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Morning BriefingZwei Wirtschaftsgipfel – und der Wirtschaftsminister fehlt

Christian Rickens 29.10.2024 - 06:24 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt Morning Briefing

Doppelgipfel: Einladung zum Aneinander-Vorbeireden / Stresstest: Es rumort im BSW

29.10.2024
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Liebe Leserinnen und Leser,

der Alpinismus krankt daran, dass so gut wie jeder Gipfel schon einmal bestiegen wurde. Wer heute noch Bergsteiger-Geschichte schreiben will, muss es auf einem Bein und ohne Flaschenbier auf alle Achttausender schaffen. Mindestens.

Dieses Problem hat die Ampel überwunden. Sie erschafft sich die immer neuen Gipfel, die es ruhmreich zu bezwingen gilt, einfach selbst. Nach Auto- und Migrationsgipfel geht es heute gleich im Doppelpack weiter: Bundeskanzler Olaf Scholz bittet zum Industriegipfel und spricht am Nachmittag mit Managern und Gewerkschaftern der Branchen Auto, Stahl und Chemie.

Nicht eingeladen ist hingegen der grüne Vizekanzler Robert Habeck, dabei soll der ja beruflich auch gelegentlich mit wirtschaftlichen Fragen zu tun haben. Ebenso fehlt Finanzminister Christian Lindner. Der geht stattdessen bereits am Vormittag zum Wirtschaftsgipfel der FDP-Fraktion, wo jene Arbeitgeber-, Handwerks- und Familienunternehmerverbände geladen sind, die es nicht in die sauerstoffarmen Höhen des Kanzleramts geschafft haben.

Die FDP gibt sich wenig Mühe zu verbergen, was sie mit der Parallelveranstaltung zum Ausdruck bringen will: dass für sie Wirtschaft nicht erst da anfängt, wo Gewerkschaftsvertreter mit SPD-Parteibuch im Konzernaufsichtsrat sitzen.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat am Dienstag zum Industriegipfel ins Kanzleramt geladen. Foto: imago images/Political-Moments

Dabei sind die Themen, die die Unternehmen umtreiben, derzeit in allen Größenklassen ähnlich: Es geht um fehlende Planungssicherheit durch unklare politische Vorgaben, Energiekosten, Bürokratie, Unternehmenssteuern, fehlende Fachkräfte. Und auch darum, dass mit der Autoindustrie gerade die deutsche Schlüsselbranche Nummer Eins ins Rutschen gerät, von der unzählige Industrie- und Handwerksbetriebe in anderen Bereichen gut gelebt haben.

Daniela Cavallo: Die VW-Betriebsratschefin warnt vor Werksschließungen. Foto: REUTERS/Annegret Hilse

Was da alles rutscht, zeigt sich bei Volkswagen: Das Management um Konzernchef Oliver Blume plant nach Angaben der Arbeitnehmerseite, mindestens drei deutsche Werke zu schließen und Zehntausende Jobs zu streichen.

Nicht gut sieht es derzeit für die Werke in Dresden und Osnabrück aus. Die sind aber so klein, dass ihre Schließung an den Überkapazitäten des Gesamtkonzerns kaum etwas ändern dürfte.

Mit den Sparplänen bei Volkswagen befasst sich auch unsere Frage an Sie: Sind solche Sparmaßnahmen der richtige Weg? Wird Volkswagen dadurch wieder wettbewerbsfähig? Oder endet nun die deutsche Vormachtstellung im Bereich Automobil? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in fünf Sätzen an forum@handelsblatt.com. Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir mit Namensnennung am Donnerstag gedruckt und online.

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat das Verhandlungsergebnis der möglichen Regierungspartner in Thüringen zu einem Friedenspassus im Koalitionsvertrag als Fehler bezeichnet. Dem „Spiegel“ sagte sie:

Die Präambel, auf die sich die Verhandler von CDU, SPD und BSW in Thüringen geeinigt haben, bleibt in der wichtigen Frage von Krieg und Frieden leider deutlich hinter dem in Brandenburg gefundenen guten Kompromiss zurück.

Thüringens BSW-Landeschefin Katja Wolf hatte zuvor gesagt, das Papier sei mit Wagenknecht diskutiert worden, „Zustimmung ist rein formal nicht vorgesehen.“

Worum geht es konkret? Die Brandenburger Verhandler einigten sich unter anderem auf eine Formulierung, wonach sie eine Stationierung von neuen US-Raketen in Deutschland kritisch sehen (Wagenknecht-konform) während in Thüringen nur vermerkt ist, viele Bürger im Freistaat sähen die Stationierung kritisch (nicht Wagenknecht-konform). Auch ist in Thüringen vermerkt, dass die möglichen Koalitionspartner bei Waffenlieferungen an die Ukraine unterschiedliche Auffassungen haben.

Das Palästinenser-Hilfswerk der Vereinten Nationen (UNRWA) darf ab sofort nicht mehr in Israel tätig sein. Das Parlament verabschiedete am Montag ein entsprechendes Gesetz. Die Befürworter begründen das  Verbot mit dem Vorwurf, dass einige UNRWA-Mitarbeiter in die Massaker der Hamas in Israel am 7. Oktober 2023 verwickelt gewesen seien.

Das Hilfswerk kritisierte das Vorgehen, damit werde das Leid der Menschen im Gazastreifen verschlimmert. Die Vereinten Nationen hatten im August eingeräumt, neun Mitarbeiter seien möglicherweise in den Angriff vom Oktober verwickelt gewesen und entlassen worden.

Alle Neuigkeiten zur Lage in Nahost finden Sie in unserem Newsblog.

In Georgien wurde gewählt. Foto: Zurab Tsertsvadze/AP/dpa

In Georgiens Hauptstadt Tiflis haben Tausende gegen das offizielle Ergebnis der Parlamentswahl von Samstag demonstriert. Georgiens Präsidentin Salome Surabischwili hatte zu der Kundgebung aufgerufen. Vor der Menge, in der viele Flaggen Georgiens und der Europäischen Union geschwenkt wurden, sagte sie unter anderem:

Eure Stimme wurde gestohlen, und sie haben versucht, auch eure Zukunft zu stehlen.

Gestern war der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban zu einem Überraschungsbesuch in Georgien eingetroffen. Orban, der derzeit den Vorsitz des Europäischen Rates innehat, hatte bereits am Samstag der russlandfreundlichen Regierungspartei „Georgischer Traum“ zu dem umstrittenen Wahlsieg gratuliert. Dagegen meldeten andere EU-Staaten Zweifel am ordnungsgemäßen Ablauf der Wahl an. Orban schrieb am Montag auf X mit Blick auf die Georgier:

Statt nutzloser Belehrungen benötigen sie unsere Unterstützung auf ihrem europäischen Weg.

Wobei Moskau ja geographisch auch in Europa liegt.

Wer dem simpelsten aller Börsentipps gefolgt ist und sein Geld in einen Indexfonds (ETF) gesteckt hat, der den Weltaktienindex MSCI World nachbildet, der ist auch in diesem Jahr sehr gut gefahren. 22 Prozent Plus waren seit Jahresanfang drin, wie unsere Grafik anhand eines Beispiel-ETF zeigt.

Doch je höher es hinaufgeht, desto mehr fährt die Angst vor dem Absturz mit. Denn der Kurszuwachs geht maßgeblich zurück auf die großen US-Techkonzerne Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft und Nvidia. Diese sechs Aktien haben innerhalb des MSCI World inzwischen ein Gewicht von rund 20 Prozent.

Unser Geldanlage-Chef Andreas Neuhaus hat sich nach Alternativen zum MSCI World umgeschaut, die ebenfalls breit streuen, aber den US-Techkonzernen geringeres Gewicht einräumen. Letzteres gelingt am besten mit einem ETF auf den Solactive Gerd Kommer Multifactor Equity Index, der speziell für den Vermögensverwalter Gerd Kommer entwickelt wurde.

Kleiner Wermutstropfen: Die Rendite seit Jahresanfang beträgt hier „nur“ 17,2 Prozent. Was aber kein Wunder ist, da ja die besonders stark gestiegenen Techkonzerne untergewichtet sind. Seine Qualität beweisen muss dieser ETF, wenn es mit Amazon, Apple und Co. mal so richtig abwärts geht.

Die Börse New York: Sie gibt weltweit die Richtung vor. Foto: dpa

Leider ist mir im gestrigen Morning Briefing ein Fehler unterlaufen: Die Wahlbeobachter in Georgien kommen natürlich von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und nicht von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Vielleicht hilft mir in Zukunft folgende Eselsbrücke: Die OSZE sorgt mit Wahlbeobachtern dafür, dass Stimmzettel richtig gezählt werden. Die OECD sorgt mit Pisa-Tests dafür, dass auch morgen noch jemand richtig zählen kann.

Ich wünsche Ihnen einen Dienstag mit der richtigen Mischung aus Sicherheit und Entwicklung.

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Herzliche Grüße,

Ihr

Christian Rickens

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