Regierung: „Der Taschenspielertrick mit Bärbel Bas wird nicht funktionieren“
Herr Welzer, die Menschen in den westlichen Ländern scheinen gerade von Angst und Wut getrieben immer mehr den Rechtspopulisten hinterherzulaufen. Mehr Empörungsgefühle waren selten in der Politik. Und jetzt wollen Sie in Ihrem neuen Buch auch noch über Gefühle reden. Sollten wir nicht lieber mal wieder über Verstand sprechen?
Wir leben in einer Zeit, in der Gefühle nicht nur eine private Angelegenheit sind, sondern massiv politisch bewirtschaftet werden. Das hat enorme Folgen für unsere Gesellschaft – und deshalb müssen wir drüber reden.
Gefühle sind politisch?
Ganz genau. Politik ist nie ein rein rationaler Diskurs, in dem sich das bessere Argument durchsetzt. Besonders in Krisenzeiten spielen Gefühle die entscheidende Rolle. Und rechte Bewegungen haben gelernt, das systematisch auszunutzen.
Was sind das für Gefühle?
Angst ist sicher das stärkste und am leichtesten mobilisierbare Gefühl, deshalb hat Eva Illouz Angst „die Oberbefehlshaberin der Gefühle“ genannt. Aber es geht nicht nur darum. Es geht auch um Gefühle der Unbehaustheit, Orientierungslosigkeit, das Gefühl von Heimatlosigkeit. Das sind Hintergrundgefühle – niemand sagt: „Ich fühle mich unbehaust.“ Aber unterschwellig ist da dieses Empfinden: Hier stimmt etwas nicht mehr, die Dinge funktionieren nicht so, wie ich es kenne. Ein solches diffuses Gefühl sucht Anschluss, und genau an dieser Stelle setzen Rechtspopulisten an und bieten Zugehörigkeit. Das ist politisch extrem wirksam.