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PandemieDrosten rechnet mit starker Corona-Welle im Winter – Lauterbach zeigt sich optimistisch

Die Prognosen der Experten weichen voneinander ab, Lauterbach weist auf die Vorkehrungen im Infektionsschutzgesetz hin. Auch Kaderali sieht wenig Gefahren für den Winter. 10.09.2022 - 11:47 Uhr Artikel anhören

Drosten warnt vor erheblichen Arbeitsausfällen durch Corona im Winter.

Foto: IMAGO/Jens Schicke

Berlin. Der Virologe Christian Drosten rechnet mit einer „starken Inzidenzwelle“ von Corona-Infektionen „noch vor Dezember“. Neue Virusvarianten sorgten immer noch für viele neue Krankheitsfälle, warnte der Direktor der Virologie an der Berliner Charité in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“.

Selbst bei leichten Krankheitsverläufen werde dies wahrscheinlich zu erheblichen Arbeitsausfällen führen. „Infizierte kommen vielleicht nicht ins Krankenhaus, aber sehr viele sind eine Woche krank.

Wenn es zu viele auf einmal sind, wird es zum Problem“, so Drosten. Deshalb müsse die Politik bessere Vorbereitungen treffen.

„Bevor so viele krank werden, dass man nichts mehr einkaufen kann, dass die Krankenhäuser nicht mehr funktionieren oder kein Polizeibeamter auf der Wache sitzt, muss man Maßnahmen ergreifen“, sagte Drosten der „SZ“. Er forderte die Politik auf, schon jetzt auf einen Konsens hinzuarbeiten, „bei welchen Signalen man wie handeln will“.

Denn „im Notfall braucht es sofortige und durchaus einschneidende Entscheidungen“. Drosten erwartet unter anderem, dass das Maskentragen in Innenräumen wieder notwendig wird.

Auch der Wirtschaft riet er, sich mit Stellvertreterregelungen und Team-Bildung auf eine Krankheitswelle vorzubereiten. „Ich gehe auch davon aus, dass es durchaus auch Firmen geben wird, die mal für zwei Wochen schließen müssen.“

Lauterbach: "Auf alle Szenarien sehr gut vorbereitet"

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet ebenfalls mit einer Herbstwelle, aber lediglich mit einer „mittelschweren“. In der „Rheinischen Post“ zeigte sich der SPD-Politiker zuversichtlich, dass die Regierung „auf alle Szenarien sehr gut vorbereitet“ ist.

„Wir werden die Corona-Welle in diesem Jahr im Griff behalten“, sagte Lauterbach mit Blick auf das neue Infektionsschutzgesetz, das unter anderem das Tragen von FFP2-Masken „in Bussen und Bahnen, im Fernverkehr, in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sowie den Arztpraxen“ vorsehe.

Die Bundesregierung werde die Corona-Welle in diesem Jahr im Griff behalten.

Foto: IMAGO/Future Image

Auf Twitter wies er am Samstagmorgen auf Drostens Interview hin und erwähnte dabei als Schutzmaßnahme auch „Obergrenzen im Innenraum“, die die Länder bei Bedarf festlegen können.

„Schließungen von Schulen oder des Gastgewerbes brauchen wir nicht mehr“, sagte der Minister weiter. Auch Lockdowns seien „nicht mehr vertretbar“, es sei denn, es gebe wieder eine pandemische Lage. „Die Gefahr sehe ich aber nicht“, sagte Lauterbach.

Mitglied des Corona-Expertenrats sieht Grund zum Optimismus

Nach Aussage des Greifswalder Corona-Experten Lars Kaderali gibt es nach der Corona-Sommerwelle mit Blick auf den Winter Grund zu Optimismus. In den zurückliegenden Monaten seien viele Menschen durch Kontakt mit dem Virus immunisiert worden.

„Das ist was Gutes. Das hilft uns im Winter“, sagte Kaderali, der dem Corona-Expertenrat der Bundesregierung angehört, der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir schätzen grob, dass jeder Dritte bis jeder Vierte jetzt im Sommer mit Corona Kontakt hatte.“ Die Infektionszahlen seien gesunken, ohne dass besondere Maßnahmen ergriffen worden seien.

„Das bedeutet eben, das Virus ist wirklich durchgelaufen.“ Auch habe es erstmals nach einem Ferienende keinen deutlichen Anstieg der Infektionen in der breiten Bevölkerung gegeben.

Wegen der breiteren Immunität zusätzlich zu Impfungen rechnet der Bioinformatiker damit, dass die Winterwelle nicht allzu heftig werde, zumindest so lange keine völlig neue Variante auftauche. Auch erwarte er keinen frühen erneuten Anstieg bei den Infektionen. Er gehe eher davon aus, dass sich das Infektionsgeschehen längere Zeit auf dem jetzigen Niveau bewegen werde oder möglicherweise sogar noch etwas zurückgehe.

Was im Frühjahr kommenden Jahres passiere, sei schwer vorauszusagen, etwa ob dann eine neue Variante komme. „Es sieht im Moment so aus auch, als ob das Virus, mit dem wir es zu tun haben, weiter Omikron sein wird.“

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Auch in anderen Ländern stehe noch kein ganz neues Virus am Horizont. Auch das führe ihn zur aktuell eher positiven Einschätzung.

Das heiße nicht, dass es im Winter nicht hohe Infektionszahlen geben werde. Er rechne aber nicht mit dramatischen Patientenzahlen in den Krankenhäusern. „Und ich rechne auch eher damit, dass diese Welle später kommen wird als wir das in den letzten Jahren hatten eben durch die vielen durchgemachten Infektionen im Sommer.“

dpa
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