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Morning BriefingWer jetzt noch Geld mit Immobilien verdienen will, braucht tatsächlich kaufmännisches Geschick

Christian Rickens 09.12.2022 - 06:00 Uhr Artikel anhören

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in den vergangenen 15 Jahren war es unverschämt einfach, in Deutschland mit Immobilien Geld zu verdienen – vorausgesetzt man brachte mindestens 20 Prozent Eigenkapital mit. Dann galt es nur noch ein beliebiges Objekt zu finden (es stieg ja ohnehin alles im Preis), sich den restlichen Kaufpreis von der Bank zu Beinahe-Nullzinsen zu leihen und die zehn Jahre Spekulationsfrist auszusitzen. Schon konnte man den Verkaufsgewinn einstreichen. Steuerfrei versteht sich, an diesem Privileg haben auch sozialdemokratische Finanzminister nie gerüttelt.

Falls Sie sich nun als Immobilieninvestor bemüßigt fühlen, auf Ihr hohes unternehmerisches Risiko hinzuweisen, auf die gelebte soziale Verantwortung gegenüber Ihren Mietern... ist klar. Aber wir sind hier ja unter uns.

Nun sind die goldenen Zeiten am Immobilienmarkt vorbei. Die Hypothekenzinsen haben sich 2022 verdreifacht, die Angebotspreise sind vielerorts gesunken, wie unsere Grafik zeigt.

Wer jetzt noch Geld mit Häusern und Wohnungen verdienen will, braucht tatsächlich kaufmännisches Geschick: Etwa das Wissen um lukrative Marktnischen und das richtige Timing für den Einstieg. So sind zum Beispiel energetisch optimierte Objekte weitgehend stabil im Preis, zugige Altbauten auf dem Land fallen neuerdings in die Kategorie schwer vermittelbar. Und klamme Bauträger lassen seit neuestem mit sich handeln.

Unser Wochenendtitel zeigt sieben Immobilienmarkttrends auf, die Käufer und Verkäufer 2023 kennen müssen.

Jetzt wird zurücksubventioniert: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will mit einer „eigenen europäischen industriepolitischen Agenda“ auf den milliardenschwere „Inflation Reduction Act“ (IRA) von US-Präsident Joe Biden reagieren. Konkret schlägt Habeck ein „europäisches Programm für die Förderung von Transformationstechnologien“ vor. Dies geht nach Handelsblatt-Informationen aus einem internen, fünfseitigen Papier des Wirtschaftsministeriums hervor.

Foto: Reuters, dpa

Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte am Sonntag bereits einen mit EU-Gemeinschaftsschulden finanzierten Solidaritätsfonds vorgeschlagen. Den sieht man im Wirtschaftsministerium allerdings skeptisch. Laut Habecks Papier müssten die zusätzlichen Finanzmittel „vor allem national aufgebracht werden“.
Mein Eindruck: Zwei Fragen werden in dieser Debatte häufig vermischt, die dringend getrennt gehören:

  1. Ist es sinnvoll, den Aufbau grüner Industrie stärker staatlich zu fördern? Darüber kann man reden – aber die Entscheidung sollte unabhängig vom IRA fallen.
  2. Sollten dabei Produzenten aus dem eigenen Wirtschaftsraum bevorzugt werden, wie es der IRA vorsieht? Auf keinen Fall, denn dann bekommt man nicht die weltweit besten Lösungen fürs Steuergeld – vom Verstoß gegen Handelsregeln ganz zu schweigen.

Holger Görg, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, wünscht sich vor allem eins: „Die Europäer sollten jetzt einen kühlen Kopf bewahren.“

Der IRA sei weit weniger gefährlich als von der Leyen annehme. Die 370 Milliarden Euro Subventionen entsprächen weniger als 0,2 Prozent der US-Wirtschaftsleistung.

Das geplante 49-Euro-Ticket für den bundesdeutschen Nahverkehr ist einen großen Schritt näher gerückt. Bundesregierung und Ministerpräsidenten haben sich gestern Abend auf die gemeinsame Finanzierung geeinigt, die Netzkarte für Busse und Bahnen soll nun „nach Möglichkeit bis zum Ende des ersten Quartals 2023“ eingeführt werden, so Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil nach der Einigung. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey rechnet mit einer Einführung erst im Mai.

Wenn Journalisten über Unternehmerinnen, Managerinnen oder Politikerinnen schreiben, die in der Kritik stehen, tun sie gut daran, einen zusätzlichen Reflexionsschritt einzulegen: Würde man diese Kritik bei einem Mann ebenso ernst nehmen? Als beispielsweise am Montag Carla Kriwet nach nur zwei Monaten ihren Chefposten bei Fresenius Medical Care räumte, hieß es aus dem Unternehmen: Sie sei zu vielen Leuten auf die Füße getreten und an ihrem mangelnden politischen Geschick gescheitert. Hätte man das gleiche Verhalten bei einem Mann womöglich als gesunde Durchsetzungskraft interpretiert?

Umgekehrt darf es natürlich auch nicht sein, dass wir aus falschverstandener Solidarität Frauen in herausgehobenen Positionen schonen. Und so widmet sich das Handelsblatt heute – nach reiflicher Reflexion – einer der mächtigsten Managerinnen in der deutschen Wirtschaft: Simone Bagel-Trah, Aufsichtsratschefin beim Waschmittel-, Kosmetik- und Klebstoffkonzern Henkel.

Unternehmens- und Branchenkreise werfen der 53-Jährigen vor, die langfristige Personalplanung für Vorstandsmitglieder zu vernachlässigen – was zur Uraufgabe einer Chefkontrolleurin gehört. Henkel weist die Vorwürfe zurück. Allerdings hat der Konzern vier Wochen nach der Mitteilung über den bevorstehenden Abgang des Vorstandsmitglieds Jan-Dirk Auris noch immer keinen Nachfolger präsentiert. Er ist bis Ende Januar für Henkels Klebstoffsparte zuständig, die für die Hälfte des Umsatzes und für 60 Prozent des Henkel-Gewinns steht.

Foto: dpa

Es ist nicht das erste Mal, dass Bagel-Trah, die Ur-Urenkelin des Henkel-Gründers, bei der Personalplanung kein glückliches Händchen beweist. Nach dem Abgang des Ex-Henkel-Chefs Kasper Rorsted im Sommer 2016 installierte sie den damaligen Kosmetikvorstand Hans Van Bylen. Doch der musste nach drei glücklosen Jahren als Chef wieder aufhören.

In Unternehmenskreisen heißt es: Bagel-Trah ist nun definitiv geschwächt. Die nächsten Wochen würden zeigen, ob sie noch das Vertrauen der Henkel-Eigentümerfamilie habe.

Und dann ist da noch der designierte Co-Chefredakteur der „Bild“, der vor Dienstantritt nach dem Willen seines künftigen Arbeitgebers einen Drogentest absolvieren soll. So berichten es die Kolleginnen und Kollegen vom „Spiegel“. Unwillkürlich fragt man sich: Ist das noch zeitgemäß – Drogenkonsum als Zugangsvoraussetzung für den Chefposten bei einer Boulevardzeitung? Wir leben doch nicht mehr in den 90ern!

Dann liest man weiter und ist beruhigt: Der bisherige „Focus“-Chef Robert Schneider soll nachweisen, dass er KEINE Drogen nimmt. Also offenbar eine ganz normale rechtliche Absicherung für den Axel-Spinger-Verlag, falls sich der Neue bei „Bild“ irgendwelche Eskapaden leisten sollte.

Ich wünsche Ihnen einen Tag, der jeden Test besteht.

Herzliche Grüße

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Ihr

Christian Rickens

Textchef Handelsblatt

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