Ifo-Beschäftigungsbarometer: Arbeitsmarkt: Maschinenbauer suchen Mitarbeiter, Gastronomen planen Entlassungen
Die Gastronomie plant mit weniger Mitarbeitenden.
Foto: dpaBerlin. Die Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Coronapandemie und die Auswirkungen steigender Infektionszahlen dämpfen bereits den zweiten Monat in Folge die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer gab im Januar weiter nach und fiel auf 102,4 Punkte – nach 102,9 Zählern im Dezember 2021.
Die von der Pandemie weiter stark betroffenen Branchen sehen offenbar noch kein Licht am Ende des Tunnels: „Insbesondere im Gastgewerbe und bei den Veranstaltern planen die Unternehmen eher Entlassungen als Einstellungen“, sagt Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Restriktive und teils von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Zugangsregeln halten vielfach Kunden davon ab, Restaurants oder Kulturveranstaltungen zu besuchen oder in der Innenstadt shoppen zu gehen, auch wenn die Kauflaune der Verbraucher sich wieder etwas verbessert hat.
Das Beschäftigungsbarometer beruht auf den Personalplanungen von rund 9000 Unternehmen und wird monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Die Dienstleister haben – mit wenigen Ausnahmen etwa im IT-Bereich – ihre Personalplanungen im Vergleich zum Vormonat weiter nach unten korrigiert. Im Handel planen nur wenige Unternehmen, neue Mitarbeiter einzustellen. Auch das Baugewerbe, das sich selbst in Hochphasen der Pandemie dank voller Auftragsbücher als Beschäftigungsmotor erwies, ist etwas vorsichtiger geworden.
Probleme bei den Lieferketten noch nicht vorbei
Erneut gestiegen ist die Einstellungsbereitschaft dagegen in der Industrie, die bereits seit Sommer vergangenen Jahres durch expansive Personalpolitik auffällt. Vor allem die Elektroindustrie und die Maschinenbauer seien auf der Suche nach neuen Mitarbeitern, sagt Wohlrabe.
Allerdings gibt es im Verarbeitenden Gewerbe weiter Probleme in den Lieferketten, die auch die Kurzarbeit wieder ansteigen lassen. „Das Groteske ist: Die Auftragsbücher sind voll, können aber nicht abgearbeitet werden, weil Material fehlt“, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz seiner Gewerkschaft.
Er forderte Politik und Unternehmen auf, die Abhängigkeit von Vorprodukten aus dem Ausland zu reduzieren und stärker auf heimische Produktion zu setzen: „Hauptsache billig“ sei keine erfolgversprechende Strategie, betonte Hofmann.
Trotz der aktuellen Corona-Unsicherheit sind Beschäftigungsexperten aber optimistisch, dass sich die Erholung des Arbeitsmarkts in diesem Jahr fortsetzen wird. So ist das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nach vier Rückgängen in Folge im Januar erstmals wieder gestiegen.
Der Indikator, der nicht auf Angaben von Unternehmen beruht, sondern auf einer Umfrage unter allen lokalen Arbeitsagenturen, ist gegenüber dem Vormonat um 0,6 Punkte auf 102,3 Punkte gestiegen. „Omikron wächst sich zur bislang höchsten Corona-Welle aus, aber der Arbeitsmarkt könnte ohne große Schrammen durchkommen“, sagt IAB-Experte Enzo Weber.
Ein Grund für die etwas besseren Erwartungen sei die Hoffnung darauf, dass trotz vieler Infektionen zusätzliche Eindämmungsmaßnahmen nicht notwendig sein werden. Dabei gebe es allerdings Unwägbarkeiten. Im Herbst sei die Wirtschaft durch die Delta-Welle und Lieferengpässe noch stark belastet gewesen. „Die Engpässe könnten sich aber langsam entschärfen“, erwartet Weber.