aktie auf Talfahrt der richtige Moment ist, um einzusteigen. Doch Analysten sind skeptisch und empfehlen stattdessen einen anderen Low-Performer als Geheimtipp. Welcher das ist, verrät Ihnen meine Kollegin in ihrer Analyse.
Der Weltraum scheint zu stinken
Zum Abschluss werfen wir noch einen kurzen Blick ins All. Falls Sie vorhatten, sich in den kommenden Jahrzehnten einer der bemannten Missionen zu fremden Planeten anzuschließen, möchte ich Sie vorwarnen: Es könnte dort sehr übel riechen. Die Universität Westminster in London erforscht die Gerüche von Planeten. Beim Jupiter warnen die Forscher vor einer „giftigen Marzipanwolke“. Auf anderen Planeten riecht es wohl nach verfaulten Eiern, Katzenurin und Mineralöl.
Ich denke mir, um all das zu erleben, muss ich nicht ins Weltall fliegen. Für den Geruch nach Urin, verfaulten Eiern und Mineralöl genügt auch ein Besuch bei den meisten irdischen Autobahnraststätten.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag ohne weite Wege.
Es grüßte Sie herzlich Ihre
Teresa Stiens