Rüstung: Diese sechs Dinge stehen auf der Einkaufsliste der Bundeswehr
Bei der deutschen Marine herrscht Mangel.
Foto: dpaBerlin. An diesem Donnerstag hat Benedikt Zimmer die Nachfolge von Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder im Bundesverteidigungsministerium angetreten. Der bisherige Generalleutnant steht für Kontinuität; er war bisher Abteilungsleiter Ausrüstung. Er ist der erste Militär auf dem bisher stets von Zivilisten besetzten Posten. „Die Details der Schräubchen und Rädchen hat er im Griff“, sagte Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei seiner Ernennung. In dieser Legislaturperiode wird er es mit großen Beschaffungsvorhaben zu tun bekommen.
Kriegsschiffe
Um den dringendsten Mangel bei der Marine schnell zu lindern, hatte die letzte Koalition noch im Sommer fünf neue Korvetten für zwei Milliarden Euro bestellt. Auch deshalb, weil das europaweite Ausschreibungsverfahren für die seit Längerem geplanten großen Mehrzweckkampfschiffe (MKS-180) stockte.
Der Auftrag für vier MKS-180 befindet sich in der Ausschreibung, die Vergabe soll möglichst noch dieses Jahr erfolgen. Als Kostenrahmen hat die Bundesregierung 3,5 Milliarden Euro vorgegeben.
Im Rennen ist nach dem Ausscheiden des Konsortiums von Thyssen-Krupp Marine Systems und Lürssen der niederländische Werftenkonzern Damen: Er verspricht, einen Großteil des Auftrags von Blohm + Voss abarbeiten zu lassen – womit, als Eigner von Blohm + Voss, das Bremer Unternehmen Lürssen wieder mit im Boot wäre. Als Konkurrent im Rennen ist noch German Naval Yards (GNY) mit Werften in Kiel und Rendsburg, die dem französisch-libanesischen Geschäftsmann Iskandar Safa gehört. GNY hat bisher aber meist kleinere Schiffe gebaut.
Kampfpanzer
Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben im Sommer einen europäischen Kampfpanzer verabredet, der in deutsch-französischer Kooperation entwickelt werden soll. Er soll den Leopard ablösen. Europaweit könnte ein solcher Auftrag nach Schätzungen von Rheinmetall-Chef Armin Papperger einen Umfang von bis zu 40 Milliarden Euro erreichen, wenn man davon ausgeht, dass Europas Armeen bis zu 2 500 Panzer brauchen werden.
Euro-Drohne
Dieses Projekt steht im Koalitionsvertrag, und Merkel und Macron hatten es ebenfalls im Sommer in ihrer Erklärung genannt. Die Drohne soll neu entwickelt werden und frühestens ab 2025 verfügbar sein. Allein für die Entwicklungskosten ist eine Milliarde Euro vorgesehen. Als Zwischenlösung least das Verteidigungsministerium Heron-TP-Drohnen aus Israel für neun Jahre für insgesamt 1,024 Milliarden Euro.
Kampfflugzeuge
Merkel und Macron setzen hier ebenfalls auf deutsch-französische Kooperation bei der Neuentwicklung. Da allerdings die derzeit im Einsatz befindlichen Tornados der Bundeswehr technisch völlig veraltet sind, Ersatzteile immer schwerer zu bekommen sind, muss es vor 2035 eine Lösung geben. Es läuft aktuell eine Voranfrage des Ministeriums für 90 Flugzeuge.
Neuer Staatssekretär im Verteidigungsministerium.
Foto: Bundeswehr / Jane SchmidtIn der Industrie rechnen Experten damit, dass der Eurofighter Tornado-Nachfolger wird. Bisher allerdings kann er, anders als der Tornado, keine US-Atombomben tragen, was wegen der „nuklearen Teilhabe“ Deutschlands notwendig wäre. Das Problem gilt aber als technisch lösbar. Bisher – ohne Tornado-Ersatz – hat die Bundeswehr einschließlich der bereits gelieferten insgesamt 143 Eurofighter für 24 Milliarden Euro bestellt.
Raketenabwehrsystem
Aus dem Bundesverteidigungsministerium gibt es die Vorentscheidung für ein Taktisches Luftverteidigungssystem (TLVS) auf Basis des Medium Extended Air Defence Systems (Meads), das unter deutscher Beteiligung entwickelt wurde. Der deutsche Hersteller MBDA soll es, in Kooperation mit dem US-Hersteller Lockheed Martin, fertig entwickeln. Im Sommer gab es Zweifel im Verteidigungsministerium, ob MBDA das Großprojekt wirklich stemmen kann. Es soll ungefähr fünf Milliarden Euro kosten.
In keinesfalls aussichtsloser Konkurrenz steht deshalb noch der US-Hersteller Raytheon mit seinem weiterentwickelten Patriot-System. Patriot nutzt die Bundeswehr bereits, viele andere EU-Staaten ebenfalls. Raytheon kooperiert in Deutschland mit Rheinmetall.
Digitale Funkgeräte
Das Projekt „Mobile Taktische Kommunikation“ hat zum Ziel, das Heer flächendeckend einschließlich gepanzerter Fahrzeuge mit sicherem Digitalfunk auszustatten. Das Projekt, dessen Kosten Bundestagshaushälter auf insgesamt vier Milliarden Euro schätzen, leidet unter Verzögerungen. Vor der Sommerpause wurden für 81 Millionen Euro 50 Geräte für die Führungsfahrzeuge Puma und Boxer beschafft.