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Neues Strom-SUVPremiere des EQE: Mercedes hofft auf ersten Elektro-Bestseller

Beim Absatz von Stromfabrikaten hinkt die Marke mit dem Stern hinterher. Der Rückstand ist groß. Mit dem EQE SUV sucht der Konzern nun den Anschluss.Franz Hubik 16.10.2022 - 20:00 Uhr Artikel anhören

Das SUV soll die Elektro-Verkaufsmisere des Autobauers beheben und der erste echte Bestseller werden.

Foto: Mercedes

Paris. Großer Anspruch, kleine Resultate: So lässt sich die Elektro-Offensive von Mercedes-Benz bisher zusammenfassen. Kein anderer deutscher Autobauer hängt aktuell noch so stark am Verbrenner wie die Marke mit dem Stern. Lediglich fünf Prozent der Pkw-Verkäufe der Stuttgarter sind reine Stromer. Zum Vergleich: Beim Volkswagen-Konzern sind es sechs Prozent, bei der BMW-Gruppe mehr als acht Prozent.

Dabei verfolgt Mercedes eigentlich die ambitionierteste Elektrifizierungsstrategie unter den heimischen Fahrzeugherstellern. Die Schwaben wollen in weniger als acht Jahren möglichst nur noch vollelektrische Neuwagen ausliefern. „Damit das gelingt, muss Mercedes langsam Volumen zeigen“, konstatiert Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM).

Doch der EQC, der erste Strom-SUV von Mercedes, ist ein Ladenhüter. Die kleineren Fabrikate EQA und EQB überzeugen technisch nur bedingt. Und die beiden Spitzenmodelle EQS und EQS SUV sind nichts für die breitere Masse. Mit der Limousine EQE und vor allem dem davon abgeleiteten EQE SUV hofft Mercedes nun auf seine ersten echten Elektro-Bestseller.

Mercedes EQE: SUV soll zum Bestseller werden

Am Sonntag feierte der fast fünf Meter lange Sportgeländewagen in Paris seine Weltpremiere. Der EQE SUV biete „alles“, wonach Kunden rund um den Globus gerade suchen würden, bekundete Mercedes-Chef Ola Källenius: viel Platz, eine auskömmliche Reichweite von bis zu 590 Kilometern und gratis „Hot-Stone-Massagen“.

Das Auto gleiche einem „Designstudio auf Rädern“, das sich dank der optional verfügbaren Hinterachslenkung besonders einfach manövrieren lasse. Källenius verspricht zudem dank einer Kooperation mit Apple Music und Dolby Atmos ein Klangerlebnis, das jenem in hochwertigen Konzertsälen mindestens ebenbürtig ist. Kurzum: Der Schwede hält den EQE SUV für eine Allzweckwaffe.

Tatsächlich handelt es sich um das absehbar volumenstärkste Stromfabrikat von Mercedes, heißt es intern. Auch unabhängige Experten bescheinigen der Baureihe gute Erfolgsaussichten. „Wir sehen in der Autoindustrie gerade drei Wachstumstreiber: Elektrofahrzeuge, SUVs und Premium“, erklärt Frank Biller, Analyst bei der LBBW in Stuttgart. „Mit dem EQE SUV deckt Mercedes alle Ebenen ab.“

„Der EQE-SUV ist für Mercedes vor allem für den US-Markt von großer Bedeutung“, ergänzt Kapitalmarktkenner Daniel Röska von Sanford C. Bernstein. „Hier wird der Konzern noch nicht wirklich als Hersteller von Elektroautos wahrgenommen.“ Das liege unter anderem daran, dass Mercedes bis vor Kurzem überhaupt kein größeres Elektro-SUV in den USA im Programm hatte.

Der EQE SUV ist zum Erfolg verdammt

Das ändert sich nun. Der EQE SUV wird sogar ausschließlich in den Vereinigten Staaten gebaut, in Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama. Dort fertigt Mercedes schon seit Jahren den GLE, einen der wichtigsten Renditegaranten des Konzerns. Der EQE SUV ist das vollelektrische Pendant des GLE und soll früher oder später ähnlich erfolgreich sein.

Intern traut man sich zu, mehrere Zehntausend Fahrzeuge pro Jahr zu verkaufen. Extern sind die Prognosen etwas konservativer, die Experten von IHS-Markit rechnen etwa mit einem Absatzvolumen von zunächst etwas mehr als 30.000 Autos pro Jahr. So oder so ist Mercedes beim EQE SUV, der technisch auf der Elektroplattform EVA2 basiert, zum Erfolg verdammt.

Denn außer einem Elektro-Crossover, das ausschließlich in China angeboten werden soll, und einer G-Klasse mit Riesenbatterie sind die nächsten großen Markteinführungen neuer Stromfabrikate erst rund um das Jahr 2025 vorgesehen.

Mercedes muss Anteil an Elektroautos erhöhen

Mercedes müsse den Elektro-Anteil am Gesamtabsatz allerdings bis 2026 schon auf annähernd 50 Prozent erhöhen, um Produktion und Lieferantennetzwerk auf einen Anteil von bis zu hundert Prozent bis Ende der Dekade vorzubereiten, erklärt Bernstein-Analyst Röska.

Der EQE soll moderne Bordtechnik, fast 600 Kilometer Reichweite und dynamische Fahreigenschaften mit viel Platzangebot kombinieren – sagt Mercedes.

Foto: Mercedes

Zugleich empfiehlt der Finanzfachmann einen graduellen Hochlauf an Elektroautos. Zu früh sollte Mercedes aus seiner Sicht nicht auf „electric only“ umschalten. „Man darf nicht vergessen: Die Bruttomarge der EVA2-Modelle ist im Vergleich zu Verbrennern weiterhin nicht sonderlich gut. Wie wir von anderen Herstellern wissen, redet man da schnell über eine Differenz von teils sieben bis acht Prozentpunkten.“

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Auch LBBW-Experte Biller erwartet, dass der Elektroabsatz von Mercedes erst gegen 2025 mit den neuen Plattformen MMA und MB.EA sprunghaft ansteigen wird. „Dann werden wir auch den tipping point bei Elektroautos sehen. Es wird ab dann kaum noch Anreize geben, weiter im großen Stil Verbrenner zu bauen“, sagt Biller. Nicht zuletzt, weil Mitte der Dekade die Flottengrenzwerte zum Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid in Europa nochmals verschärft werden.

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