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KarrierenetzwerkVerfassungsschutz warnt: China wirbt Spione über LinkedIn an

Soziale Netzwerke sind längst in den Fokus ausländischer Geheimdienste gerückt. Aktuell sieht der Verfassungsschutz Linkedin im Visier chinesischer Spione.Dietmar Neuerer 22.01.2020 - 11:44 Uhr

Über das Netzwerk identifiziert der chinesische Nachrichtendienst für ihn interessante Profile.

Foto: Reuters

Berlin. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat davor gewarnt, dass chinesische Geheimdienste insbesondere über das soziale Netzwerk LinkedIn versuchen, deutsche und europäische Behörden zu infiltrieren. Es gebe „weiterhin Anwerbungsversuche chinesischer Nachrichtendienste mittels Fake-Profilen insbesondere im Netzwerk LinkedIn“, schreibt der deutsche Inlandsgeheimdienst in einer aktualisierten Lageeinschätzung auf seiner Webseite.

Die Methodik chinesischer Nachrichtendienste, mittels Fake-Profilen insbesondere Mitarbeiter von deutschen und europäischen Behörden für eine Zusammenarbeit zu gewinnen, ist schon länger bekannt. Die Verfassungsschützer haben darauf bereits in den Jahren 2017 und 2018 hingewiesen. Seinerzeit seien benannte Fake-Profile kurz darauf von LinkedIn gesperrt und gelöscht worden, so die Behörde.

China hatte damals die Vorwürfe zurückgewiesen und von „grundlosen Anschuldigungen“ gesprochen, für die es keine Beweise gebe. Nun jedoch finden offenbar wieder Anbahnungsaktivitäten chinesischer Spione in dem Karrierenetzwerk statt.

Auch andere Geheimdienste haben soziale Netzwerke im Visier – aus naheliegenden Gründen. Auf Plattformen wie Facebook, LinkedIn oder Xing lassen sich für User auf einfache Art und Weise Informationen zu Biografien, wirtschaftlichen Verhältnissen, politischen Interessen und zum sozialen Umfeld von Nutzern abrufen. „Insbesondere chinesische Nachrichtendienste nutzen Netzwerke wie LinkedIn, um Personen mit für sie interessantem Profil zu identifizieren und im Anschluss als nachrichtendienstliche Quellen zu werben“, erklärt der Verfassungsschutz.

Aktuell ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen drei Personen wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit für China. Es habe Durchsuchungen in Berlin, Brüssel, Baden-Württemberg und Bayern gegeben, bestätigte ein Sprecher der Behörde vergangene Woche.

„Die Gefahr chinesischer Spionage ist akut“

Demnach geht es um einen ehemaligen EU-Diplomaten und zwei Mitarbeiter einer deutschen Lobbyfirma. Zwei der Verdächtigen sollen private und geschäftliche Informationen an das chinesische Ministerium für Staatssicherheit geliefert und einer sich dazu bereiterklärt haben, berichtete das Magazin „Der Spiegel“. Zu den Personen und weiteren Details machte die Bundesanwaltschaft keine Angaben.

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Der Fall wirft generell ein Schlaglicht auf die Aktivitäten chinesischer Nachrichtendienste in Deutschland. „Die Gefahr chinesischer Spionage ist akut“, sagte der FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae dem Handelsblatt. China versuche auf allen Ebenen, Hinweisgeber und Spitzel zu rekrutieren und gehe hierbei sehr flexibel vor. Die Volksrepublik nutze die geringen Hemmschwellen für die erste Kontaktaufnahme im Internet. „Was früher die Hotelbar war, sind heute Facebook und andere Netzwerke“, sagte Thomae.

Der CDU-Sicherheitspolitiker Patrick Sensburg zeigte sich insbesondere mit Blick auf die Debatte um das chinesische Unternehmen Huawei beim Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes besorgt. „Ich bin ein bisschen beunruhigt, wenn wir da blauäugig rangehen“, sagte Sensburg dem Handelsblatt. „Es geht um den Schutz unserer Daten, da müssen wir die höchsten Sicherheitsanforderungen anlegen.“ Sensburg hält es daher für geboten, eine Netzinfrastruktur mit einem Anbietermix aufzubauen, um nicht in von einem Anbieter abhängig zu werden.

Mehr: Der Verfassungsschutz empfiehlt China-Reisenden, nach ihrer Rückkehr nach Deutschland ihre Handys notfalls zu entsorgen. Auch Politiker halten Sicherheitsvorkehrungen für geboten.

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