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BundestagswahlZehn Grüne unter 30 sind in der neuen Fraktion vertreten

Am Dienstag treffen sich erstmals die gewählten und ausscheidenden Abgeordneten der Grünen-Bundestagsfraktion. Die künftige Mannschaft ist deutlich kleiner. Eine Übersicht.Silke Kersting 24.02.2025 - 19:34 Uhr Artikel anhören
Steffi Lemke: Die Noch-Umweltministerin bleibt ihrer Grünen-Fraktion erhalten. Foto: dpa

Berlin. Bundesumwelt- und Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne) bleibt ihrer Fraktion erhalten. „Ich werde mich jetzt im Bundestag in der Opposition mit aller Kraft auch weiterhin den Themen widmen, für die ich als Person stehe: für Umwelt- und Naturschutz, Klimaschutz und den Schutz unserer Heimat, unserer Flüsse und Seen“, sagte die 57-Jährige dem Handelsblatt.

Lemke, die bei der Bundestagswahl als Spitzenkandidatin der Grünen in Sachsen-Anhalt angetreten war, sagte, sie sei den Wählern und ihrer Partei zu tiefem Dank verpflichtet. Die Grünen hätten einen Wahlkampf hingelegt, der „von so viel Unterstützung und Zustimmung geprägt gewesen ist wie keiner zuvor“.

Umso bitterer sei es, „dass das grüne Ergebnis ein schlechteres ist als vor gut drei Jahren“. Lemkes Partei hatte 11,6 Prozent der Stimmen erhalten. Bei der vorangegangenen Bundestagswahl 2021 waren die Grünen noch auf 14,7 Prozent gekommen.

Die politische Weltlage habe die Menschen stark verunsichert, sagte Lemke: „In dieser Situation fanden die scheinbar einfachen Antworten anderer Parteien auf die Herausforderungen mehr Zustimmung als die Antworten meiner Partei. Auch das gehört zur Demokratie.“

Die Bundestagsfraktion der Grünen schrumpft im neuen Parlament von 118 auf 85 Abgeordnete. An diesem Dienstag findet das erste Treffen der gewählten und der ausscheidenden grünen Abgeordneten statt. Am Mittwoch dann konstituiert sich die Fraktion offiziell. Wer außer Lemke in der neuen Legislaturperiode für die Grünen im Bundestag sitzt und wer ausscheidet, sehen Sie hier in der Übersicht.

Welche anderen Grünen-Minister haben ein Bundestagsmandat bekommen?

Sowohl Bundesaußenministerin Annalena Baerbock als auch Wirtschaftsminister Robert Habeck und Familienministerin Lisa Paus ziehen erneut in den Bundestag ein – wenn sie ihr Mandat behalten. Habeck ließ das bislang allerdings offen. Die Antwort gebe er, wenn die Grünen ihre Gremien aufgestellt hätten, sagte Habeck am Montag. Aus seinem Umfeld hieß es im Vorfeld der Wahl aber, dass es unwahrscheinlich sei, dass Habeck eine Hinterbänkler-Rolle einnehme.

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Habeck will „keine führende Rolle“ bei den Grünen beanspruchen – Was macht Baerbock?

Wer führt künftig die Fraktion?

Die neue Spitzenkraft der Grünen-Bundestagsfraktion könnte nun Baerbock werden, neben Co-Fraktionschefin Katharina Dröge, einer Baerbock-Vertrauten. Die 40-jährige Dröge wird dem linken Parteiflügel zugerechnet. Sie geht gestärkt aus der Wahl hervor: Ihren Kölner Wahlkreis gewann sie gegen den bisherigen Fraktionschef der SPD, Rolf Mützenich.

Fürs Erste werden die beiden bisherigen Fraktionschefinnen Dröge und Britta Haßelmann „voraussichtlich zunächst geschäftsführend im Amt bestätigt“, kündigte Grünen-Co-Parteichef Felix Banaszak am Montagmorgen an. Er sprach da allerdings bereits von einer „Phase des Übergangs“.

Wie viele Direktmandate haben die Grünen gewonnen?

Die Grünen haben in zwölf Wahlkreisen ein Direktmandat geholt. 2021 gelang ihnen das noch in 16 Wahlkreisen.

Wie groß ist die neue Grünen-Fraktion?

Die Zahl der Abgeordneten beträgt künftig 85 Abgeordnete, darunter befinden sich zehn Abgeordnete unter 30 Jahren. Der Frauenanteil liegt nach Angaben der Grünen bei 61 Prozent und ist damit leicht gestiegen. 2021 hatte er noch unter 60 Prozent gelegen. Zum Vergleich: Der Frauenanteil im neuen Parlament beträgt 32,4 Prozent und ist damit noch 2,4 Prozentpunkte niedriger als in der vergangenen Legislaturperiode.

Die Grünen-Fraktion im Überblick
Tarek Al-Wazir, Alaa Alhamwi, Luise Amtsberg, Andreas Audretsch, Lisa Badum, Annalena Baerbock, Felix Banaszak, Karl Bär, Katharina Beck, Lukas Benner, Franziska Brantner, Victoria Broßart, Agnes Monika Brugger, Janosch Dahmen, Sandra Detzer, Jeanne Marie Aline Dillschneider, Katharina Dröge, Deborah Düring, Timon Michele Dzienus, Harald Ebner, Leon Eckert, Marcel Emmerich, Simone Fischer, Schahina Gambir, Matthias Gastel, Jan-Niclas Gesenhues, Katrin Göring-Eckardt, Armin Grau, Lena Maria Gumnior, Robert Habeck, Britta Haßelmann, Linda Heitmann, Moritz Sebastian Heuberger, Anton Hofreiter, Julian-Béla Joswig, Lamya Kaddor, Kirsten Kappert-Gonther, Michael Kellner, Misbah Khan, Chantal Kopf, Ricarda Lang, Sven Lehmann, Steffi Lemke, Rebecca Lenhard, Helge Limburg, Denise Loop, Max Lucks, Anna Lührmann, Zoe Mayer, Swantje Henrike Michaelsen, Irene Mihalic, Boris Mijatovic, Sascha Müller, Claudia Müller, Sara Nanni, Ophelia Nick, Konstantin von Notz, Omid Nouripour, Karoline Otto, Elisabeth Maria Paus, Paula Piechotta, Filiz Polat, Anja Reinalter, Sylvia Rietenberg, Claudia Roth, Corinna Rüffer, Kassem Taher Saleh, Jamila Schäfer, Sebastian Schäfer, Ulle Schauws, Stefan Schmidt, Julia Schneider, Marlene Schönberger, Nyke Slawik, Till Steffen, Sandra Stein, Hanna Steinmüller, Awet Tesfaiesus, Katrin Uhlig, Julia Verlinden, Robin Wagener, Niklas Wagener, Johannes Wagner, Tina Winklmann.

Welche bekannten Zugänge gibt es in der Fraktion?

Einer der bundesweit bekannteren Namen ist Tarek Al-Wazir. Der 54-Jährige war von 2014 bis 2024 Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen in einer schwarz-grünen Regierung. Nach der Landtagswahl im Herbst 2023 kandidierte der Offenbacher als erster Grüner in Hessen für das Amt des Ministerpräsidenten. Es siegte damals die CDU mit Boris Rhein an der Spitze, die nun mit der SPD regiert.

Welche Abgeordneten verlassen die Fraktion?

Der bisherige Landwirtschafts- und Forschungsminister Cem Özdemir, 59, wird dem neuen Bundestag nicht mehr angehören. Ihn zieht es nach Baden-Württemberg, um dort möglichst Ministerpräsident Winfried Kretschmann nachzufolgen. In Baden-Württemberg wird im Frühjahr 2026 gewählt. Kretschmann ist der einzige grüne Ministerpräsident in Deutschland.

Nach 15 Jahren im Bundestag verlässt Sven-Christian Kindler, Haushaltsexperte der Grünen, ebenfalls die Fraktion. Demokratie lebe vom Wechsel, sagte er einmal. Aber der Hauptgrund ist, dass Kindler, gerade 40 Jahre geworden, mehr Zeit für seine Familie haben will. „Die Erwartung in der Politik ist, dass man 24/7 erreichbar ist“, sagte er Ende Dezember der „taz“. „Darauf habe ich keine Lust mehr.“

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Auch der ehemalige Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske, 73, sowie die frühere Landwirtschaftsministerin Renate Künast, 69, verlassen den Bundestag. Sie wolle Platz für Jüngere machen, sagte Künast.

Dieter Janecek, 48, hätte gern den Wiedereinzug in den Bundestag geschafft. Der Münchner war 2013 ins Parlament gewählt worden und zuletzt Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Tourismus. Im vergangenen Jahr verlor Janecek jedoch die Abstimmung für die beiden besten Listenplätze in seinem Münchener Wahlkreis. Auch der Wiedereinzug per Direktmandat gelang ihm nicht.

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