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Coronakrise DIW-Präsident Fratzscher fordert Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten

Geschlossene Ladengeschäfte in der Coronakrise haben dem Onlinehandel in die Hände gespielt. Der Ökonom Fratzscher fordert von der Politik, für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen.
19.06.2021 - 10:20 Uhr Kommentieren
Flexiblere Ladenöffnungszeiten zur Unterstützung des Einzelhandels sind umstritten. Quelle: dpa
Sonntagsöffnung

Flexiblere Ladenöffnungszeiten zur Unterstützung des Einzelhandels sind umstritten.

(Foto: dpa)

Berlin Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fordert angesichts der schwierigen Lage vieler Einzelhandelsbetriebe eine Lockerung der Ladenöffnungszeiten. „Eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist dringend geboten, damit der stationäre Einzelhandel sich im Wettbewerb gegen den Onlinehandel behaupten und Arbeitsplätze sichern kann“, sagte Fratzscher dem Handelsblatt. „Durch die Pandemie gab es eine massive Verschiebung hin zum Onlinehandel, was sich auch nach der Pandemie nicht komplett wieder umkehren wird.“

Fratzscher sieht die Politik in der Pflicht, für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. Das könne nicht bedeuten, dass Menschen 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche online einkaufen könnten, aber der stationäre Einzelhandel weiterhin ein „enges Korsett“ habe und auch sonntags geschlossen sein müsse. „Anstelle von Sanktionen oder Abgaben für den Onlinehandel, sollte die Politik den stationären Einzelhandel attraktiver machen“, betonte der DIW-Chef.

Dazu gehörten neben flexibleren Einkaufszeiten auch moderne urbane Konzepte, durch die die Innenstädte wieder attraktiver werden. „Dies hat nicht nur einen unmittelbaren ökonomischen Wert, sondern es ist auch aus sozialer und gesellschaftlicher Perspektive sehr wichtig, dass Menschen sich persönlich begegnen und miteinander in Kontakt kommen“, sagte Fratzscher.

Der Handel und die Kommunen plädieren ebenfalls für flexiblere Ladenöffnungszeiten. „Wir müssen jetzt alles tun, damit unsere Innenstädte und Ortskerne nicht weiter veröden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, dem Handelsblatt.

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    „Da wäre es ein positives Signal, zusätzliche Sonntagsöffnungszeiten zu ermöglichen.“ Damit werde für die Menschen nach der Pandemie die Innenstadt und der Ortskern auch wieder erlebbar.

    Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte am Freitag vorgeschlagen, die Geschäfte zumindest bis Jahresende auch sonntags öffnen zu lassen. „Das wäre ein klares Signal an die Menschen, dass die Innenstädte wieder offen und die Geschäfte wieder für alle da sind“, begründete HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth den Vorstoß.

    „Zudem gibt das den Händlern die Chance, wenigstens ein bisschen des während der Lockdowns verlorenen Umsatzes nachzuholen.“ Auch darüber hinaus sollte es verlässlichere Regeln für eine rechtssichere gelegentliche Sonntagsöffnung geben.

    Städtebund warnt vor Verödung der Innenstädte

    Allerdings zieht es schon jetzt, trotz des Online-Booms, immer mehr Verbraucher in die Läden zurück. „Die Kundenzahl und die Umsätze sind durch die Öffnungen der letzten Wochen deutlich gestiegen“, heißt es beim HDE. Hauptgeschäftsführer Genth betont aber, dass die Zahlen vielerorts noch immer noch unter Vor-Krisen-Niveau liegen.

    Nach den jüngsten Daten aus der vorletzten Woche bremsen Test- und Terminpflicht das Geschäft deutlich. Nur gut halb so viele Kunden wie üblich finden den Weg in die Läden. Bildet dagegen eine Obergrenze für die Zahl der Menschen im Geschäft die einzige Zugangsbeschränkung, liegt die Kundenzahl demnach schon bei gut 80 Prozent, der Umsatz sogar noch etwas höher.

    Der Städtebund fürchtet indes, dass die Innenstädte und Ortskerne nach der Pandemie zu veröden drohen – und verweist auf die schwierige Lage des Handels. Demnach könnten über 100.000 Einzelhandelsgeschäfte schließen oder gar nicht mehr öffnen.

    Damit stünden fast 500.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, sagte Landsberg. Der Onlinehandel habe hingegen sieben Tage die Woche, 24 Stunden geöffnet und habe seinen Umsatz im vergangenen Jahr auch pandemiebedingt auf über 72 Milliarden Euro steigern können.

    Der Sonntagsöffnungs-Vorschlag stößt indes bei der Gewerkschaft Verdi auf Gegenwehr. „Die Politik ist gut beraten, wenn sie an dem Verbot der Sonntagsarbeit im Handel festhält und die Intention des im Grundgesetz verankerten Schutzes des freien Sonntags wahrt“, sagte Stefanie Nutzenberger, die den Fachbereich Handel bei der Gewerkschaft leitet, der Nachrichtenagentur Reuters. „Zusammen mit unseren kirchlichen Bündnispartnern in der Bundesallianz für den freien Sonntag werden wir uns mit allen Mitteln gegen diesen Generalangriff des HDE zur Wehr setzen.“

    Der Handelsverband sieht dagegen eine Ungleichbehandlung der Branchen. In vielen anderen Wirtschaftsbereichen sei eine Sonntagsöffnung vollkommen selbstverständlich. „In Restaurants und Gaststätten gehört es zum Alltag, dass die Türen auch am Sonntag weit geöffnet sind“, sagte Genth.

    Genauso sei es bei Theatern, Kinos oder Museen, ebenso an den Fließbändern vieler Fabriken. „Nur beim Einzelhandel muss sonntags im Regelfall alles dicht sein“, sagte Genth. „Das ist längst nicht mehr zeitgemäß.“

    Einkaufen diene heutzutage nicht mehr nur der Versorgung, sondern Bummeln und Shopping seien auch ein Freizeitevent. Landsberg ergänzte: „Zusätzliche Sonntagsöffnungszeiten wären ein kleines, aber wichtiges Signal, dass die Innenstädte und Ortskerne Zukunft haben.“

    Mehr: Umfrage: Mehrheit der Händler schiebt notwendige Investitionen auf

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