Krankenkassen: Rechnungshof warnt vor fehlenden Rücklagen der Kassen
Berlin. Die Debatte über steigende Krankenkassenbeiträge gehört längst zum politischen Alltag. Doch was der Bundesrechnungshof in einem 35-seitigen Bericht zusammengetragen hat, der dem Handelsblatt vorliegt, geht weit über die übliche Auseinandersetzung hinaus.
„Die Kassenlage ist prekär“, fasst Jürgen Pimpertz vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Ergebnisse zusammen. Rücklagen reichen kaum noch, die Ausgaben steigen so stark wie seit 30 Jahren nicht mehr, und Schulden werden nicht abgebaut, sondern in die Zukunft verschoben.
Besonders deutlich wird das im Gesundheitsfonds, dem zentralen Konto der Krankenkassen. Ende 2024 lagen dort 5,7 Milliarden Euro. 2025 sollen es nur noch 4,9 Milliarden sein. Eigentlich soll die Rücklage mindestens 20 Prozent der monatlichen Ausgaben ausmachen – im vergangenen Jahr waren es gerade einmal sechs Prozent. „Schon heute unterschreiten etliche Krankenkassen die gesetzlich geforderten Rücklagen“, bestätigt Pimpertz.
Dass die Puffer so gering ausfallen, ist politisch gewollt. Der Gesetzgeber zwang die Kassen vor einigen Jahren, ihre Reserven abzubauen, um Beitragserhöhungen zu vermeiden. „Heute stehen sie deshalb fast ohne Puffer da“, sagt Pimpertz.