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Industrieländer OECD fordert von Politikern, trotz Rezession nicht an Bildung zu sparen

Die Corona-Rezession darf nicht zulasten von Schulen und Universitäten gehen, mahnt die OECD. Deutschland müsse vor allem die duale Ausbildung sichern.
08.09.2020 - 14:39 Uhr Kommentieren
Kosten der Bildung: OECD warnt vor Sparmaßnahmen Quelle: dpa
Schulunterricht

Bei den Bildungsausgaben schneidet Deutschland im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ab.

(Foto: dpa)

Berlin Die OECD warnt die Politiker aller Länder eindringlich, trotz der „brutalen Rezession“ durch den Corona-Lockdown keinesfalls an der Bildung zu sparen. Es dürfe nicht sein, dass der globale Einbruch der Wirtschaft und die daraus folgenden geringeren Staatseinnahmen zu substanziellen Sparmaßnahmen in Schulen und Hochschulen führen, heißt es in einem Papier der Industrieländer-Organisation zu den Folgen der Pandemie für das Bildungssystem. 

Deutschland habe einen großen Vorteil durch die duale Ausbildung, da diese zu einem Drittel durch die Wirtschaft finanziert werde, sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bei der Vorstellung des internationalen OECD-Bildungsvergleichs in Berlin. Nun komme ihr auch „in der Erholungsphase nach der Pandemie eine Schlüsselrolle zu“.  Der Vorteil könne aber nur dann weiterwirken, „wenn die Unternehmen trotz Corona weiter ausreichend ausbilden“. 

Aktuell droht allerdings ein Einbruch: Den Umfragen der Wirtschaftsverbände und den Daten der Agentur für Arbeit zufolge könnte die Zahl der neuen Ausbildungsverträge dieses Jahr rund acht Prozent unter Vorjahr liegen. 

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Stefanie Hubig (SPD) zeigten sich zwar zuversichtlich, dass auch dieses Jahr mit einer Zeitverzögerung von acht bis zwölf Wochen womöglich doch ähnlich viele neue Azubis einen Platz bekommen würden wie 2019. Konkrete Daten dafür gebe es dafür allerdings noch nicht, sagte Hubig. 

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    Ein Problem ist hierzulande vor allem der Rückgang der Ausbildung bei Kleinunternehmen. Dazu empfiehlt die OECD, sich Norwegen zum Vorbild zu nehmen: Dort schließen sich Kleinunternehmer für die Ausbildung zusammen.

    Hohe Bildungsausgaben durch starkes Engagement der Wirtschaft

    Zudem müsse die Ausbildung auch in Deutschland moderner und anschlussfähiger werden. Formal hätten heute zwar die meisten Ausgelernten die Möglichkeit zu studieren. „In der Praxis spielt das aber noch kaum eine Rolle“, so OECD-Bildungsdirektor Schleicher. Hier schneide etwa die Schweiz weit besser ab. 

    Auch sei die Kluft beim Verdienst zwischen beruflich ausgebildeten Fachkräften und Akademikern sehr groß – auch im Vergleich mit anderen Ländern. 

    Bei den Bildungsausgaben schneidet Deutschland im internationalen Vergleich nach wie vor unterdurchschnittlich ab: Nach dem OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“ steckte der Staat 2017 nur neun Prozent seiner gesamten Ausgaben in die Bildung. Der Schnitt der gesamten OECD liegt bei elf Prozent.

    In zahlreichen Industrieländern liegt der Anteil sogar zwischen zwölf und 14 Prozent, darunter sind unter anderem die Schweiz, Neuseeland, Israel, Dänemark, Australien, Norwegen und Großbritannien. 

    Grafik

    Auch der Anteil am Bruttosozialprodukt, der in die Bildung fließt, ist in Deutschland unterdurchschnittlich: 2017 waren es 4,2 Prozent. Das sind 0,7 Prozentpunkte weniger als im OECD-Schnitt.

    Karliczek verwies jedoch auf die überdurchschnittlich hohen Ausgaben pro Kopf. In der Tat gibt Deutschland pro Schüler deutlich mehr aus als andere Länder: 2017 waren es 12.195 US-Dollar – und damit gut 2000 US-Dollar mehr als im OECD-Schnitt. Das liege allerdings „fast ausschließlich am hohen Engagement der Wirtschaft in der beruflichen Bildung“, so Schleicher. Damit liegt Deutschland bei den Pro-Kopf-Ausgaben in der Berufsbildung sogar rund 40 Prozent über dem Schnitt. 

    In Grundschulen hingegen schneidet Deutschland nur durchschnittlich ab. Dazu kommen noch die im internationalen Vergleich enorm hohen Lehrergehälter. Daraus resultierten „weniger Unterricht und größere Klassen“, sagte Schleicher.  

    Nur in Luxemburg verdienen Lehrer mehr als in Deutschland

    Die OECD-Daten zeigen: Die tatsächlichen und zudem kaufkraftbereinigten Gehälter deutscher Lehrer liegen um etwa 70 bis 80 Prozent über dem Schnitt der Industrieländer. So kommt nach den OECD-Daten beispielsweise ein Lehrer der Sekundarstufe I nach 15 Berufsjahren auf fast 85.000 US-Dollar. Mehr zahlt lediglich Luxemburg mit 110.000 US-Dollar. 

    In den Niederlanden, die auf Platz drei liegen, sind es schon nur noch 77.000 US-Dollar. Der EU-23-Schnitt liegt bei knapp 50.000 US-Dollar.  

    Während in fast allen anderen Ländern Lehrer im Schnitt weniger verdienen als andere Akademiker, kassieren sie in Deutschland bis zu neun Prozent mehr. Die einzige Ausnahme sind Grundschullehrer, die in der OECD-Statistik bei 93 Prozent der allgemeinen Akademikergehälter liegen. Doch auch das könnte sich bald ändern. Denn in vielen Bundesländern gibt es einen Trend zur Angleichung der Grundschullehrer-Saläre an die der Kollegen der weiterführenden Schulen.  

    Dass trotz der guten Gehälter akuter Lehrermangel herrscht, erklärte KMK-Präsidentin Hubig damit, dass es lange zu wenig Studienplätze für Lehramtsstudierende gegeben habe. Zuletzt sei hier aber nachgebessert worden. 

    Schleicher sieht einen anderen Grund für den Lehrermangel: Der Lehrerberuf sei in Deutschland weniger attraktiv, weil Lehrer hier weniger Entfaltungsmöglichkeiten hätten.

    „In Deutschland werden nur 13 Prozent aller relevanten Entscheidungen vor Ort in den Schulen getroffen. In den Niederlanden sind es 85 Prozent.“ Und in Finnland kämen trotz deutlich geringerer Gehälter auf jede Lehrerstelle sieben bis zehn Bewerber. „Dort haben sie nicht nur fantastische Möglichkeiten, Unterricht von unten zu entwickeln, sondern auch klarere und vielfältigere Karriereperspektiven jenseits des Schulleiterpostens.“ 

    Die Lehre an den Hochschulen lasse sich Deutschland pro Student sogar deutlich weniger kosten als im OECD-Mittel, kritisierte Schleicher. Pro Kopf investiert der Staat hier jährlich 10.436 US-Dollar, OECD-weit sind es 11.234 US-Dollar. Zudem seien die Ausgaben pro Kopf seit 2012 um fast zehn Prozent gesunken. „Das stellt die Nachhaltigkeit des ganzen Systems infrage“, warnt der OECD-Bildungsdirektor. 

    Mehr: Viele Ausbildungsstellen fallen durch die Schäden der Coronakrise in diesem Jahr weg. Nichtsdestotrotz gibt es weiterhin unbesetzte Lehrstellen.

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