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Start-ups Bundesregierung will Mitarbeiterbeteiligungen steuerlich begünstigen

Im weltweiten Wettbewerb um Talente haben deutsche Start-ups bislang schlechte Karten. Die Bundesregierung will das nun ändern. Auch Wagniskapitalfonds profitieren.
03.12.2020 - 10:48 Uhr Kommentieren
Die Start-up-Szene fordert schon länger, die Bedingungen für die Beteiligung von Mitarbeitern am Firmenkapital in Deutschland zu verbessern. Quelle: obs
Beschäftigte eines Start-ups

Die Start-up-Szene fordert schon länger, die Bedingungen für die Beteiligung von Mitarbeitern am Firmenkapital in Deutschland zu verbessern.

(Foto: obs)

Berlin Für Firmengründer ist es oft nicht leicht, hochqualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen – etablierte Unternehmen bezahlen meist besser und bieten mehr Sicherheit. Um dennoch auch international Talente von sich zu überzeugen, bleibt den Start-ups neben viel Enthusiasmus vor allem ein Lockmittel: die Aussicht auf satte Gewinne, wenn das Unternehmen erfolgreich ist und verkauft wird oder an die Börse geht.

Die Start-up-Szene dringt daher schon länger darauf, die Bedingungen für die Beteiligung von Mitarbeitern am Firmenkapital in Deutschland zu verbessern. Die Bundesregierung kommt dem nun nach: Das Ziel, Fachkräfte mit Anteilen an den Unternehmen zu beteiligen, solle damit „steuerlich flankiert werden“, heißt es im Referentenentwurf des Fondsstandortgesetzes, das dem Handelsblatt vorliegt.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) haben sich darauf geeinigt, den steuerfreien Höchstbetrag für Vermögensbeteiligungen ab Mitte 2021 von 360 Euro auf 720 Euro anzuheben. Wichtiger noch: Die Gewinne sollen erst versteuert werden müssen, wenn die Anteile mit Gewinn verkauft werden.

Bislang mussten Mitarbeiter im Rahmen der jährlichen Einkommensteuererklärung Steuern abführen auf Grundlage eines fiktiven Wertzuwachses, den die Finanzämter berechnen. Das Instrument wurde dadurch so unattraktiv, dass nur wenige deutsche Start-ups es für die Gewinnung von Talenten nutzten.

Im Silicon Valley sind Mitarbeiterbeteiligungen, im Fachjargon Employee Stock Ownership Plan (ESOP) genannt, hingegen ein bewährtes Mittel. So könnte der geplante Börsengang der Reiseplattform Airbnb zahlreiche Mitarbeiter zu Millionären machen.

Die Reform der Besteuerung sei daher „zwingend erforderlich, damit Start-ups im globalen ,War for talents’ nicht weiter ins Hintertreffen geraten und Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit als innovativer Tech-Standort verteidigen kann“, sagte der Präsident des Bundesverbands Deutsche Start-ups, Christian Miele, dem Handelsblatt. Die vorgeschlagenen Neuregelungen seien ein wichtiger Schritt, um Mitarbeiterbeteiligungen für Start-ups attraktiver zu machen.

Reform wird begrüßt

Der Gesetzentwurf geht nun ins parlamentarische Verfahren. Miele forderte, dort den Anwendungsbereich des Gesetzes noch auszuweiten, damit möglichst viele Start-ups und Mitarbeiter profitieren könnten. „Außerdem sollten Mitarbeiterbeteiligungen, die ja langfristige Unternehmensbeteiligungen und kein Arbeitslohn sind, auch als Kapitalerträge versteuert werden – so wie in fast allen anderen Ländern auch.“ Dann würden pauschal 25 Prozent auf die Erträge fällig statt des individuellen Einkommensteuersatzes.

Der Startup-Beauftragte der Grünen im Bundestag, Danyal Bayaz, brachte zudem einen höheren Freibetrag in der Größenordnung von 5000 Euro ins Spiel, "um auch wirklich spürbare Effekte zu erzielen“. Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jens Zimmermann, betonte, die SPD habe darauf geachtet, dass die Änderungen nicht missbraucht werden könnten, etwa zur Steuervermeidung beim Verkauf der Anteile oder um die regulären Gehälter auf Dumpingniveau zu drücken.

Auch für die Kapitalgeber von Start-ups wollen Scholz und Altmaier die steuerlichen Bedingungen verbessern. „Die Umsatzsteuerbefreiung für die Verwaltungsleistung von Investmentfonds wird auf die Verwaltung von Wagniskapitalfonds ausgedehnt“, heißt es in dem Gesetzentwurf.

Bislang müssen deutsche Venture-Capital-Fonds 19 (derzeit 16) Prozent Umsatzsteuer auf die Gebühren abführen, die sie sich für das Management der Fonds auszahlen. Das sei ein wesentlicher Grund dafür, dass nur wenige Venture-Capital-Fonds ihren Sitz in Deutschland hätten, klagen Investoren. Andere geben die Umsatzsteuer in Form von Gebühren an ihre eigenen Investoren ab, was wiederum die Attraktivität der deutschen Fonds schmälert.

Die Erleichterungen für Start-ups und VC-Fonds bedeuten nach Berechnungen des Finanzministeriums für den Staat Einnahmeverluste von 200 Millionen Euro im kommenden Jahr. Ab 2023 werden die Mindereinnahmen für Bund, Länder und Gemeinden auf 585 Millionen steigen.

Mehr: Die Bundesregierung nimmt im Zukunftsfonds Geld in die Hand, um die Finanzierungsbedingungen von Start-ups zu verbessern.

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