Long Covid: Welche Folgen das Warten auf Forschungsgelder hat
Berlin. Einige Betroffene liegen seit Jahren im Bett, viele sind auf Pflege angewiesen, manche verlieren jede Hoffnung. ME/CFS ist eine Krankheit, die extreme Erschöpfung, Schmerzen und Konzentrationsstörungen verursacht und infolge von Long Covid auftreten kann. Obwohl Forschende wie Carmen Scheibenbogen, leitende Ärztin an der Berliner Charité, mögliche Therapien gefunden haben, fehlt es bisher an staatlicher Unterstützung. „Das war ehrlich gesagt ein Schock“, sagt sie über die jüngste Ablehnung eines Forschungsantrags.
Scheibenbogens Antrag von 2023 – inzwischen hat sie einen neuen Antrag eingereicht – sei damals von einem Expertengremium aus fachlichen Gründen abgelehnt worden, erklärte das Forschungsministerium dem Handelsblatt auf Anfrage. Der Ärztin zufolge sei ihr die Absage aber damit begründet worden, dass Long Covid „nicht mehr relevant“ sei, weil es kaum noch neue Fälle gebe.
Ohne staatlich finanzierte Grundlagenforschung wird kaum ein Pharmaunternehmen in die Medikamentenentwicklung einsteigen. Die fehlende Förderung trifft vor allem Patientinnen und Patienten, die auf Therapien und Behandlungen warten.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung zählte 2021 etwa 500.000 ME/CFS-Erkrankte in Deutschland. Der Verein „Nicht Genesen“ geht sogar von bis zu 2,5 Millionen Menschen aus, die langfristige Schäden nach einer Coronainfektion haben. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen, weil die Krankheit oft nicht erkannt wird.