Morning Briefing: Verkaufsgespräche: Springer angeblich interessiert an Telegraph-Gruppe

Verkaufsgespräche: Springer angeblich interessiert an Telegraph-Gruppe
Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser,
„Bieterschlacht um britische Zeitungsgruppe“ – das klingt wie eine Meldung aus jener Ära, in der ein Zeitungsverleger noch als weltenbedrohender Gegenspieler von James Bond taugte („Der Morgen stirbt nie“, 1997). Heute, ein Vierteljahrhundert später, gelten traditionsreiche Zeitungshäuser als „Legacy Media“. Das heißt so viel wie: Bitte das Unternehmen regelmäßig umdrehen, damit es sich nicht wundliegt.
Umso bemerkenswerter, dass der Axel-Springer-Verlag angeblich Interesse am Kauf der Londoner Telegraph Media Group angemeldet hat. Das berichten mehrere britische Medien. Zur Telegraph-Gruppe gehört neben der Tageszeitung „The Daily Telegraph“ auch das konservative Politmagazin „The Spectator“.
Die Titel stehen zum Verkauf, nachdem die bisherige Eigentümerfamilie wegen eines nicht zurückgezahlten Kredits die Kontrolle an die britische Lloyds Bank abgeben musste. Die Auktion für die Telegraph-Gruppe soll in den kommenden Wochen beginnen. Analysten rechnen mit einem Kaufpreis von bis zu 600 Millionen Pfund.
Ebenfalls Interesse zeigt unter anderem Rupert Murdochs News Corp., zu der bereits die britischen Zeitungen „The Sun“ und „The Times“ gehören. Und auch die bisherige Eigentümerfamilie bemüht sich, mithilfe von Finanzinvestoren aus dem Mittleren Osten die Zeitungsgruppe zurückzukaufen.
Das ist vielleicht nicht mehr genug Stoff für einen James-Bond-Film, aber für eine Staffel Neflix-Drama könnte es allemal reichen.
Zusatzstoffe, Lacke, Wintershall: BASF-Chef Brudermüller stellt mehrere Geschäftsfelder zum Verkauf.
Foto: BASF (3)Sieben Monate vor seinem Ausscheiden als BASF-Chef arbeitet Martin Brudermüller an seinem Vermächtnis. Der seit 2018 amtierende Vorstandschef treibt zum einen die Trennung von Konzernteilen voran, wie es in Unternehmens- und Finanzkreisen heißt. Auf der potenziellen Verkaufsliste stünden demnach vier Geschäftsfelder mit einem Gesamtumsatz von bis zu zehn Milliarden Euro: die Geschäfte mit Abgas-Katalysatoren, Lacken und Beschichtungen sowie mit Nahrungszusätzen. Und schließlich die Öl- und Gastochter Wintershall.
Zum anderen mischt Brudermüller bei seiner Nachfolge mit. Über die Neubesetzung an der Vorstandsspitze will der Aufsichtsrat des weltgrößten Chemiekonzerns bis Dezember entscheiden, erfuhr das Handelsblatt aus dem Unternehmensumfeld. Die zwei meistgehandelten Namen:
- Asien-Vorstand Markus Kamieth, 53
- Technologie-Vorständin Melanie Maas-Brunner, 55
Der Shutdown der US-Regierung wurde in der Nacht auf Sonntag vermieden, doch was bedeutet die Einigung für die Ukraine?
Foto: ReutersWie geht es nach dem Kompromiss im US-Haushaltsstreit weiter mit der amerikanischen Militärhilfe für die Ukraine? Präsident Joe Biden hat Kiew gestern die weitere Unterstützung der USA zugesichert. Im Moment würden die Gelder für das von Russland angegriffene Land weiter fließen, aber: „Wir können unter keinen Umständen zulassen, dass die amerikanische Hilfe für die Ukraine unterbrochen wird.“
Genau das droht nun. Denn am Samstag hat der Kongress einen Übergangshaushalt bis zum 17. November beschlossen, um einen Regierungsstillstand abzuwenden. Wäre das nicht bis Mitternacht gelungen, wären Regierungsangestellte in den Zwangsurlaub geschickt oder nicht mehr bezahlt worden. Doch die Einigung in letzter Minute ging mit einem politischen Zugeständnis einher: Neue Hilfen für die Ukraine sind im Übergangshaushalt nicht vorgesehen. Sie flogen auf Druck einiger Republikaner aus dem Haushaltsplan und sollen zu einem späteren Zeitpunkt besprochen werden.
Die finanzielle Unterstützung der USA, die für die Verteidigung der Ukraine elementar ist, hängt damit in der Schwebe. Yale-Professor Jerry Sonnenfeld sagte im Sender CNN, das Votum im US-Kongress sei „Ein Sieg für Wladimir Putin“.
Senator Jim Risch, der ranghöchste Republikaner im Ausschuss für auswärtige Beziehungen, sagte, er sei zuversichtlich, dass die Finanzierung der Ukraine beibehalten werde. Die Ukraine-Hilfen würden „später in diesem Jahr“ beschlossen, versprach auch der republikanische Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell.
Dem umstrittenen Ex-Regierungschef Robert Fico ist das Comeback gelungen.
Foto: ReutersUnd auch das ist eine gute Neuigkeit für Wladimir Putin: Der ehemalige Ministerpräsident Robert Fico und seine linkspopulistische Partei Smer haben die vorgezogene Parlamentswahl in der Slowakei gewonnen. Smer wurde mit 22,9 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Das entspricht 42 der 150 Sitze im Parlament.
Fico, der sich im Wahlkampf dafür eingesetzt hatte, Waffenlieferungen an die Ukraine zu beenden, ist damit auf Koalitionspartner angewiesen. Staatspräsidentin Zuzana Caputova kündigte an, ihm am Montag den Auftrag zur Regierungsbildung zu erteilen.
Die liberale prowestliche Partei Progressive Slowakei kam bei der Wahl am Samstag auf den zweiten Platz, mit 18 Prozent und 32 Mandaten. Parteichef Michal Simecka sagte, seine Partei akzeptiere das Wahlergebnis: „Aber es sind schlechte Nachrichten für die Slowakei. Und sie wäre noch schlimmer, wenn es Robert Fico gelingt, eine Regierung zu bilden.“
Mögliche Partner für eine solche Koalition sind die Partei Hlas unter Ficos früherem Stellvertreter Peter Pellegrini und die ultranationalistische und prorussische Slowakische Nationalpartei. Sollten sich die drei Parteien zusammenschließen, hätten sie eine absolute Mehrheit im Parlament.
Die Top-Personalie des Wochenendes dürfte alle Frühpensionäre freuen, die bei der Gartenarbeit insgeheim davon träumen, dass der frühere Chef anruft und sagt: „Müller, bitte kommen Sie zurück. Es geht einfach nicht ohne Sie!“
Dass so etwas kein Traum bleiben muss, bewies gestern der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng, der überraschend am Training von Bayern München teilnahm und dies laut Verein auch in den kommenden Tagen tun soll. Eigentlich eine naheliegende Lösung – den Bayern fehlt ein Innenverteidiger, Ex-Bayern-Spieler Boateng befindet sich nach Vertragsende bei Olympique Lyon im unfreiwilligen Fußball-Vorruhestand. Ob er mit 35 Jahren allerdings fit genug ist, um für seinen früheren deutschen Arbeitgeber noch einmal aufzulaufen, muss sich zeigen.
Aber diese Einschränkung trifft ja auf die meisten reaktivierten Frühpensionäre zu.
Ich wünsche Ihnen einen Tag, an dem der entscheidende Anruf nicht auf sich warten lässt.
Herzliche Grüße
Ihr Christian Rickens
Textchef Handelsblatt
PS: Am Dienstag beginnt der Prozess gegen den Gründer der Kryptobörse FTX, Bankman-Fried. Er soll Geld von über acht Millionen Kundinnen und Kunden veruntreut haben. Wir möchten von Ihnen wissen: Wie gehen Sie mit Kryptowährungen um? Ist Krypto für Sie weiterhin eine legitime Anlageform, oder ist der Markt zu unsicher geworden? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in fünf Sätzen an forum@handelsblatt.com . Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir mit Namensnennung am Donnerstag gedruckt und online.