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AOK-ReportZahl der Krankheitsfälle erreicht Rekordhoch

Die Zahl der Krankheitsfälle hat 2024 einen Rekordwert erreicht. Zugleich fühlen sich viele erholter als in den Jahren zuvor. Eine Analyse der AOK zeigt, warum beides stimmen kann.Britta Rybicki 17.10.2025 - 10:11 Uhr Artikel anhören
Arztbesuch: Atemwegserkrankungen sind nach wie vor Hauptursache für Arbeitsausfälle. Foto: dpa

Berlin. Die Zahl der Krankenfälle hat im Jahr 2024 in deutschen Unternehmen einen neuen Höchstwert erreicht. Auf 100 Beschäftigte kamen laut AOK-Fehlzeiten-Report 228 Krankheitsfälle, im Vorjahr waren es noch 225. Im Schnitt bedeutet das 2,3 Krankheitsfälle pro AOK-versicherten Arbeitnehmer.

Daten der Techniker-Krankenkasse und der DAK Gesundheit vom Jahresbeginn legen die Vermutung nahe, dass Beschäftigte zwar etwas häufiger erkranken, aber weniger lange ausfallen. Denn die beiden Krankenkassen hatten Anfang dieses Jahres für das zurückliegende Jahr bei einer ebenfalls steigenden Zahl von Krankmeldungen über einen leichten Rückgang des Krankenstands, bezogen auf die durchschnittlichen krankheitsbedingten Fehlzeiten von Beschäftigten, berichtet.

Für den Anstieg der Krankmeldungen im vergangenen Jahr sieht die AOK erneut Atemwegserkrankungen als Hauptursache. Sie seien im vergangenen Winter in mehreren Wellen aufgetreten.

Doch diese kurzfristigen Infekte erklären den Trend nur zum Teil. Vor allem psychische Erkrankungen nehmen weiter zu: In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Fehltage aufgrund seelischer Belastungen um 43 Prozent, im Durchschnitt fehlen Betroffene rund 28,5 Tage pro Fall.

„Gerade bei psychischen Erkrankungen, die seit Jahren zunehmen, kommt Führungskräften eine besondere Verantwortung zu“, sagt Carola Reimann, Chefin des AOK-Bundesverbands. Sie fordert, dass Unternehmen Gesundheit stärker als Teil von Unternehmenskultur und Führung verstehen.

Psychische Erkrankungen nehmen zu

Dass psychische Erkrankungen längst kein individuelles Phänomen mehr sind, sondern das Ergebnis verbreiteter ungesunder Arbeitsverhältnisse, belegen auch andere Studien. Der DAK-Psychreport 2024 meldet 342 Fehltage pro 100 Beschäftigte durch seelische Leiden, vor allem infolge von Depressionen und Erschöpfung.

Auch die AOK selbst verzeichnet seit 2014 einen Anstieg psychisch bedingter Fehlzeiten um über 40 Prozent. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stellt in einer Langzeitstudie (S-MAG) ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Problemen im Berufsleben und mentaler Gesundheit her.

Ein Teil des Anstiegs der Krankmeldungen lässt sich auch technisch erklären. Seit der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die Anfang 2023 für Arbeitgeber verpflichtend wurde, werden Krankmeldungen vollständiger erfasst. Zuvor mussten Beschäftigte ihre Bescheinigung selbst weiterleiten, was sie nicht immer getan haben sollen. Einen Hinweis auf Missbrauch etwa durch die telefonische Krankschreibung sieht die AOK dagegen nicht.

Anders bewertet das Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Er fordert, die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wieder ab dem vierten Krankheitstag einzuführen und spricht sich für eine Lockerung aus.

AOK-Chefin Reimann hält seinen Vorschlag für fraglich: „Wir sehen den Vorschlag auch im Kontext des Sparpakets – möglicherweise als Ablenkungsmanöver, denn bislang hat die Ärzteschaft keinen spürbaren Beitrag zur Effizienzsteigerung geleistet.“

Die Analysen des Reports beruhen auf Daten von rund 14,9 Millionen AOK-versicherten Beschäftigten, ausgewertet durch das Wissenschaftliche Institut der AOK. Ergänzend befragte das Institut im Frühjahr 2025 online rund 2000 Arbeitnehmer nach ihrer Arbeitsbelastung, Erholung, psychischer Gesundheit und betrieblicher Gesundheitsförderung.

Mehr Meldungen durch genauere Erfassung

Es gibt aber auch positive Entwicklungen. Befragte fühlen sich seit Ende der Coronapandemie seltener erschöpft, wütend oder niedergeschlagen. Solche Gefühle liegen der AOK-Auswertung zufolge wieder auf dem Vorpandemieniveau. Nach Feierabend schlecht abschalten können nur noch 18 Prozent – 2022 waren es noch 31 Prozent. Auch das Grübeln über Arbeitsprobleme sei seltener geworden.

Genauer angeschaut haben die Wissenschaftler sich auch die betriebliche Gesundheitsförderung. Das sind Maßnahmen, die eine Firma anbietet, um die Gesundheit, Motivation und das Wohlbefinden ihrer Belegschaft zu stärken. Konkret handelt es sich dabei um Bewegungskurse, Stressbewältigung oder ergonomische Arbeitsplätze. Zwar berichten 73 Prozent der Beschäftigten von entsprechenden Angeboten, doch nur 48 Prozent nutzen sie.

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Der Report widmet sich auch einem neuen Thema: Welche Rolle Künstliche Intelligenz (KI) im Arbeitsalltag spielt. Rund 42 Prozent der Beschäftigten gaben an, dass KI an ihrem Arbeitsplatz bereits eingesetzt wird. In großen Unternehmen war es über die Hälfte.

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Sorgen um den eigenen Job haben dagegen nur wenige: Zwei Drittel sind „gar nicht besorgt“, dass KI ihre Stelle ersetzen könnte. Gleichzeitig ist das Wissen hier allerdings begrenzt – nur fünf Prozent bezeichnen sich als Experten. Der AOK zufolge könnte KI dabei helfen, Menschen gesund zu halten. Denn die Algorithmen erkennen Überlastung frühzeitig, sodass Arbeitsprozesse entsprechend verändert werden können.

Erstpublikation: 14.10.2025, 12:52 Uhr.

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