Aldi nur im Westen Nummer eins: Wo Ossis und Wessis am liebsten einkaufen
Aldi gilt zwar im Westen als wichtigster Einkaufsmarkt. Doch beim Service schneidet das Unternehmen schlecht ab.
Foto: dpaDüsseldorf. Guter Service bedeutet nicht unbedingt auch mehr Kunden. Das erfährt nun auch die Supermarktkette Edeka. Zwar bewerten die Verbraucher sowohl im Osten als auch im Westen die Kundenbetreuung überwiegend als gut. Doch den Spitzenplatz der Supermarktkette, bei der die Konsumenten am meisten einkaufen, geht in den alten und in den neuen Bundesländern an zwei Konkurrenten: Aldi und Kaufland. Zu diesem Ergebnis kommt die Ost-West-Markenstudie, die das IMK und die MDR-Werbung erstellt haben und deren Ergebnisse Handelsblatt Online exklusiv vorliegen.
Die fünfte Ost-West-Markenstudie beleuchtet die Unterschiede im Einkaufsverhalten der Deutschen in den alten und neuen Bundesländern. Für die Studie haben die Autoren 2000 Ostdeutsche und 1000 Westdeutsche nach ihren Einkaufsgewohnheiten befragt. Dabei waren im Bereich Einzelhandel zwei Fragen entscheidend: der Service der Supermärkte und ihre Relevanz.
Laut der Umfrage gilt Edeka als der Supermarkt mit dem besten Service: In den alten Bundesländern gibt jeder vierte Konsument (25 Prozent) der Supermarktkette eine gute Bewertung, in den neuen sind es immerhin 15 Prozent. Nur Kaufland, eine Tochter der Schwarz-Gruppe, bietet demnach im Osten besseren Service. Oder wie es die Studienmacher formulieren: Edeka sei „gesamtdeutscher Servicemeister“.
Doch trotz guter Leistung siegen bei der Frage, wo die Konsumenten am meisten einkaufen, andere. Im Westen liegen Aldi, Lidl und Rewe vorn, im Osten hingegen Kaufland, Lidl und die Edeka-Tochter Netto. Edeka selbst kommt erst auf dem vierten beziehungsweise fünften Platz.
Die Studie zeigt, wie groß die Unterschiede beim Einkauf innerhalb Deutschlands noch sind. „Während im Osten Kaufland und die Discounter Lidl und Netto größere Relevanz haben, finden im Westen klassische Supermärkte größeren Zuspruch“, sagt IMK-Geschäftsführer Sören Schiller. So kommen Rewe und Edeka im Westen auf 53 Prozent, im Osten hingegen nur auf 42 Prozent. Zum Vergleich: Allein Kaufland kommt in den neuen Bundesländern auf 40 Prozent.
Trotz der Unterschiede sind sich die Ostdeutschen und Westdeutschen in einer Sache einig: Beide bewerten den Service des Discounters Aldi am schlechtesten. In den neuen Bundesländern halten zwölf Prozent der Befragten die Kundenbetreuung für suboptimal, in den alten sind es neun Prozent. Auch andere große Billigsupermärkte wie Lidl, Netto, Norma oder die Rewe-Tochter Penny schneiden in der Gunst der Konsumenten nicht gut ab.
Service und Relevanz gehen demnach nicht unbedingt einher, wie die Beispiele Aldi und Edeka zeigen. Während der Discounter laut Umfrage zwar schlechten Service bietet, aber im Westen viele Kunden anzieht, punktet Edeka mit guter Betreuung, kommt aber weder in den neuen noch in den alten Bundesländern unter die Top drei der Einkaufsmärkte.
Die Edeka-Gruppe muss sich trotzdem keine Sorgen um ihre Spitzenstellung in Deutschland machen. Erst vor wenigen Tagen gab Deutschlands größter Lebensmitteleinzelhändler bekannt, die rund 450 Märkte von Kaiser's Tengelmann zu übernehmen. Das dürfte Edeka, sofern der Deal genehmigt wird, einen weiteren kleinen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschaffen.
In der gesamten Bundesrepublik teilen Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) rund 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels unter sich auf. Erst vor kurzem gerieten die Lebensmitteleinzelhändler deshalb ins Visier des Bundeskartellamts, das die Marktmacht der vier großen Supermärkte als kritisch einstufte. Nach Angaben der Marktforscher von Trade Dimension kam Edeka 2013 auf knapp 26 Prozent Marktanteil, dahinter folgten Rewe mit knapp 15 Prozent, die Schwarz-Gruppe mit rund 14 Prozent und Aldi mit rund zwölf Prozent.
Die Ost-West-Markenstudie will die Unterschiede zwischen Osten und Westen 25 Jahre nach der Wende beleuchten. Die kompletten Ergebnisse werden am Donnerstag offiziell vorgestellt.