FDP: In Christian Lindners Niederlage steckt kalkül – wie schon vor 13 Jahren
Berlin. Christian Lindner ist gescheitert. „Es gibt den Moment, in dem man seinen Platz freimachen muss, um eine neue Dynamik zu ermöglichen“, sagt er in einem knappen Statement. Am Ende gibt es noch ein freundliches „Auf Wiedersehen“. Das ist seine Botschaft: Mit mir ist noch zu rechnen.
Dieser Auftritt ist knapp 13 Jahre her. Lindner verkündete Ende 2011 seinen Rücktritt als FDP-Generalsekretär, um zwei Jahre später die Partei in ihrer größten Krise, als sie aus dem Bundestag geflogen war, als Vorsitzender zu übernehmen.
Von einer „neuen Dynamik“ hat Lindner auch in den vergangenen Wochen viel gesprochen. Dieses Mal war es ein Ultimatum an sich und vor allem an SPD und Grüne: Entweder die Ampel einigt sich auf weitreichende Wirtschaftsreformen, oder die Koalition verliert ihre Existenzberechtigung. Es endete Mittwochabend mit Variante zwei.
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Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat Lindner aus der Regierung geworfen. Am Donnerstagnachmittag um kurz nach 14 Uhr bekam der Finanzminister seine Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausgehändigt.
Lindner ist erneut gescheitert. Wie schon vor 13 Jahren steckt aber auch in dieser Niederlage ein Kalkül. Als Lindner am Donnerstagmittag im Hans-Dietrich-Genscher-Haus seine Sicht auf das Ampel-Aus schildert, gibt es wieder eine „Auf Wiedersehen“-Botschaft.
Diesmal nicht versteckt, sondern tollkühn-offensiv. Lindner: „Ich trete bei der nächsten Bundestagswahl – wenn meine Partei es wünscht – auch als Spitzenkandidat an, nicht um die FDP wieder in den Deutschen Bundestag zu führen, sondern um nach der nächsten Bundestagwahl meine Arbeit als Bundesminister der Finanzen wieder aufzunehmen.“
Ist das Chuzpe? Galgenhumor? Liberaler Optimismus?