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Energiewende Bund will bei Netzbetreiber Tennet einsteigen

Der Bund will sich am niederländischen Stromnetzbetreiber Tennet beteiligen. Die Höhe steht noch nicht fest. Das Unternehmen begrüßt den Schritt.
19.05.2020 - 14:43 Uhr Kommentieren
Bisher gehört Tennet zu 100 Prozent dem niederländischen Staat. Deutschland will einsteigen. Quelle: dpa
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

Bisher gehört Tennet zu 100 Prozent dem niederländischen Staat. Deutschland will einsteigen.

(Foto: dpa)

Berlin Seit Monaten wird über den Einstieg des Bundes beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet spekuliert. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte zwar immer wieder betont, man prüfe verschiedene Optionen, sich aber bislang nicht festlegen wollen. Das ist nun anders, eine Entscheidung ist gefallen.

„Die Energiewende wirkt sich erheblich auf die Stromübertragung und insbesondere auf Übertragungsnetzbetreiber sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland aus. Sie kann nur gelingen, wenn wir die Vorteile engerer Zusammenarbeit und Abstimmung mit unseren niederländischen Nachbarn nutzen. Dabei geht es darum, effiziente und innovative Lösungen für Netze zu entwickeln und die notwendigen Investitionen in die Netze so kosteneffizient wie möglich zu tätigen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Dienstag.

Der niederländische und der deutsche Staat haben in einer Absichtserklärung vereinbart, dass man sich in den kommenden Monaten über die Details verständigen will. In der Erklärung heißt es, man wolle die Optionen bezüglich Investitionen und Beteiligungen seitens Deutschlands und der Niederlande bei Tennet prüfen und ein gemeinsames Vorgehen zur Stärkung der Kapitalbasis von Tennet entwickeln. Dabei soll es auch um die Frage gehen, ob sich der Bund an der niederländischen Holding oder an der deutschen Tochter beteiligen wird. Tennet gehört zu 100 Prozent dem niederländischen Staat.

Das Unternehmen begrüßt den Plan. „Tennet spielt eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Energiewende. Das gilt für Deutschland und die Niederlande gleichermaßen. Daher ist es nur konsequent, dass der deutsche und der niederländische Staat gemeinsame Anteilseigner bei Tennet werden“, sagte Manon van Beek, CEO der Tennet Holding, dem Handelsblatt. Eine enge Zusammenarbeit der beiden Staaten beim ersten grenzüberschreitenden Übertragungsnetzbetreiber in Europa sei ein „logischer Schritt“, sagte van Beek.

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    Tennet betreibt das Stromübertragungsnetz in den Niederlanden und außerdem einen Teil des Stromübertragungsnetzes in Deutschland. Das Tennet-Netz in Deutschland reicht von der Nordsee bis nach Bayern.

    Das Stromübertragungsnetz in Deutschland ist fragmentiert. Neben Tennet gibt es drei weitere Betreiber: 50Hertz in Ostdeutschland, Amprion im Westen und in einem kleinen Teil Süddeutschlands sowie TransnetBW im Südwesten.

    Tennet trägt in Deutschland die Hauptlast des Netzausbaus, der essenziell für das Gelingen der Energiewende ist: Die Stromerzeugung verlagert sich mehr und mehr in die windreichen Regionen des Nordens, von dort muss der Strom in die Verbrauchszentren im Westen und Süden Deutschlands geleitet werden. Bislang sind die Netzkapazitäten unzureichend. Neben den neuen „Stromautobahnen“ von Nord nach Süd baut Tennet auch den größten Teil der Netzanbindungen für die Offshore-Windparks.

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    Das Unternehmen muss Jahr für Jahr Milliardenbeträge mobilisieren. „Wir werden in der kommenden Dekade jährlich voraussichtlich vier bis fünf Milliarden Euro investieren. Davon fließt der Großteil nach Deutschland, ein kleinerer in die Niederlande“, sagte van Beek. Vor diesem Hintergrund ist auch der geplante Einstieg des Bundes zu sehen. Als der niederländische Staat den Übertragungsnetzbetreiber 2009 dem Eon-Konzern abkaufte, war zwar bereits klar, dass erheblicher Ausbaubedarf besteht. Seitdem haben sich die Anforderungen an den Ausbau aber stetig erhöht.

    In den Niederlanden gibt es seit Jahren Kritik daran, dass der niederländische Staat den Ausbau des deutschen Stromnetzes stemmen muss. Mit der Beteiligung des deutschen Staates soll daher auch erreicht werden, dass sich die Lasten der Finanzierung auf beide Länder verteilen. Es sei „wichtig und richtig“, dass die beiden Länder künftig auf Augenhöhe zusammenarbeiteten, sagte van Beek.

    Bei Tennet denkt man aber auch über die deutsch-niederländische Zusammenarbeit hinaus. „Die Energiewende ist eine der größten Herausforderungen, die wir als Gesellschaft zu bewältigen haben. Wenn wir dieses Projekt nachhaltig, effizient und erfolgreich gestalten wollen, dann geht das nur als gesamteuropäische Anstrengung“, sagte Tim Meyerjürgens, Chief Operating Officer der Tennet Holding. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Deutschland könne „der Nukleus für eine europäische Energiewende werden“, sagte Meyerjürgens.

    Zeitpunkt für Einstieg bei 50Hertz ebenfalls gut

    Der geplante Einstieg des Bundes wirft die Frage auf, ob die Übertragungsnetze als Teil der kritischen Infrastruktur nicht ohnehin besser komplett im Eigentum der öffentlichen Hand liegen sollten. Erst kürzlich hatte die Bundestagsfraktion der Grünen einen Antrag vorgelegt, in dem gefordert wird, den öffentlichen Einfluss auf das Stromnetz zu stärken.

    Beim Übertragungsnetz handele es sich um ein natürliches Monopol, bei dem es „per Definition keinen Wettbewerb geben kann und damit auch die Vorteile einer privatwirtschaftlichen Lösung wegfallen“, heißt es darin. Daher sollte der Staat mehr Verantwortung übernehmen und Einfluss auf das Monopol zurückgewinnen. Dies könne er erreichen, indem er seine Anteile an den deutschen Netzbetreibern erhöhe und diese in eine Bundesnetzgesellschaft überführe.

    Der Bund hat derzeit nicht nur die Möglichkeit, bei Tennet einzusteigen. Auch beim Netzbetreiber 50Hertz stünden die Vorzeichen im Moment günstig. Der chinesische Stromnetz-Konzern SGCC hatte 2018 gleich zweimal versucht, zwei zum Verkauf stehende 20-Prozent-Anteile an dem Netzbetreiber 50Hertz zu erwerben.

    Beim ersten Anlauf machte der belgische Haupteigentümer Elia von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch. Beim zweiten Versuch bekam die staatliche Förderbank KfW den Zuschlag. Der Angriff der Chinesen konnte abgewehrt werden. Seitdem hält die KfW den Anteil. Bislang hatte das Bundeswirtschaftsministerium stets betont, die KfW halte den Anteil nur vorübergehend.

    Aus Sicht von Tennet ist die Eigentumsfrage nicht ausschlaggebend. „Entscheidend ist, dass die Übertragungsnetzbetreiber eng zusammenarbeiten, nicht nur beim Netzausbau, sondern auch bei Innovationen. Das gilt unabhängig von den Eigentümerstrukturen“, sagte van Beek.

    Mehr: Bundesregierung will sich Einfluss auf kritische Infrastruktur sichern

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