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Morning BriefingVon wegen Gewinneinbruch – wie drei Konzerne den Dax verzerren

Christian Rickens 26.11.2024 - 06:22 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt Morning Briefing

Stärke: Wie gut der Dax ohne Autokonzerne dasteht

26.11.2024
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es ist ein Triumph für Donald Trump kurz vor seinem Einzug ins Weiße Haus: Die US-Staatsanwaltschaft stellt die beiden großen Strafverfahren gegen ihn auf Bundesebene ein. Sonderermittler Jack Smith beantragte die Einstellung des Verfahrens wegen versuchten Wahlbetrugs in der US-Hauptstadt Washington. Gleichzeitig zog er seine Berufung gegen die Einstellung des Strafverfahrens in der sogenannten Dokumenten-Affäre im US-Bundesstaat Florida zurück. Smith nannte als Begründung die Gepflogenheit, dass das Justizministerium nicht gegen amtierende Präsidenten vorgeht.

Mit der Entscheidung dürfte das Justizministerium Trump lediglich zuvorgekommen sein. Der designierte US-Präsident hätte nach Amtsantritt wohl ohnehin dem Justizministerium die Einstellung der Verfahren befohlen. Aber so ist es natürlich deutlich eleganter für Trump.

Nach der Nominierung von Scott Bessent zum Finanzminister der kommenden US-Regierung unter Trump sind die US-Börsen auf frische Höchststände geklettert. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Montag ein Prozent höher. Der technologielastige Nasdaq stieg um 0,3 Prozent, ebenso wie der breit gefasste S&P 500.

Scott Bessent: Der designierte Finanzminister kommt an den Börsen gut an. Foto: REUTERS

Bessent, der den Hedgefonds Key Square Group leitet, hat sich für ein schrittweises Vorgehen bei der Einführung von Handelsbeschränkungen ausgesprochen und zeigte sich offen für Verhandlungen über den genauen Umfang der vom designierten Präsidenten angestrebten Zölle.

In einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ sagte Bessent, seine Priorität sei es, Trumps verschiedene Steuersenkungsversprechen zu erfüllen, gleichzeitig aber auch die Ausgaben zu kürzen und „den Status des Dollars als Weltreservewährung zu erhalten“.

Das klingt, als könnte Bessent der von vielen herbeigesehnte „Erwachsene im Raum“ sein. Ein Posten, der in Trumps Cabinet Bizarre bislang noch unbesetzt war.

14,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum haben die 40 Dax-Konzerne im abgelaufenen dritten Quartal verdient. Das Minus haben die drei großen Autobauer zu verantworten, deren Quartalsgewinn um 67 Prozent einbrach. Ohne BMW, Mercedes und VW indes sieht die Bilanz ganz anders aus.

Abseits der Autowerte machten die größten Börsenkonzerne Deutschlands im dritten Quartal 2024 ein Gewinnplus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Mitverantwortlich für diesen Erfolg sind etliche Unternehmen, die vor einem Jahr noch in Schwierigkeiten steckten, aber mittlerweile wieder gute Gewinnaussichten für 2024 und 2025 vorweisen können. Sechs solcher Comeback-Kids im Dax hat Handelsblatt-Aktienexperte Ulf Sommer identifiziert.

Die Dax-Konzerne haben im dritten Quartalen weniger verdient. Foto: Imago, PR (2)

Der erfolgreiche Turnaround ist allerdings bei manchen dieser Unternehmen bereits im Aktienkurs eingepreist. Etwa bei Adidas. Die Aktie wird inzwischen mit dem 30,5-fachen der prognostizierten Nettogewinne für die nächsten vier Quartale bewertet. Deutlich günstiger ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,9 die Aktie von Fresenius. Nach harter Sanierung scheint es auch bei dem Gesundheitskonzern inzwischen wieder bergauf zu gehen.

Wachstumsverzicht fürs Klima? Keine gute Idee! Ein Nürnberger Forscherteam um die Wirtschaftsweise Veronika Grimm kommt zu dem Ergebnis, dass ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft dem Klima genauso wenig nutzt wie eine Deindustrialisierung des Landes.

Die Studie stützt sich auf die konsumbasierten CO₂-Emissionen. Sie bilden das bei der Herstellung ausgestoßene Kohlendioxid für die Produkte ab, die in einem Land konsumiert werden – egal, von wo sie stammen.

Die deutschen Klimaziele hingegen gründen vorrangig auf den produktionsbasierten CO₂-Emissionen. Sie beschränken zum Beispiel, wie viel schädliches Kohlendioxid die Industrie ausstoßen darf.

Der Unterschied: Die konsumbasierte Messung gibt nicht nur Aufschluss über den nationalen Fortschritt beim Klimaschutz, sondern zeigt auch die globalen Erfolge. Für Deutschland zeigt sich: Nachdem die Emissionen nach beiden Messungen lange Zeit sanken, hat sich das in den vergangenen Jahren geändert. Die produktionsbasierten Emissionen gingen im Vergleich zu 1990 um 36 Prozent zurück, die konsumbasierten Emissionen nur um 30 Prozent.

Grimm sagte dazu:

Das ist ein Zeichen, dass Deutschland zwar Fortschritte in Richtung seiner Klimaziele macht, einen Teil aber nur dadurch, dass die CO₂-intensive Produktion von hier konsumierten Gütern ins Ausland verlagert wird.

Wie wenig Altkanzlerin Angela Merkel inhaltlich noch mit ihrer Partei gemeinsam hat: Das wird in ihren Memoiren, die heute unter dem Titel „Freiheit“ erscheinen, gleich an mehreren Stellen deutlich.

Alt-Kanzlerin Merkel hat ihre Memoiren veröffentlicht. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Stichwort Atomkraft: Im neuen Grundsatzprogramm der CDU heißt es: „Wir können zurzeit nicht auf die Option Kernkraft verzichten.“ Merkel hingegen schreibt:

Ich kann Deutschland auch für die Zukunft nicht empfehlen, wieder in die Nutzung der Kernenergie einzusteigen.

Stichwort Schuldenbremse: Zwar sei die Idee der Schuldenbremse richtig, schreibt Merkel, aber:

Um aber Verteilungskämpfe in der Gesellschaft zu vermeiden und den Veränderungen im Altersaufbau der Bevölkerung gerecht zu werden, muss die Schuldenbremse reformiert werden, damit die Aufnahme höherer Schulden für Zukunftsinvestitionen möglich wird.

Als Begründung nennt Merkel insbesondere die notwendigen Verteidigungsausgaben angesichts des Ukrainekriegs. CDU-Spitzenkandidat Friedrich Merz hingegen lehnt bislang eine Reform der Schuldenbremse ab.

Sehr nah ist Merkel mit ihrer Position zur Schuldenbremse an SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz. Höhere Ausgaben für die Verteidigung und die Unterstützung der Ukraine dürften nicht zulasten von Investitionen und der sozialen Sicherheit gehen, hatte auch Scholz in seiner jüngsten Rede im Bundestag erklärt. Es dürfe kein „Entweder-oder“ geben.

Eine Haltung, die mein Kollege Jan Hildebrand kritisch kommentiert:

Was der Kanzler als Ausspielen negativ konnotiert, ist in Wahrheit der Kern allen Regierens: Die Politik setzt Prioritäten, wofür sie welche Mittel einsetzen will. Scholz suggeriert den Wählern, er könne sich und ihnen diese Abwägungen ersparen.

Tatsächlich nähren Äußerungen wie die von Scholz auch bei mir den Verdacht: Jede zusätzliche Ausnahme von der Schuldenbremse zugunsten von höheren Investitionen oder auch Rüstungsausgaben würde sehr schnell dazu führen, dass der reguläre Haushalt noch stärker als bisher vom staatlichen Konsum dominiert wird.

Rund 31 Prozent der befragten Beschäftigten in Deutschland würden ihren Beruf nicht noch einmal wählen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Personaldienstleisters Manpower hervor. 57 Prozent der Befragten sind zufrieden mit ihrer Berufswahl. 12 Prozent sind sich nicht sicher. Ob die drei entlassenen FDP-Minister der Ampelkoalition zu den Befragten zählten, ist nicht bekannt.

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Ich wünsche Ihnen einen Dienstag ohne Reue.

Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens
Textchef Handelsblatt

PS: Keine Schönwetterkapitäne mehr – viele Firmen suchen wieder verstärkt nach härteren Führungskräften. Das ergab eine Recherche des Handelsblatts bei Personalberatern. Nehmen Sie diesen Wandel auch wahr? Wieso glauben Unternehmen, gerade jetzt einen autoritäreren Führungsstil zu benötigen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in fünf Sätzen an forum@handelsblatt.com. Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir mit Namensnennung am Donnerstag gedruckt und online.

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