Weekend-Briefing: Das Ausmaß des Energiedilemmas in einer Zahl: Der Wochenrückblick der Vize-Chefredakteurin
Guten Morgen allerseits,
wir beschäftigen uns beim Handelsblatt täglich mit Zahlen. Eine hat mich in den letzten Tagen besonders beschäftigt, denn sie steht für das ganze Ausmaß des Dilemmas, in das sich Europa, allen voran Deutschland, durch seine Energieabhängigkeit von Russland manövriert hat.
35 Milliarden Euro hat die Europäische Union seit Kriegsbeginn an Russland für Importe von Öl, Gas und Kohle gezahlt, rechnete der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell vor. Zum Vergleich: Die Ukraine hat von den EU-Staaten bislang lediglich eine Milliarde Euro für Waffen und Militärausrüstung erhalten.
Man kann förmlich spüren, wie der Druck auf die EU und jeden einzelnen Staat steigt, die Einfuhr russischer Energie zu verbieten: mit jedem Kriegstag, mit jeder Gräueltat in der Ukraine und mit jedem nach Russland überwiesenen Euro. Ein Kohle-Embargo hat Europa bereits mit einer Übergangsfrist von vier Monaten beschlossen. Über Öl soll am kommenden Montag im Rat der EU-Außenminister beraten werden.
Die deutsche Wirtschaft bereitet sich auf das Schlimmste vor. Wie genau, das beschreibt ein Handelsblatt-Reporterteam in unserem Freitagstitel. Dafür haben die Kolleginnen und Kollegen tief in die Unternehmen geschaut. Und sie gehen der Frage nach, die führende Ökonominnen und Ökonomen tief spaltet: Wie stark würde ein Importstopp Deutschland wirklich schaden? Und: Könnte er diesen unfassbar sinnlosen Krieg überhaupt beeinflussen?