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Frühkindliche Bildung Erfolgsstory Kita-Ausbau: OECD lobt Deutschland

Deutschland steht im internationalen Vergleich bei der Kinderbetreuung gut da, lobt die OECD. Dennoch gibt es Kritik, es fehle an Personal und viele Erzieher seien „am Limit“.
09.09.2020 - 15:17 Uhr Kommentieren
Beim Kita-Ausbau und der Kinderbetreuung steht Deutschland laut Bericht der OECD im internationalen Vergleich gut da. Dennoch gibt es Kritik. Quelle: dpa
Kindertagesstätte

Die OECD ist mit der frühkindlichen Bildung hierzulande ganz zufrieden.

(Foto: dpa)

Berlin Der Kita-Ausbau ist eine Daueraufgabe der deutschen Politik: Noch immer fehlen Hunderttausende Kita-Plätze. Auch die Zahl und die Qualifizierung der Erzieherinnen und Erzieher lassen vielfach zu wünschen übrig. 

Dennoch: Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei der Kinderbetreuung inzwischen ganz weit vorn, lobt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sehr viele Länder haben demnach in den vergangenen Jahren Kitas ausgebaut und das Angebot für unter Dreijährige erhöht. 

2018 besuchten in Deutschland bereits 41 Prozent der Einjährigen Krippen oder Kitas – das liegt deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 34 Prozent. Bei den Zweijährigen waren es 67 Prozent – auch dieser Wert liegt gut ein Fünftel über dem OECD-Durchschnitt. 

„Ein guter Start ins Leben“, findet die OECD. „In diesem Bildungsbereich hat sich in Deutschland in den letzten 20 Jahren am meisten getan“, lobte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bei der Vorstellung des jüngsten Bildungsberichts der Industrieländerorganisation. Das sei zentral, denn „frühkindliche Bildung ist das Fundament für den Erfolg und die Chancengerechtigkeit.“  

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    In vielen OECD-Ländern gibt es mindestens ein oder zwei Jahre vor der Einschulung einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Und damit auch auf Förderung. In Deutschland gilt der Rechtsanspruch mittlerweile ab dem ersten Geburtstag. Von den Drei- bis Fünfjährigen nahmen 2018 schon 94 Prozent an Vorschulbildungsangeboten teil gegenüber 88 Prozent im Durchschnitt der OECD-Länder.

    Diese Phase gilt als besonders wichtig, um die Kinder beispielsweise auch sprachlich gut auf die Schule vorzubereiten. Das gilt nicht nur für diejenigen, in deren Elternhaus kein Deutsch gesprochen wird, sondern auch für die, die in sogenannten bildungsfernen Familien aufwachsen.  

    Der pädagogische Wert und das sonstige Wohlergehen der Kinder stehen und fallen allerdings mit der Zahl und der Qualifikation der Erzieherinnen. In Deutschland kommen nach der OECD-Statistik in der frühkindlichen Bildung, also in der Regel für die unter Dreijährigen, auf jede pädagogische Fachkraft fünf Kinder – gegenüber sieben im Durchschnitt der OECD-Länder. Im Vorschulbereich sind es neun Kinder pro Fachkraft, OECD-weit sind es dagegen 14 Kinder. 

    Betreuungsschlüssel im Osten besser als im Westen

    Diese Zahlen für Deutschland decken sich in etwa mit den aktuellen Daten des Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme 2020 der Bertelsmann Stiftung. Hier lautete der Befund: Im Schnitt kommen in Krippengruppen 4,2 Kinder auf eine Fachkraft, in Kindergartengruppen 8,8 Kinder.

    Grund zur Zufriedenheit waren diese Zahlen für die Experten der Bertelsmann Stiftung allerdings nicht. Sie pochen auf Empfehlungen, nach denen in Krippengruppen rechnerisch drei Kinder auf eine Fachkraft kommen sollten und in Kindergartengruppen maximal 7,5.

    Demnach stand für 74 Prozent der Kita-Kinder (1,7 Millionen Kinder) in amtlich erfassten Kita-Gruppen nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung. In Ostdeutschland betraf dies 93 Prozent der Kinder, in Westdeutschland 69 Prozent. Das sei „nicht kindgerecht“, so das Fazit.

    Kritik: Erzieher arbeiten „am Limit“

    Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) konterte solche Kritik an der Politik und den 57.000 Kitas der Republik. „Es ist nicht richtig, derart gravierende Zweifel an einer kindgerechten Betreuung in den Kitas zu säen“, beteuerte Giffey. Eine kindgerechte Arbeit der Erzieher lasse sich nicht nur am Betreuungsschlüssel festmachen.

    Mit ihrem „Gute-Kita-Gesetz“ hatte Giffey indes auch den Personalschlüssel in den Blick genommen – als eine von zehn Qualitätsmaßnahmen, die von 2019 bis 2022 mit insgesamt 5,5 Milliarden Euro in den Ländern gefördert werden. Laut Angaben des Bundesfamilienministeriums setzen elf von 16 Bundesländern nun auf die Verbesserung des Personalschlüssels.

    Aus der Praxis kommen kritische Stimmen. Dass die Situation in den Kitas vielerorts miserabel sei und vor allem gut qualifizierte pädagogische Fachkräfte fehlten, dieser Eindruck könne „nur bestätigt“ werden, heißt es etwa beim großen überregionalen, freigemeinnützigen Kita-Träger Fröbel. Erzieher arbeiteten vielerorts „am Limit oder darüber hinaus“.

    Erzieher gesucht: Es fehlen qualifizierte Fachkräfte

    Kritik musste Giffey dafür einstecken, dass die von ihr gestartete „Fachkräfteoffensive“ nicht wie geplant bis 2022 läuft. Mit dem Bundesprogramm sollte es attraktiver werden, eine Erzieherausbildung anzufangen, sie abzuschließen und danach im Beruf zu bleiben. Ursprünglich war vorgesehen, dass dafür von 2019 bis 2022 insgesamt rund 300 Millionen Euro an die Länder fließen. Doch dann ließ der Bund die Förderung nach dem ersten Jahrgang 2019/2020 auslaufen.

    „Nach wie vor ist es eine große Herausforderung, gut ausgebildete pädagogische Fachkräfte am Arbeitsmarkt zu finden“, berichtete Fröbel-Geschäftsführer Stefan Spieker. Andererseits suchten aktuell immer mehr Menschen einen zukunftssicheren Arbeitsplatz. Das müsse zusammengebracht werden.

    Laut Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos liegt die Personallücke in der frühen Bildung – also bei Kita- und Grundschulkindern im Alter von eins bis zehn Jahren – bis zum Jahr 2025 bei bis zu 191.000 Erziehern. Bis zum Jahr 2030 fehlen demnach sogar 199.000 Erzieher.

    Quereinsteiger sollen besser gefördert werden

    Doch woher soll das dringend benötigte Personal kommen? „Der Trend scheint aktuell dahin zu gehen, durch eine Absenkung des Qualifikationsniveaus die Ausbildungszeiten zu verkürzen beziehungsweise den Weg über den Quereinstieg in das Berufsfeld noch stärker zu öffnen“, heißt es in einer bundesweiten Umfrage unter Kita-Leitungskräften.

    So hätten mehrere Bundesländer bereits ihre Fachkräfte-Kataloge oder Personalvereinbarungen für weitere Berufsgruppen geöffnet. Das sei zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen der Fall.

    Die Kultusministerkonferenz diskutiere zudem eine verkürzte Erstausbildung zum „Fachassistenten“ für frühe Bildung und Erziehung unterhalb der Erzieherausbildung. „Die Gefahr, die damit einhergeht, ist eine generelle Absenkung der professionellen Standards im Berufsfeld“, heißt es in der DKLK-Studie. Auch die OECD mahnte nun, Deutschland müsse noch an der Qualifikation des Personals arbeiten.

    Immerhin lässt sich Deutschland die weit überdurchschnittliche Betreuung etwas kosten: In der vorschulischen Bildung betrugen 2017 die jährlichen Gesamtausgaben 11.075 US-Dollar pro Kind und damit rund 2000 Dollar mehr als im Durchschnitt der OECD-Länder. Anders als in den deutschen Schulen werden die überdurchschnittlichen Ausgaben auch nicht durch weit überdurchschnittliche Gehälter ausgehebelt, sondern verbessern die Versorgung direkt.

    In den Schulen hingegen liegen die Lehrergehälter um etwa 70 bis 80 Prozent über dem Schnitt der Industrieländer. „Der Preis dafür sind weniger Unterricht und größere Klassen“, kritisierte OECD-Bildungsdirektor Schleicher. Andererseits fehlt Erziehern hierzulande die Aussicht auf beruflichen Aufstieg und Gehaltsverbesserungen.

    Mehr: Deutschland liegt beim digitalen Lernen im internationalen Vergleich hinten.

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