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Pandemie-BekämpfungRKI-Chef Wieler warnt: „Es ist fünf nach zwölf“– Kommt jetzt 2G-Plus?

Die bisherigen Maßnahmen in der Pandemie-Bekämpfung reichen nicht mehr aus, mahnt das Robert Koch-Institut. SPD, Grüne und FDP beraten über ein höheres Tempo bei Auffrischungsimpfungen.Frank Specht 12.11.2021 - 12:02 Uhr Artikel anhören

Das Robert Koch-Institut stuft die Gesundheitsgefahr für nicht oder nur einmal Geimpfte als „sehr hoch“ ein.

Foto: imago images/Political-Moments

Berlin. SPD, Grüne und FDP wollen noch mehr Menschen in Deutschland zu einer Impfung bewegen und das Tempo bei Auffrischungsimpfungen beschleunigen. Bei vielen älteren Menschen seien schon mehr als sechs Monate seit der zweiten Impfung vergangen, und die Wirkung lasse nach. Deshalb müsse jetzt der „Impfturbo gezündet“ werden, sagte FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus vor einem Expertentreffen von Ampelpolitikern mit Wissenschaftlern, Praktikern und Sachverständigen.

Wahrscheinlich werde man auch um eine berufsbezogene Impfpflicht nicht herumkommen, etwa für das Pflege-, Küchen- oder Reinigungspersonal in Pflegeeinrichtungen, sagte Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen.

Das Thema sei allerdings sensibel, betonte Aschenberg-Dugnus. Man müsse aufpassen, dass sich bei einer Impfpflicht nicht noch mehr Pflegekräfte, „die man mit Gold aufwiegen muss“, aus dem Beruf verabschieden.

Bei dem Treffen sollten Wege gefunden werden, die sogenannten Booster-Impfungen vor allem bei besonders gefährdeten Menschen zu beschleunigen und „Zögerer und Zauderer“ unter den Bürgern von einer Impfung zu überzeugen.

Die vierte Welle breite sich auch deshalb so stark aus, weil es immer noch mehr als 18 Millionen nicht geimpfte Menschen gebe, der Impfschutz der früh Geimpften nachlasse und es zuletzt einen „sorglosen Umgang miteinander“ gegeben habe, sagte SPD-Expertin Sabine Dittmar. Deshalb sei man in einer „sehr dramatischen Situation“.

Infektionslage entwickelt sich regional unterschiedlich

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag 48.640 Neuinfektionen, nachdem die Zahl am Vortag erstmals die Marke von 50.000 durchbrochen hatte. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Neuansteckungen auf 100.000 Einwohner binnen einer Woche angibt, stieg weiter auf 263,7.

Regional entwickelt sich die Infektionslage aber sehr unterschiedlich. In Sachsen liegt die Inzidenz bei 569, in Thüringen bei 491 und in Bayern bei knapp 455. Schon am Donnerstag hatte das RKI in seinem Wochenbericht „dringend“ dazu aufgerufen, „größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden“, sowie alle nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren.

Außerdem stufte das Institut die Gesundheitsgefahr für nicht oder nur einmal Geimpfte als „sehr hoch“ ein. „Es ist fünf nach zwölf“, die vierte Welle rolle „jetzt mit voller Wucht“, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Spahn betonte, es müsse mehr getan werden, um die vierte Welle zu brechen. Daher wäre es geboten, bei öffentlichen Veranstaltungen eine 2G-Regel plus Test einzuführen, sagte Spahn. Zugang hätten dann nur Geimpfte und Genesene, die zusätzlich ein negatives Testergebnis vorweisen können.

Ab Samstag soll es wieder kostenlose Bürgertests geben.

Foto: AP

Außerdem halte er es für einen Fehler, die epidemische Lage von nationaler Tragweite am 25. November auslaufen zu lassen, wie es die Ampelfraktionen planen, betonte Spahn. Den Ländern würden damit wichtige Instrumente zur Pandemiebekämpfung genommen.

Zugang zu kostenlosen Coronatests

Ab Samstag hätten die Bürger wieder Zugang zu kostenlosen Tests, kündigte der Gesundheitsminister an. Die entsprechende Testverordnung unterzeichne er am heutigen Freitag, und er gehe davon aus, dass ab Anfang der Woche dann nach und nach auch das Angebot an Tests ausgebaut werde.

Außerdem werde die Vergütung für Ärzte pro Impfung von 20 auf 28 Euro und für Impfungen am Wochenende auf 36 Euro angehoben, sagte Spahn. Die Frage, ob auch Apotheker Booster-Impfungen vornehmen sollten, werfe dagegen so viele heilkundliche, berufs- und haftungsrechtliche Fragen auf, dass das sicher keine Lösung für die nächsten Wochen sei.

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Eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland hält Spahn nicht für praktikabel. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Polizei von Haustür zu Haustür gehe, um den Impfstatus der Bürger zu kontrollieren, sagte der Minister. Wolle man dann Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, die sich bisher nicht impfen lassen wolle, mit der Polizei zur nächsten Impfstelle führen lassen, fragte Spahn.

Etwas anderes sei der Zugang für Geimpfte bei Veranstaltungen oder in der Gastronomie, der müsse dann aber auch entsprechend kontrolliert werden.

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