Autonome Fahrsysteme: Deshalb beendet General Motors Robotaxi-Strategie
New York, San Francisco. Cruise, General Motors’ (GM) Einheit für selbstfahrende Autos, wird sich aus dem Robotaxi-Geschäft zurückziehen. Dies gab der Konzern am Dienstagnachmittag (Ortszeit) bekannt.
Cruise und weitere technische Abteilungen von GM werden zu einer gemeinsamen Einheit zusammengelegt, die sich auf die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen für künftige Privatautos konzentrieren soll, heißt es in einer Mitteilung des US-Autobauers.
GM erklärte, dass das Unternehmen die Entwicklung von Robotaxis nicht weiter finanzieren werde. Der erhebliche Zeit- und Ressourcenaufwand für den Aufbau des Geschäfts und der zunehmend wettbewerbsintensive Robotaxi-Markt machten diese Entscheidung notwendig. Die Technologie hatte sich für den Autohersteller als kostspielig und rufschädigend erwiesen.
Cruise hatte den Betrieb nach einem Unfall im vergangenen Jahr, bei dem eines der Fahrzeuge einen Fußgänger erfasste, mit Sicherheitsfahrern in Dallas und Houston jüngst erst wieder aufgenommen. Geplant war, auch Fahrzeuge in Kalifornien zu testen.
Rückschlag für die Robotaxi-Vision
Für die Vision vollautonomer Robotaxis, die schon bald Amerikas und Europas Straßen bevölkern, ist die Entscheidung ein gravierender Rückschlag. Erst 2022 hatten Ford und Volkswagen ihre Robotaxi-Tochter Argo AI eingestellt – ebenfalls mit dem Argument, sich vor allem auf weiterentwickelte Fahrerassistenzsysteme konzentrieren zu wollen.
Mit GMs Rückzug verbleiben nur noch zwei große US-Unternehmen auf dem Markt: die Google-Tochter Waymo und die Amazon-Tochter Zoox.
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Waymo gilt als technologisch führend, betreibt Robotaxi-Flotten in mehreren US-Städten und hat im Oktober bei Investoren 5,6 Milliarden Dollar für die weitere Expansion eingesammelt. Es war die bislang größte Finanzierungsrunde des Unternehmens.
Derzeit betreibt Waymo den einzigen kommerziellen Taxidienst in den USA, der auf vollständig selbstfahrende Autos setzt. Eine Testphase in San Francisco hatte Waymo im Juli abgeschlossen, der Service steht dort nun allen Interessenten offen.
Außerdem werden Fahrten in Los Angeles und Phoenix angeboten, ein weiterer Ausbau ist geplant. Neben Atlanta und Miami soll das Angebot testweise bald auch in New York und Washington DC starten. Außerdem soll die Versorgung an den bisherigen Standorten dichter werden.
Daneben arbeitet Zoox, das im Unterschied zu Waymo auf vollständig neu entwickelte Fahrzeuge setzt, die ohne klassisches Lenkrad und Pedale auskommen, am Start eines entsprechenden Dienstes in San Francisco.
GM-Aktie steigt
Als Vordenker der Robotaxi-Vision gilt Tesla-Chef Elon Musk. Er verspricht seit Jahren vollautonome Autos auf amerikanischen Straßen und will mit dem eigenen Robotaxi-Geschäft 2026 starten. Experten halten das jedoch aufgrund der unzureichenden Sensorausstattung des Tesla-Systems für höchst unwahrscheinlich.
Musk ist eine der einflussreichsten Stimmen im Umfeld des designierten Präsidenten Donald Trump und hat sich für einen föderalen Regulierungsrahmen für selbstfahrende Autos ausgesprochen.
Lange galt GM mit seiner Tochter Cruise als ernst zu nehmender Spieler auf dem Markt. Nach dem Unfall im vergangenen Jahr war es jedoch still um die Experimente des Traditionsherstellers geworden.
Strategisch hat der Schritt erhebliche Auswirkungen für GM. Konzernchefin Mary Barra wollte den Autohersteller in ein Unternehmen für Verkehrstechnologie umwandeln und den Umsatz bis 2030 auf 50 Milliarden Dollar verdoppeln – auch durch Einnahmen von Cruise. Ohne das Robotaxi-Geschäft rückt dieses Ziel nun in weite Ferne.
Dass zuletzt selbst GMs Aktionäre nicht mehr an einen Durchbruch glaubten, zeigte sich jedoch am Aktienmarkt: Am Dienstag stieg das GM-Papier nach Bekanntwerden der Nachricht nachbörslich um mehr als zwei Prozent. GM erwartet, „dass die Umstrukturierung die Ausgaben (...) um mehr als eine Milliarde Dollar pro Jahr senken wird“, wie der Konzern mitteilte.
Mit Material von Bloomberg.
Erstpublikation: 10.12.2024, 23:23 Uhr.